Das schwarze Lamm Oreo unterscheidet sich deutlich von seinen Artgenossen im Stall von Schäfermeister Hahnel. dpa/Pleul

Süß ist er – und da musste auch ein süßer Name her. Und sieht man das Lämmchen, erkennt man sofort, warum es Oreo heißt. Ganz in Schwarz, in der Mitte ein weißer Streifen, so wie man das von den Oreo-Cookies kennt. Gerade mal drei Wochen alt ist der kleine Oreo und schon ein kleiner Star unter den Lämmern bei Schäfermeister Frank Hahnel in Müncheberg bei Berlin.

Normalerweise werden für die etwa 300 bis 400 Neuankömmlinge in der Herde keine Namen vergeben. Aber Oreo fällt inmitten seiner weißfelligen Verwandten auf. „Der kleine Bock mit seinem schwarzen Fell ist schon ein Hingucker in der Gruppe“, sagt Hahnel. Der Kleine zieht die Aufmerksamkeit auf sich, dazu die neugierigen Augen und das noch weiche Fellkleid.

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In vier Monaten, wenn er nicht mehr auf die Milch seiner Mutter angewiesen ist und er geschlechtsreif wird, muss Hahnel über die Zukunft des Böckchens Oreo nachdenken: „Bleibt er in der Herde, oder geht er in eine andere?“

In wenigen Monaten könnte Oreo schon wieder geschlachtet werden

Tierliebhaber, Vegetarier und Veganer werden es gar nicht gerne hören: Auch die Schlachtung sei möglich. Um die Osterzeit geborene Lämmer werden frühestens nach vier bis fünf Monaten geschlachtet. „Das Fleisch landet dann zu Weihnachten auf dem Tisch der Verbraucher“, sagt er. Zu Ostern verzehrtes Lammfleisch stamme hingegen von Tieren, die im vergangenen Jahr geboren wurden. Aber können Sie sich dieses süße Lämmchen mit den Kulleraugen im Kochtopf vorstellen?

Für den Schäfer ist die Lämmerzeit ist die schönste Zeit im Jahr. „Aber auch die arbeitsreichste“, sagt er. Es müsse beobachtet werden, ob Mutterschafe mit der Geburt allein zurechtkommen oder ob sie Unterstützung benötigen.

Der Geräuschpegel im Stall ist hoch: Wenn die Schafe das Klappern der Eimer hören und der Hafer in die Futterraufe geschüttet wird, blöken die Tiere laut. Lämmer rufen ihre Mutter, die dann eher ans Fressen denkt. Das eigene Wort ist kaum zu hören. Erst wenn alle satt sind und die Lämmchen bei den Müttern dösen oder trinken, kann auch Hahnel etwas entspannen.

Schäferin Sandra Weihmann hockt mit dem Lamm Oreo im Stall. dpa/Pleul

Der geborene Berliner wollte immer Schäfer werden. Den Beruf lernte er in Mecklenburg-Vorpommern, später wurde er Meister. Mit eigenen Herden machte er sich nach der Wende im brandenburgischen Müncheberg selbstständig. Im Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg gibt es derzeit rund 300 Mitglieder: Sie halten von einem bis zu 3000 Schafe oder Ziegen.

15 Hütehunde wehren Angriffe von Wölfen ab

Hahnel besitzt etwa 500 Mutterschafe, je nach Saison 300 bis 400 Lämmer und elf spezielle Herdenschutzhunde. Sie wehren seit 15 Jahren Wölfe erfolgreich von seinen Schafen ab.

Sein Haupterwerb ist heute die Landschaftspflege. Im Umkreis von etwa 15 Kilometern um seinen Heimtort weiden die Merino-Landschafe. „Sie sind Samen-Taxis und sorgen auch für die Verbreitung von Insekten“, sagt er. Mit ihren Hufen trippelten sie über die Flächen und verdichteten den Boden. Zudem werde das Grünland kurz verbissen.

Das sorge für gesunde Wiesen und Grünland. „Ohne Schafe würde es nur Wald geben“, sagt er. Die Landschaftspflege werde über Agrarsubventionen finanziert: seine Haupteinnahmequelle.

Im vergangenen Jahr war es dem Schäfermeister aber auch gelungen, Wolle seiner Tiere zu verkaufen. „Es war aber ein Verlustgeschäft“, bedauert er. Für ein Kilogramm habe er einen Euro erhalten, allein für die Schur eines Tieres musste er etwa 2,50 Euro zahlen.

Schäfer verdienen nur rund 6 Euro pro Stunde

Eine weitere Einnahmequelle ist für den Schäfer der Verkauf von Lammfleisch. Er stehe da aber großer Konkurrenz zu Importen, vor allem aus Neuseeland, bedauert Hahnel.

Nach Angaben der Vereinigung Deutsche Landschaftszuchtverbände liegt der durchschnittliche Stundenlohn der Schäfer bei sechs Euro. „Das ist noch unter dem Mindestlohn“, kritisiert Stefan Völl, Geschäftsführer der Vereinigung. Die Politik müsse die wichtige Arbeit der Schäfer und ihrer Tiere beim Küsten- und Landschaftsschutz finanziell besser wertschätzen.

Etwa 45 Prozent des in Deutschland verzehrten Lammfleischs stamme von hier, sagt Völl. Der Pro-Kopf-Verbrauch liege seit Jahren bei unter einem Kilogramm. Er appelliert an die Verbraucher, bewusst zu deutschem Lammfleisch, Schafsmilch oder Wolle zu greifen. „Damit werden der Küstenschutz, die Landschaftspflege mit Schafen und die einheimischen Schäfer unterstützt.“

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Für Hahnel gibt es keinen schöneren Beruf. Das Leben mit der Natur und den Umgang mit den Tieren: aus seiner Sicht eine perfekte Idylle. Von dieser Begeisterung ließ sich sein 19-jähriger Sohn anstecken. Zurzeit ist der im zweiten Ausbildungsjahr und lernt die Theorie in der Berufsschule in Halle. Beim Vater in Müncheberg läuft die praktische Ausbildung. „Ich konnte es ihm nicht ausreden“, sagt der Senior. „Aber er kauft die Katze nicht im Sack und weiß, wie schwer die Arbeit ist.“