Ein Foto des ermordeten Lkw-Fahrers Lukasz Urban wurde an einem Laternenpfahl befestigt. Volkmar Otto

Bernd Braun und Petra Lange kommen fast täglich mit dem Hund an dem Ort vorbei, an dem das Morden vom 19. Dezember 2016 begann: Am Friedrich-Krause-Ufer in Moabit erschoss der islamistische Attentäter A. den polnischen Lkw-Fahrer Lukasz Urban, raubte den Sattelzug des 37-Jährigen und raste mit ihm auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz. Elf Menschen starben dort, ein zwölfter vor kurzem an den Folgen seiner Verletzungen.

Braun, der mit seiner Frau eine Spedition am Westhafen führt, hatte immer den Eindruck, dass Urban, dem er sich beruflich verbunden fühlt, nicht so richtig zu den Opfern gezählt und eher als „eine Art Kollateralschaden“ betrachtet wird. Und so schlug er dem Fuhrunternehmen-Verband LBBV vor, Urbans am Ort seines Todes zu gedenken.

Petra Lange und Bernd Braun stellten vor der kleinen Zeremonie am Friedrich-Krause-Ufer Friedhofskerzen für Lukasz Urban auf. Lehrke

Der Verband nahm die Idee sofort auf, am Sonntagvormittag, bei Nieselregen und kaltem Wind, legten LBBV-Vize Burkhard Fromm, Senatskanzleichef Christian Gaebler und der polnische Gesandte Pawel Gronow Blumengebinde in der Nähe des Tatorts nieder.

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Der polnische Gesandte Pawel Gronow richtet die weiß-rote Schleife am Blumengebinde für Lukasz Urban.  Volkmar Otto

Gronow sagte: „Wir wissen nicht, was der Tod ist“, der paradoxerweise daran erinnere, wie einzigartig und zerbrechlich das Leben sei. Es gebe Uneinigkeit, ob es „ein Leben nach dem Leben“ gibt. Aber: „Lukasz Urban und die anderen Opfer des Anschlags werden in Erinnerung bleiben. Ihr Tod war nicht das Ende ihrer Existenz.“

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Burkhard Fromm beklagte den sinnlosen Tod des „feinen Kollegen“ Urban, und wie schwer es sei, den Hass des Täters auszuhalten. Aber man werde die eigenen Werte weiter hochhalten: „Respekt, Toleranz, Gewaltfreiheit.“ Niemals wieder dürfe es wie bei Lukasz Urban heißen, jemand sei „zur falschen Zeit am falschen Ort“ gewesen.

Christian Gaebler, kurzfristig für Staatssekretärin Sawsan Chebli eingesprungen, dankte dem Spediteur Braun für seine Initiative und erklärte für den Senat: „Kein Opfer darf vergessen werden.“

Marcel Romann hupte zum Gedenken an den ermordeten Kollegen. Volkmar Otto

Die kleine Feier endete mit lautstarkem Hupen: Marcel Romann ließ die Hörner seiner Zugmaschine ertönen, in der Hoffnung, dass möglichst viele Lkw-Fahrer es ihm in Europa gleichtun würden, um an den toten Kollegen zu erinnern.