Muhamed R. (31) auf der Anklagebank. Seine drei Mittäter verriet das Mitglied eines berüchtigten Clans nicht. Pressefoto Wagner

Der Sack mit 15 Geldkassetten war so groß, dass die Räuber mit halb geöffnetem Kofferraum davonrasten. 648.500 Euro hatten sie in eineinhalb Minuten erbeutet.

Zweiter Tag im Prozess um den spektakulären Geldtransporter-Überfall auf dem beliebten Ku’damm. Muhamed R. (31), der aus einem berüchtigten arabischstämmigen Clan stammt, auf der Anklagebank. Er gestand und schob seine Beteiligung auf Koks-Schulden: „Ich ließ mich von einem Bekannten überreden.“ Mittäter nannte R. nicht.

Lesen Sie auch: Spanner-Angriff in Zehlendorfer Sporthalle: Jahrelang filmte Alexander K. Mädchen und Frauen beim Umziehen>>

Sie agierten wie ein eingespieltes Quartett. Ein Ermittler (43): „Ein absolut arbeitsteiliges Vorgehen.“ Bewaffnet, maskiert und in orangefarbener Müllmann-Kleidung lauerten sie vor einer Bankfiliale. Der Ermittler: „Vier Täter waren vor Ort. Als die letzte Geldkassette aus dem Transporter gereicht wurde, griffen sie an.“

Der massige Clan-Mann drückte einen Sicherheitsmitarbeiter in die Fahrzeugschleuse. Er setzte auch Reizgas ein. Einer der Räuber hielt einen großen Bauschutt-Sack auf, zwei Täter warfen Geldkassetten hinein. Der Ermittler: „Eineinhalb Minuten dauerte das Ganze.“

In der Bessemerstraße fackelten sie den silberfarbenen Audi A6 ab, um ihre Spuren zu vertuschen

Der Sack passte kaum ins Fluchtauto, an dessen Steuer der fünfte Täter saß. „Der Kofferraum blieb halb geöffnet. Der Sack musste von innen gehalten werden“, so der Ermittler. Rasant ging es Richtung A100 und dann vermutlich über Abfahrt Alboinstraße zur Bessemerstraße. Dort fackelten sie den silberfarbenen Audi A6 ab, um ihre Spuren zu vertuschen. Die beiden Revolver, die sie den Wachleuten abgenommen hatte, lagen im Autowrack.

Alles war von langer Hand geplant. Der Ermittler: „Das Auto wurde etwa einen Monat zuvor gekauft.“ Das Geschäft lief über ein Handy, das offenbar einzig zu diesem Zweck aktiviert worden war. Der Audi wurde mit falschem Kennzeichen ausgestattet.

Am Pullover eines Wachmanns hatte Muhamed R. wegen seiner laufenden Kokain-Nase seine Spur hinterlassen

Auf Hochtouren wurde ermittelt. Am 12. März dann ein DNA-Treffer: Am Pullover eines Wachmanns hatte Muhamed R. wegen seiner laufenden Kokain-Nase seine Spur hinterlassen. Festnahme zehn Tage später. Der Zeuge: „Er war überrascht.“ Gegenwehr erfolgte nicht. Etwas Kokain hatte er in seiner Tasche und 750 Euro.

In der Wohnung des dreifachen Familienvaters wurden zwar keine Beweismittel zum Überfall gefunden, allerdings Hinweise auf Geldausgaben: „Verpackungen und Quittungen hochpreisiger Kleidung von Louis Vuitton.“

Mehr Blaulicht-News finden Sie in unserem Berlin-Polizei-Ticker >>

Der Clan-Mann bekam nach seinen Angaben 70 000 Euro als Anteil aus dem Coup. Das Geld habe ihm jener Bekannte gegeben, der ihn angeheuert habe - „15 000 Euro behielt er ein wegen Schulden, die ich bei ihm hatte“.

Am Mittwoch soll es zum Urteil kommen. Gericht, Anklägerin und Verteidiger haben sich verständigt: Bei Geständnis sechseinhalb bis siebeneinhalb Jahre Knast.