Mitarbeiter der Spurensicherung der Polizei untersuchen eine Bankfiliale, in der ein Geldautomat gesprengt wurde (Symbolfoto). dpa/Balk

Der Automaten-Knacker hielt viel Geld in den Armen, als ihn ein Polizeiauto stoppte: Mert E. (28) glitten die Scheine nur kurz nach dem Klau aus den Händen. Statt Geldsegen klickten Handfesseln: Bauhelfer E. aus Reinickendorf landete mit seinem Komplizen Bilal Ö. (34) vor Gericht. Zwei weitere Mittäter sind bislang unbekannt.

Das Quartett hatte in der Nacht zum 12. Juli einen Automaten in Mariendorf angegriffen. Die Anklage: „Sie leiteten im Vorraum der Bankfiliale in der Königstraße ein Gasgemisch in einen Geldautomaten ein.“

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Es war 0.50 Uhr, als ein gewaltiger Knall die Anwohner aus dem Schlaf riss. Während die Panzerknacker nach den Scheinen aus dem aufgesprengten Automaten griffen, waren Polizisten bereits alarmiert und auf dem Weg.

Ein Beamter: „Ohne Martinshorn sind wir zum Tatort gefahren – das Überraschungsmoment ist uns gelungen.“ Zwei Männer, maskiert mit Sturmhauben, sprangen in einen silberfarbenen Mercedes. Weil ihnen das Polizeiauto den Weg versperrte, preschten sie über den Gehweg, entkamen unerkannt.

Einer der Täter rannte genau auf das Polizeiauto zu und ließ das Geld fallen

Zwei weitere Automaten-Knacker stürmten aus der Filiale. In ihren Händen ein Teil der satten Beute von insgesamt 142.280 Euro. Mert E. rannte auf die Straße. Dumm gelaufen: Er lief genau auf das Polizeiauto zu. Ein Beamter (30): „Geldscheine, die er hielt, flogen durch die Luft.“

Geldregen auf der Fahrbahn, der gierige Gangster rannte weg. Seine Flucht endete wenig später – „eine Zivilstreife fasste ihn in Tatortnähe“, so ein Beamter. „Die Filiale glich einem Trümmerfeld.“ Umherfliegende Teile hatten auch geparkte Autos beschädigt - „eine Windschutzscheibe kaputt, Kratzer bei anderen Autos“.

In diesem Gerichtsaal wurde gegen Mert E. (28) und Bilal Ö. (34) verhandelt. Pressefoto Wagner

Mert E. gestand bereits bei seiner Festnahme. Komplize Bilal Ö. wurde zwei Monate später verhaftet – vor den Augen seiner Frau und seinen beiden Kindern. Er hatte auf der Flucht den getragenen Schlauchschal und Handschuhe entsorgt – Polizisten fischen die Beweisstücke aus dem Abfall.

Automaten-Knacker E. – die Aufenthaltserlaubnis des vorbestraften Türken ist seit rund zwei Jahren erloschen – nun kleinlaut: „Aus Geldnot habe ich mich auf die Sache eingelassen.“

Jeweils vier Jahre Knast für die beiden Banditen

Erst am Vorabend will sich E. bereit erklärt haben, bei dem Coup mitzumachen – „die Tatmittel habe ich aber nicht besorgt, ich war auch kein Bandenmitglied“.

Auch Bilal Ö. nun geständig- „habe mich an dem gewaltsamen Öffnen des Automaten beteiligt“. Kurz zuvor sei jemand an ihn herangetreten „aus Angst will ich keine Namen von Mittätern nennen“. Mit einem unguten Gefühl habe er sich beteiligt – „ich ließ mich darauf ein, weil ich Schulden wegen Drogen angehäuft hatte“.

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Mit Akkubohrer, Gasflaschen und Schläuchen seien sie vorgegangen – „es wurde genau vorgegeben, was geschehen sollte“, so Bilal Ö. Ihm seien 10.000 Euro als Lohn in Aussicht gestellt worden. „Ich kann nicht sagen, wie viel Geld ich ins Auto getragen habe, da war so viel Staub, wir haben nur zugegriffen.“

Das Urteil: Wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, Diebstahls und Sachbeschädigung jeweils vier Jahre Gefängnis.