Horst T. musste sich jetzt vor Gericht verantworten. Foto: Pressefoto Wagner

71 Jahre und kein bisschen weise: Wieder sitzt Horst T. auf der Anklagebank. Wieder hatte er Frauen um den Finger gewickelt und betrogen.

Um 20 Taten geht es. Zehn Seniorinnen – 90 Jahre alt die älteste – werden in der Anklage als Opfer aufgelistet. Insgesamt 54.610 Euro zockte er ab. „Hotte“ schlich sich mit Charme und Durchtriebenheit an die hochbetagten Damen heran. Als Verwandter oder Bekannter gab er sich laut Anklage in den meisten Fällen aus.

Der Schwerenöter hinterließ immer wieder geplünderte Konten

Und dann drückte der Schwerenöter auf die Tränendrüse: Er stecke gerade finanziell in der Klemme, bräuchte eine Hilfe für kurze Zeit, das Auto sei kaputt. Doch ans Rückzahlen dachte er nicht. Bereits seit Jahrzehnten hinterließ er immer wieder geplünderte Geldbörsen und Konten.

Im Januar 2019 begann die fiese Serie. Da war er gerade einmal ein halbes Jahr frei – 2013 war er zu sechseinhalb Jahren verknackt worden. Natürlich wegen Betruges. Horst T.: „Kaum war ich draußen, habe ich wieder die alten Freunde getroffen und bin zum Pokerspiel.“ Er habe damals auf einem Friedhof gearbeitet: „Wenn ich fertig war, bin ich losgezogen und habe gespielt.“

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Das Zocker-Glück war dem hageren Mann – ein gelernter Metzger – allerdings nicht hold: „Ich hatte bald Schulden bei einer Truppe, die mich schon einmal zusammengeprügelt hatte.“ Um nicht erneut in die Mangel genommen zu werden, habe er eben Rentnerinnen angesprochen.

Taten bis März 2020. In Pankow fällt eine Seniorin auf ihn herein – mit 2000 Euro macht er sich aus dem Staub. Und ist kurz darauf wieder bei ihr, jammert: „Mein Auto ist kaputt.“ Bis er insgesamt 4000 Euro abgezockt hat. Bei einer 84-Jährigen kommt er an die EC-Karte. Sie verrät ihm sogar die PIN. Weil er ihr vorgegaukelt habe, er würde ihr mit ihrem Problem bei ihrer Wohnung helfen. Eine Frau soll er nach einem Kirchbesuch angesprochen haben.

Der Betrüger nun: „Ich halte mich jetzt fern vom Glücksspiel.“ Er lebe bei einer Bekannten – „sie ist 84 Jahre, nennt sich Mutter, ist aber nicht meine Partnerin“. Das sei eine andere Frau: „Das ist auch eine Betrogene – von früher.“ Für T.s Freiheit stehen die Zeichen schlecht: Der Ankläger will sechs bis sieben Jahre Knast. Fortsetzung: Mittwoch.