Die Gasag-Zentrale in Schöneberg imago

Als der Gaspreis mit wachsender Nachfrage und verknapptem Angebot vor vier Wochen geradezu historische Höchststände erreichte, und die Gasspeicher im Land so knapp gefüllt waren wie seit Jahren nicht, erklärte die Gasag, dass die Gasversorgung in Berlin gesichert sei. Nun nennt der Berliner Grundversorger den Preis dafür. Die Gasag, die in der Stadt 400.000 Kunden mit Gas beliefert, hebt die Preise um 16 Prozent an. Damit wird die Kilowattstunde im sogenannten Grundversorgungstarif ab dem 1. Januar kommenden Jahres je nach Abnahmemenge 8,00 bis 8,46 Cent kosten. Derzeit sind es noch 6,68 bis 7,15 Cent.

Für Berlins größten Gasversorger ist dies die stärkste Verteuerung seit Jahren. Noch nie seit der Liberalisierung des Gasmarkts im Jahr 2007 kostete eine Kilowattstunde Gas bei der Gasag acht Cent. Für Kunden macht dies das Heizen deutlich teurer. Bei einem Jahresverbrauch von 12.000 Kilowattstunden, was laut Gasag dem Durchschnitt in einer Berliner Wohnung entspricht, ergeben sich Mehrkosten von 160 Euro im Jahr. In einem Einfamilienhaus mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden kostet die Gasversorgung 262 Euro mehr. Der Grundpreis bleibe stabil, teilte das Unternehmen mit.

Es gibt in Berlin etwa 150 Gasanbieter

Die Gasag, die zu je etwa einem Drittel Vattenfall, Eon und dem französischen Energieversorger Engie gehört, begründet die Preiserhöhung vor allem mit gestiegenen Großhandels- und Einkaufspreisen. Allerdings zählt das Unternehmen zu den ersten Grundversorgern in der Republik, die die Preise anheben. Nach Auskunft des Energiepreis-Vergleichsportals Verivox haben bislang 59 der insgesamt 700 Grundversorger in Deutschland Preiserhöhungen angekündigt, die ebenfalls weit drastischer ausfallen als in der Vergangenheit. Denn während im vorigen Jahr die Preise von den Anbietern im Schnitt um 6,7 Prozent angehoben wurden, so verlangen die genannten 59 Versorger nun durchschnittlich 13 Prozent mehr.

Aber dabei werde es nicht bleiben, prophezeit Lundquist Neubauer von Verivox. Er rechnet damit, dass in Kürze „noch einige hundert“ weitere Grundversorger Preiserhöhungen ankündigen werden. „Die große Welle wird Mitte November kommen“, sagt er und begründet dies damit, dass die Anbieter verpflichtet seien, Preiserhöhungen wenigstens sechs Wochen vor Inkrafttreten mitzuteilen. In Berlin gibt es etwa 150 Gasanbieter.

Tatsächlich sind die Gaspreise in den vergangenen Monaten rasant gestiegen. Kosteten 1000 Kilowattstunden zu Jahresbeginn noch etwa 20 Euro, so erreicht der Preis dafür Anfang Oktober  mit mehr als 115 Euro fast das Sechsfache. Inzwischen ist er auf etwa 80 Euro zurückgegangen. Die Gasag, die ihre Berliner Kunden jährlich mit etwa 2,5 Milliarden Kubikmeter Gas beliefert, konnte die gestiegenen Preise eigenen Angaben zufolge bislang noch verkraften, weil die demnächst benötigten Gasmengen schon vor vielen Monaten nach eigenen Wetterprognosen und der erwartenden Kundenentwicklung noch zu geringeren Preisen geordert wurden. So sei auch der Bedarf für 2022 „zum größten Teil“ bereits eingekauft.

Jedoch gibt es für das Unternehmen eine große Unbekannte. Denn als größter Gasanbieter in der Stadt ist die Gasag in Berlin eben auch Grundversorger und damit verpflichtet, einzuspringen, wenn ein Versorger nicht mehr liefern kann, weil er etwa Insolvenz anmelden muss. Dabei geht es allerdings um Gas, das die Gasag noch nicht bestellt hat und folglich zum Tagespreis nachkaufen muss.

Netzentgelt steigt in Berlin überdurchschnittlich hoch

Mit wie vielen solcher Ausfälle die Gasag in ihren Kostenrechnungen kalkuliert, will deren Chef Georg Friedrichs nicht sagen. Er ist sich allerdings sicher, dass der Gaspreis nicht wieder auf das niedrige Niveau der vergangenen Jahre zurückkehren wird. „Der Marktpreis wird zwar wieder fallen, aber bestenfalls auf 30 bis 40 Euro, sicher nicht weiter“, sagt Friedrichs. Bei der Gasag wird auch nicht ausgeschlossen, dass die nächste Preiserhöhung noch im Laufe des nächsten Jahres folgen wird.

Allerdings ist die aktuelle Preiserhöhung der Gasag nicht nur auf den gestiegenen Einkaufspreis zurückzuführen. Dafür sorgt auch ein am 1. Januar um fünf auf 30 Euro steigender CO₂-Preis, der die Kilowattstunden laut Gasag um 0,55 Cent verteuere. Darüber hinaus geht aber auch noch das Netzentgelt in die Höhe und steigt in Berlin sogar überdurchschnittlich. Denn während die Netzgebühr bundesweit um durchschnittlich 1,7 Prozent steigt, liegt das Plus in Berlin bei 4,3 Prozent. Besitzer des Berliner Gasnetzes ist die Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg, ein Tochterunternehmen der Gasag.