Immer entschlossen und voller Tatendrang: Angela Müller will auch im Ruhestand noch für andere da sein. Foto: Sabine Gudath

Wer alters- oder krankheitsbedingt ins Pflegeheim ziehen muss, kann Dinge, die bisher normal waren, nicht mehr so leicht erledigen. Was aber, wenn der Wohnsitz umgemeldet oder ein neuer Ausweis beantragt werden muss? Die Bewohner des Kursana Domizil Landsberger Tor haben da einen Vorteil: In ihrer Nachbarschaft wohnt Angela Müller (76)! Sie arbeitete 30 Jahre lang beim Bürgeramt – und hilft den Menschen im Pflegeheim heute beim Erledigen der Behördengänge. Sie ist der Engel mit den Formularen!

Schon 1998, als Angela Müller mit ihrem zweiten Mann vom Blumberger Damm in eine neue Wohnung im Hirschfelder Weg zog, kam sie in Kontakt mit dem Pflegeheim. Auch bei der Arbeit: Müller saß damals als Verwaltungsfachangestellte im Bürgeramt Marzahn. „Eine Mitarbeiterin des Domizil kam auf dem Amt vorbei und brachte einen Stapel Unterlagen der Bewohner“, erzählt sie dem KURIER. „Ich sagte: Lassen Sie es hier, ich bringe es später vorbei. So konnte ich die Sachen in Ruhe abarbeiten, niemand musste länger warten.“

Oft haben Senioren Schwierigkeiten damit, ihren Ausweis abzugeben

Es war der Beginn des besonderen Ehrenamtes: Heute vermittelt das Heim den Bewohnern Kontakt zu Angela Müller. „Wenn jemand neu einzieht, muss zum Beispiel die Meldeadresse geändert werden“, sagt sie. „Oft gibt es auch Bewohner, die aus gesundheitlichen Gründen gar nicht mehr nach draußen können und deshalb eine Befreiung von der Ausweispflicht beantragen wollen.“

Die 76-Jährige kommt vorbei, füllt gemeinsam mit den Menschen, die hier auf der Pflegestation oder im Betreuten Wohnen leben, Formulare aus, bringt sie zu ihren ehemaligen Kollegen im Bürgeramt.  Auch auf Wünsche wird Rücksicht genommen. Oft hätten die Senioren Probleme damit, ihren Ausweis abzugeben. „Sie fühlen sich ohne Dokument nicht wohl, auch wenn sie von der Ausweispflicht befreit sind. Deshalb kümmere ich mich darum, dass sie den Personalausweis entwertet zurückbekommen.“

Immer dabei: Jack-Russell-Hündin Lou ist bei den Bewohnern des Pflegeheims bekannt. Foto: Sabine Gudath

Auch im Ruhestand wolle sie schließlich nicht zu Hause herumsitzen, sagt sie. „Man muss doch etwas tun! Und außerdem hatte ich immer gern Kontakt mit Menschen.“ Eigentlich sei sie Fachverkäuferin für Möbel und Polsterwaren, habe später im Buchhandel gearbeitet. „Aber nach einer Scheidung war ich mit meinen drei Kindern alleine – und musste mich nach einem anderen Beruf umschauen.“ 1974 fing sie auf der Meldestelle in Treptow an, kam später zum Bürgeramt. „Ein Bürojob ohne Kontakt zu Leuten wäre nichts für mich gewesen.“

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Die Corona-Krise hat auch für sie vieles verändert. „Es gab seit März letzten Jahres keine gemeinsamen Nachmittage mehr, das ist vor allem für die Bewohner sehr schade. Und ich kümmere mich im Moment nur um die Leute im Betreuten Wohnen, auf die Pflege-Stationen darf ich nicht.“ Müller hofft, dass sich die Situation bald ändert. Bis zu ihrem 80. Lebensjahr will sie noch bei Behördengängen helfen, sagt sie. „Erstmal finde ich das ein gutes Ziel. Aber wenn ich noch fit bin, mache ich vielleicht auch weiter.“