Hinter der Schaubühne am Lehniner Platz befinden sich die stillgelegten Tennisplätze. dpa

Die 2007 stillgelegten Tennisplätze hinter der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz, auf denen Erich Kästner und Willy Brandt einstmals die Schläger schwangen, dürfen nicht mit zwei sechsgeschossigen Wohnhäusern bebaut werden. Das urteilte das Berliner Verwaltungsgericht nach einem jahrelangen Verfahren. Grundsätzlich ausgeschlossen sei eine Bebauung aber nicht.

Geklagt hatte eine Firma, die insgesamt 40 Wohnungen innerhalb des seit 1982 unter Denkmalschutz stehenden Bauensembles errichten wollte. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf hatte aber weder einen 2016 gestellten Antrag auf „Erteilung einer bauplanungsrechtlichen Ausnahme“ noch einen Antrag auf „eine denkmalrechtliche Genehmigung“ beschieden. Deshalb zog das Unternehmen vor Gericht.

Gericht: Im Denkmal-Ensemble geplante Bauten zu groß und massiv

Das Gericht urteilte, dass die Firma keinen Anspruch auf die denkmalrechtliche Genehmigung habe. Ihr Vorhaben, das Luxuswohnungen mit einer durchschnittlichen Größe von 180 Quadratmetern  schaffen sollte, verstoße wegen seiner Größe und Massivität gegen den Denkmalschutz.

Würde gebaut wie geplant, werde„ die künstlerische Bedeutung der Bestandsgebäude als hochwertiges Beispiel der Kunstperiode der Neuen Sachlichkeit wesentlich beeinträchtigt“. Den gesamten Komplex zeichne nicht nur seine außergewöhnliche Homogenität aus, sondern er stehe geradezu exemplarisch für das Werk des Architekten Erich Mendelsohn, erklärte die Kammer. Er sei sowohl durch Zurückhaltung und Schlichtheit als auch durch Funktionalität statt Prunk geprägt.

Demgegenüber werde das geplante Vorhaben die Bestandsgebäude verdecken und so ihre Wahrnehmbarkeit verstellen.

Grundsätzlich darf das Gelände im Denkmal bebaut werden, nur nicht wie geplant

Allerdings, und das ist das Haar in der Rechtssuppe, sei eine Bebauung des Block-Innenbereichs nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Außerdem kann das klagende Unternehmen ein Berufungsverfahren beim Oberverwaltungsgericht beantragen.

Die Tennisplätze waren 2016 schon vollkommen verwildert Gianmarco Bresadola

Die Plätze gehören zu dem 1931 fertiggestellten „Woga“-Ensemble des Architektenstars Mendelsohn: Vorne am Kudamm sind Schaubühne, Läden und Lokale untergebracht, dahinter entlang der Cicerostraße Wohnhäuser.

Berlin verkaufte die Fläche innerhalb des Denkmal-Ensembles „für 'n Appel und 'n Ei“

Der Berliner KURIER berichtete 2016, dass eine englische Firma die Tennisplätze Plätze 2008 gekauft hatte – ein Schnäppchen für sie. So wusste ein Mieter der Mendelsohn-Wohnungen seinerzeit zu sagen, dass Berlin die 6000 Quadratmeter für läppische 435.000 Euro abgegeben hatte.

Im Mai 2016 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung, dass sich das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf beim Landesdenkmalamt dafür einsetzen sollte, den Komplex mit seinen Tennisplätzen „in ihrer Eigenschaft als Freifläche“ zu erhalten. Später wurden weitergehende Anträge, den Bauantrag für die Wohnungen zurückzustellen, allerdings abgelehnt.