Erwischt! Puschel ist so zutraulich, dass Menzendorf regelmäßig bezaubernde Fotos gelingen. Fotos: Facebook/Menzendorf

Ihre Pfötchen sind winzig, aber ihre Not ist groß: Erst in der vergangenen Woche berichtete der Berliner KURIER über die schwierige Situation der Eichhörnchen. Die putzigen Nager mit dem rot-braunen Fell sind in Gefahr – auch, weil zu wenig Menschen den Tieren helfen, wenn sie in eine Notsituation geraten. Doch es gibt auch positive Beispiele: In Mariendorf kommt bei Susanne Menzendorf (52) beinahe täglich ein Hörnchen vorbei, um sich Nüsse zu holen. Puschel ist mittlerweile zutraulich – und ein kleiner Star auf Facebook!

Manchmal reicht schon eine Nuss, um eine wunderbare Freundschaft zu beginnen – so war es auch bei Susanne Menzendorf und ihrem tierischen Freund! Seit drei Monaten bekommt die 52-Jährige auf ihrem Fensterbrett Besuch von einem Eichhörnchen. Eine Geschichte, die mit tapsigen Schritten begann.

„Ich hörte Geräusche, die so klangen, als würde irgendetwas an der Hauswand nach oben klettern“, sagt die Berlinerin dem KURIER. Was genau es war, wusste sie zuerst nicht. „Weil ich früher mal Hasen hatte, hatte ich noch einen alten Futternapf da. Also packte ich ein paar Nüsse hinein, stellte ihn auf das Fensterbrett.“

Inzwischen frisst ihr das Hörnchen schon aus der Hand. Foto: Facebook/Menzendorf

Auf magische Weise verschwanden die Nüsse, doch der Dieb blieb unerkannt. „Aber dann erwischte ich das Hörnchen.“ „Puschel“ – so nannte sie das Tier aufgrund der Fellbüschel an den Ohren – habe sofort ihr Herz erwärmt.

Klar, dass Susanne Menzendorf immer wieder Nüsse locker machte. Und Puschel kehrte zurück! Inzwischen frisst ihr das Hörnchen aus der Hand. Und einmal verirrte sich der putzige Geselle sogar in ihre Wohnung. „Plötzlich saß er auf meinem Bett, er war vom Fensterbrett rüber gesprungen. Aber er hat zum Glück allein wieder rausgefunden.“ Dass er dabei schmutzige Pfötchen hatte, hat Menzendorf ihm verziehen.

Glücks-Foto: Menzeldorf und Puschel sind mittlerweile gute Freunde. Foto: Facebook/Menzendorf

Wo genau Puschel wohnt, weiß sie nicht – zwar sieht sie ihn immer wieder an einem Zaun neben einer benachbarten Schule, ein Nest hat sie aber noch nicht entdeckt. „Und ich weiß auch nicht, ob er ein Männchen oder ein Weibchen ist“, sagt sie.

Klar ist aber, dass der kleine Racker feste Essenszeiten hat. „Er kommt immer nur am Vormittag vorbei, mal ganz früh am Morgen, mal gegen 9 Uhr. Danach ist aber Schluss.“ Manchmal habe sie danach noch eine Nuss in den Futternapf gelegt. „Die lag dann aber bis zum nächsten Morgen drin.“

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Inzwischen ist Puschel sogar ein kleiner Star im Internet: Weil er so zutraulich ist, kann Susanne Menzendorf zauberhafte Bilder des Hörnchens schießen. Diese veröffentlicht sie in Bezirks-Gruppen im sozialen Netzwerk Facebook. Unzählige Menschen verfolgen ihre Hörnchen-News, hinterlassen begeisterte Kommentare.

Zu zutraulich soll Puschel aber nicht werden, sagt Menzendorf. „Er frisst mir zwar aus der Hand, aber an mir hochklettern will er nicht. Das ist auch nicht schlimm, denn er bleibt natürlich ein Wildtier.“ Sie wolle sich kein zahmes Hörnchen zulegen, sondern nur dafür sorgen, dass er etwas zu fressen bekommt.

Auch den Weg in die Wohnung hat Puschel schon gefunden. Foto: Facebook/Menzendorf

Und das ist wichtig: Viele Eichhörnchen leiden unter den sich verändernden Umweltbedingungen. „Wir haben keine richtigen Winter mehr, deshalb können sie keine Winterruhe mehr halten“, sagte Tierschützerin Tanya Lenn, die im Süden Berlins eine Notstation für die Hörnchen betreibt, dem KURIER. 

Noch dazu werden ihre Lebensräume vernichtet, Bäume gefällt. Die Folge: „Die Eichhörnchen kommen nicht mehr zur Ruhe, haben keine Widerstandsfähigkeit mehr und werden leichter von Krankheiten befallen.“ Wichtig sei es, dass Tieren in Not geholfen wird. „Es kommt immer wieder vor, dass junge, verwaiste Eichhörnchen dem Menschen hinterherlaufen. Das ist ein letzter Hilferuf. Wenn dem Tier nicht geholfen wird, wird es sterben.“