Vor einem Jahr wurde das Corona-Spezialkrankenhaus auf dem Messegelände fertig. Nun könnte sein Einsatz kommen. Foto: Volkmar Otto

Seit fast einem Jahr steht es fertig da. Das Corona-Behandlungszentrum auf dem Charlottenburger Messegelände, das damals unter der Leitung des einstigen Berliner Landesbranddirektors Albrecht Broemme in einer Rekordzeit von fünf Wochen aufgebaut wurde. Bisher wurde die 31 Millionen Euro teure Spezialklinik mit 500 Betten, die in der Messehalle 26 errichtet wurde, nicht benötigt. Doch jetzt könnte das Corona-Krankenhaus zum Einsatz kommen. Es sei sofort startbereit, erklärte am Montag Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) auf Anfrage des CDU-Abgeordneten Danny Freymark im Gesundheitsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

Der KURIER erfuhr aus Senatskreisen, dass der Senat bereits über eine Verlängerung der Laufzeit und des Nutzungsvertrages für das Behandlungszentrum berät, der Ende Juni auslaufen sollte. Man könne den Betrieb der Klinik jederzeit hochfahren, hatte Kalayci am Montag im Ausschuss betont, so der CDU-Abgeordnete Freymark. 

100 Mitarbeiter stehen für die Klinik abrufbereit

„Laut der Senatorin wäre das Behandlungszentrum mit 86 Betten sofort am Start. Ein eingespieltes Team stünde demnach bereit“, sagt der Unions-Politiker. Kalayci habe auch erklärt, wenn mehr Kapazitäten in der Corona-Klinik notwendig wären, müsste Personal aus anderen Kliniken abgezogen werden, so Freymark. Das Kern-Team für das Behandlungszentrum rekrutiert sich derzeit aus etwa 100 Mitarbeitern des landeseigenen Krankenhaus-Konzerns Vivantes, der die Corona-Klinik betreibt. Für den Notfall gibt es Verträge mit anderen Kliniken, damit externes Personal für das Behandlungszentrum dazugeholt werden kann, so eine Vivantes-Sprecherin.

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Die Einrichtung auf dem Messegelände dient laut Gesundheitsverwaltung als Reserve, die dann zum Einsatz kommen soll, wenn die Kapazitäten auf den Corona-Intensivstationen der 50 Berliner Notfallkrankenhäuser überlastet sind. Das Behandlungszentrum soll die Kliniken dadurch entlasten, dass es Corona-Patienten, die nicht der Intensivpflege bedürfen, aufnimmt.

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci bei der Übergabe des Corona-Krankenhauses vor einem Jahr. Foto: Volkmar Otto

Dass der Fall eintreffen könnte, davon geht der CDU-Abgeordnete Freymark wegen der derzeitigen drastischen Erhöhung der Patientenzahl auf den Corona-Intensivstationen der Berliner Kliniken aus und stellte deshalb im Ausschuss die Frage zur Eröffnung des Corona-Behandlungszentrums. Offenbar hält auch die Gesundheitssenatorin dies aufgrund der aktuellen Lage für möglich. „Es ist gut, dass wir die Reserveklinik haben“, sagt Kalayci.

Etwa 500 Betten stehen in der Messehalle 26, die zum Corona-Behandlungszentrum umgebaut wurde. Foto: dpa

Laut dem Corona-Lagebericht des Senats (Stand 11. April) liegt die Auslastung der Intensivstationen mit Covid-19-Patienten bei 25,8 Prozent, die Corona-Warnampel steht für diesen Bereich auf Rot. Danach liegen 771 Corona-Patienten in den Kliniken, davon 305 auf den Intensivstationen, von denen 247 beatmet werden müssen. Es gebe einen klaren Trend nach oben, so Kalayci. „Seit dem 20. März sehen wir einen Anstieg von etwa 58 Prozent bei der Belegung von Intensivbetten und etwa 36 Prozent bei den peripher-stationären Betten“, sagt der Sprecher der Senatorin, Moritz Quiske.

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Bereits Ende vergangener Woche schlugen Intensivmediziner Alarm, berichteten davon, dass auf den Stationen hart am Limit gearbeitet werde. Die Charité hatte bereits angekündigt, nun wieder Mitarbeiter vermehrt in Covid-19-Bereichen einzusetzen, so Martin E. Kreis, Vorstand Krankenversorgung an der Charité. Die steigende Corona-Patientenzahl mache diesen Schritt nötig. Zudem werde die Zahl der elektiven Eingriffe zurückgefahren.

Patienten aus Brandenburg und Thüringen könnten nach Berlin kommen

Nicht nur wegen der angespannten Lage in der Hauptstadt wäre ein künftiger Einsatz des Corona-Behandlungszentrums denkbar. Im Gesundheitsausschuss wies Kalayci auf Vereinbarungen im Verbund mit anderen Bundesländern wie Brandenburg, Thüringen oder Sachsen hin, sich bei Bedarf gegenseitig zu unterstützen. In Brandenburg und Thüringen sei die Auslastungssituation angespannt, so die Gesundheitssenatorin. Sie gehe davon aus, dass eine Hilfestellung zwischen den Bundesländern erforderlich sein werde. „Bisher gibt es noch keinen Antrag, Patienten zu übernehmen, aber wir rechnen, wenn die Entwicklung so weitergeht, sehr bald damit.“

Sorge mache Kalayci der hohe Anteil der britischen Virusvariante in Berlin. 11.329 Fälle wurden gemeldet. Mit 86 Prozent der Infektionen sei die deutlich gefährlichere Variante damit ganz klar dominierend. Eine Folge seien schwerere Krankheitsverläufe auch bei den Jüngeren. Die Zahl der jüngeren Covid-Patienten in den Krankenhäusern habe deutlich zugenommen, so Kalayci.