Kochen mit Gas wird durch die massiv gestiegenen Energiepreise jetzt noch teurer. dpa

Die Preisspirale dreht sich immer schneller: Besonders beim Gas langen die Versorger zu. Weil der Ukraine-Krieg und ein drohender Lieferstopp durch Russland die Gaspreise weltweit verteuert, bekommen dies zunehmend auch die Verbraucher zu spüren: Berlins Versorger Gasag-Kunden stimmt die Kunden bereits auf die nächste Preisrunde ein, obwohl die Preise erst zum Mai kräftig gesteigert wurden. In Brandenburg trifft die Verteuerung vor allem Kunden in der Grund- und Ersatzversorgung, doch in Berlin kündigen sich nun schon erhebliche Preissteigerungen auch bei langfristigen Verträgen an.

Kunden des Versorgers Gasag ächzen gerade über die höchsten Preiserhöhungen ihrer Geschichte: Immerhin schließt der Berliner Grundversorger Gasag eine weitere Preisrunde in diesem Jahr aus. Doch die dicke Rechnung droht im kommenden Jahr. Denn Ende Oktober werde über mögliche weitere Preisschritte entschieden, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der Gaseinkauf für 2023 sei sehr teuer, machte Vorstandschef Georg Friedrichs am Mittwoch deutlich. „Inzwischen sehen wir Preise, die nachhaltig auf einem Niveau sind, das ungefähr viermal so hoch ist wie die Gaspreise, die wir vor einem guten Jahr gesehen haben.“ Die Gasag hatte zum Jahreswechsel und Anfang Mai die Preise kräftig erhöht.

Gasag auf Lieferstopp wegen Ukraine-Krieg eingestellt

Sollte wegen des russischen Kriegs in der Ukraine weniger Gas kommen, sei das Unternehmen vorbereitet, versicherte Friedrichs. „Die Wohnungen in Berlin und Brandenburg würden voraussichtlich nicht kalt, auch wenn wir mit weniger Gas umgehen müssten.“ Die Versorgung von Unternehmen würde nach dem Notfallplan im Zweifelsfall abgeschaltet.

Die Gasag hatte zum Januar und Mai ihre Preise deutlich erhöht. Die Kunden hätten sich aber nicht abgewandt, sagte Betriebschef Matthias Trunk. Wochenlang nahm die Gasag wegen der hohen Beschaffungspreise keine Neukunden in Laufzeitverträgen an, inzwischen ist der Naturgas-Tarif wieder offen. „Zur Zeit wollen wir gar keine neuen Kunden haben“, bekannte Trunk. „Jeder Kunde, der mehr ist, ist für uns ein wirtschaftlicher Schaden.“

Im vergangenen Jahr war die Kundenzahl gestiegen, auch weil wegen Pleiten anderer Anbieter Verbraucher in die Grundversorgung rutschten. Das Unternehmen zählte 512 000 Gaskunden in Berlin und Brandenburg (Vorjahr: 490 000) sowie 300 000 Ökostromkunden (Vorjahr: 275 000). Wegen des Andrangs verlangte das Unternehmen von Dezember bis April höhere Preise von Neukunden als von Bestandskunden. Verbraucherschützer bereiten deshalb eine Klage vor.

2021 hatte die Gasag ihrer Ziele wegen der starken Preissteigerungen nicht ganz erreichen können. Ein kühler Jahresbeginn und der neue CO2-Preis ließen zwar den Umsatz von 1,22 Milliarden Euro im Vorjahr auf 1,36 Milliarden Euro steigen. Das um Witterungseinflüsse bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern blieb mit 116 Millionen Euro jedoch stabil (Vorjahr: 115 Millionen Euro). „Wir sind etwas unter Plan, aber das haben wir mit Würde getragen“, sagte Friedrichs. Er sei zufrieden.

Kostenschock für Tausende Haushalte in Berlins Umland

Auf Tausende Haushalte in Berlins Umland kommt ein neuer Kostenschock zu: Gas wird für Kunden des Versorgungsunternehmens EWE AG um rund 30 Prozent teurer. Für viele Kunden in Brandenburg ist EWE Grundversorger: Nach den Insolvenzen günstiger Anbieter springt der Grundversorger ein, damit der Haushalt weiterhin am Netz bleibt. Doch für das Gas muss dann deutlich tiefer in die Tasche gegriffen werden: Zum 1. Juli 2022 wird EWE den Gaspreis deutlich erhöhen.

Laut rbb24 kündigt EWE Preissteigerungen von 30 Prozent in der Grund- und Ersatzversorgung an. Ein Vier-Personen-Haushalt müsse sich dann auf ein Plus von 52 Euro pro Monat einstellen. Ausgenommen seien allerdings Kunden mit sogenannten Laufzeitverträgen: Diese können bis zum Ablauf der Vertragslaufzeit auf die abgeschlossenen Konditionen vertrauen. Für diese langfristigen Verträge konnten Energieversorger langfristig günstigere Konditionen aushandeln.

Gaspreis innerhalb nur einen Jahres infolge des Ukraine-Kriegs verdreifacht

Für neue Kunden müssen Unternehmen wie EWE jedoch den aktuell durch den Ukraine-Krieg enorm gestiegenen Gaspreis Mengen zu extrem ungünstigen Preisen nachordern. Der internationale Erdgaspreis hatte im April ein Allzeithoch erreicht: Innerhalb eines Jahres hatte sich der Preis infolge der Invasion verdreifacht. Der Preis hatte sich im Vorjahr infolge gestiegener internationaler Spannungen bereits verdoppelt, war dann zum Jahresende dann doch wieder gefallen. Die Ukraine-Invasion sorgte für einen historischen Anstieg, getrieben durch die Angst vor einem russischen Lieferstopp. Eine der Folgen war die Pleitewelle von Billig-Anbietern, die ihre Verträge gegenüber Privathaushalten nicht mehr erfüllen konnten.

Die Folge: Für die Grundversorger wie EWE kam eine unerwartete Menge von Neukunden hinzu. In Brandenburg, Polen und Nordwestdeutschland versorgt EWE rund 700.000 Haushalte mit Gas. Das Unternehmen ist laut Firmenangaben überwiegend in kommunaler Hand im niedersächsischen Oldenburg.