Gähnende Leere am Brandenburger Tor: Sonst ist der Pariser Platz überfüllt, derzeit verirren sich nur wenige her. Foto: Thomas Uhlemann

Berlin Das Coronavirus breitet sich in Berlin immer weiter aus – und nach und nach scheinen die Berliner zu verstehen, dass die Lage ernst ist: Wer gestern, wie der KURIER-Fotograf, einen Streifzug durch die Stadt wagte, stieß überall auf leere Plätze und Straßen. Überall? Nun ja ... fast.

Denn selbstverständlich gibt es Berliner, die sich ihren Spaß auch angesichts der Ausbreitung eine potenziell tödlichen Virus nicht auf ihren Spaß verzichten. Beispiel Prenzlauer Berg: Während etwa der Spielplatz am Kollwitzplatz in der Mittagszeit ziemlich leer war, tummelten sich auf dem benachbarten Markt zahlreiche Besucher. Im Gegensatz zu vielen anderen Orten in der Stadt.

Auf dem Wochenmarkt am Kollwitzplatz tummelten sich am Wochenende unzählige Besucher. Foto: Thomas Uhlemann

Schon am Stadtrand, im sonst proppenvollen Kaufpark Eiche, herrscht am späten Vormittag gähnende Leere – nicht einmal ein Drittel der Parkplätze sind belegt. Noch gespenstischer ist es am Brandenburger Tor: Am Nachmittag liegt der Pariser Platz, sonst von Touristenmassen bevölkert, verlassen da.

Cathleen aus Charlottenburg drehte mit ihrer Hündin eine Runde am Brandenburger Tor. Foto: Thomas Uhlemann

Nur ein ausländisches Fernsehteam ist zu sehen. Schon am Freitag sah es hier einsam aus – nur Cathleen aus Charlottenburg drehte mit ihrer Hündin eine Runde. „Sonst komme ich nie her, weil es mir viel zu voll ist, aber jetzt ist alles anders“, sagt sie. In Richtung Westen, auf der Straße des 17. Juni, sind nur wenige Autos unterwegs. Verlassen sind auch das Holocaust-Mahnmal, im Tiergarten gegenüber drehen nur vereinzelt Spaziergänger ihre Runden – und in der Mall of Berlin, deren Atrium sonst voller Menschen ist, ist ebenfalls niemand zu sehen.

Simone Bannemann aus Neukölln wartet im Hauptbahnhof allein auf einen Zug nach Dessau. Foto:Thomas Uhlemann

Gähnende Leere auch im Hauptbahnhof, wo sich sonst Reisende tummeln: An einem Gleis steht Simone Bannemann aus Neukölln. „Ich arbeite in der Gastronomie, aber mein Betrieb ist geschlossen. Deshalb fahre ich nach Dessau, um eine Freundin zu besuchen“, sagt sie. „Ich schätze, im Zug werde ich heute mal freie Platzwahl haben.“

Die Café rund um die Simon-Sach-Straße bleiben derzeit leer. Foto: Thomas Uhlemann

Das gleiche Bild im Ausgehviertel: Rund um den Boxhagener Platz und die Simon-Dach-Straße in Friedrichshain sind die Tische der Straßencafés leer. Berlin muss zu Hause bleiben, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen – das scheinen zum Glück viele begriffen zu haben.