Seinen ersten Überfall beging Bruno S. M. (39) auf eine Commerzbank in Schöneberg, die nur 350 Meter von seiner Wohnung entfernt ist.  Foto: Eric Richard

Geldsorgen, Liebeskummer, Drogen-Psychose: Der Flip-Flop-Bankräuber hatte massive Probleme, sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Dabei kommt der Italo-Brasilianer aus gutem Hause. Doch zuletzt ging es immer weiter bergab – bis er am Dienstag in nur 35 Minuten zwei Banken überfiel. 

Erst nahmen seine Frau und Tochter Reißaus, dann stapelten sich die unbezahlten Rechnungen. Bruno S. M. soll immer wieder versucht haben, sich bei seinen Nachbarn Geld zu leihen, berichten Anwohner der Eisenacher Straße dem KURIER. Der 39-Jährige, der in einer schönen Altbauwohnung in Schöneberg wohnte, war für die meisten Nachbarn jedoch „unberechenbar“. Offenbar sah der Sohn eines brasilianischen Generals nur noch einen Ausweg aus seiner Misere: Banküberfälle. 

Bankräuber flüchtete mit einem Fahrrad

Mit Flip-Flops und Mundschutz hatte er sich am Dienstagmorgen auf sein Fahrrad geschwungen. Nur 350 Meter von seiner Wohnung entfernt stürmte er mit einem Messer bewaffnet in die Commerzbank an der Schöneberger Hauptstraße. Obwohl er Beute machte, überfiel er noch die Commerzbank auf dem Kudamm gegenüber der Gedächtniskirche. Bilder aus einer Überwachungskamera überführten den Turbo-Bankräuber. Nachbarn hatten ihn wiedererkannt und die Polizei alarmiert. Ein Spezialeinsatzkommando überwältigte ihn 22 Stunden später in seiner Zwei-Zimmer-Wohnung, wo die Polizei den größten Teil der Beute sicherstellte.

Der Flip-Flop-Bankräuber hatte als Maske lediglich einen Mundschutz angezogen.  Foto: Polizei

Jetzt hat der stets klamme Eigenbrötler eine kostenlose Unterkunft und Vollverpflegung. Bruno S. M. sitzt in U-Haft. Die Staatsanwaltschaft hat ihn trotz psychischer Auffälligkeiten für schuldfähig eingeschätzt. Einige Nachbarn berichten, dass er nach einem LSD-Trip vor einigen Jahren eine Psychose erlitten haben soll. Immer wieder soll er in dem Haus mit merkwürdigen Verhalten aufgefallen sein. Anfang 2019 soll er seine Frau, eine Amerikanerin, vor den Augen der vierjährigen Tochter angegriffen haben. „Die Polizei kam und muss irgendwas gemacht haben. Er ging nach Brasilien zurück und machte dort eine Therapie“, erklärt eine Nachbarin. 

Im September 2019 kam er zurück nach Berlin. Seine Frau und er hatten vereinbart, dass er erst mal als Untermieter bei einem Nachbarn wohnt. Als dieser zurückkam, zog er wieder zu seiner Frau und Tochter. Doch seine Frau hielt es offenbar nicht mehr aus. Sie flog zusammen mit der Tochter in ihre Heimat, nach Kalifornien. „Wegen Corona kam sie angeblich nicht zurück. Zumindest hat sie das gesagt. Aber er hat es nicht geglaubt und drehte immer öfter durch“, erzählt eine Anwohnerin. 

Er stellte Sachen von seiner Frau und Tochter in den Hausflur. Eines Tages warf er einen Fernseher aus dem Fenster. Alarmierte Polizisten sollen versucht haben, ihn zu beruhigen. Da jedoch nichts Schwerwiegendes vorlag, seien ihnen die Hände gebunden gewesen. Auch der Sozialdienst soll informiert gewesen sein. Dass der 39-Jährige allerdings zu Banküberfällen fähig ist, hätte niemand gedacht.