Fußball mal anders: Stummfilmpianist Stephan Graf von Bothmer übersetzt das Geschehen beim DFB-Pokalfinale in Töne übersetzt. Musikfestspiele Sanssouci und Nikolaisaal Potsdam

Für die, die sich nicht für Fußball interessieren, sind Fußballfans sowieso Wahnsinnige. Auf die Spitze treibt es jetzt der Potsdamer Nikolaisaal: Dort wird am Sonnabend das DFB-Pokalfinale übertragen. Komplett ohne Ton – dafür live von einem Stummfilm-Pianisten begleitet. 

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Für das DFB-Pokalfinale SC Freiburg gegen RB Leipzig wird am Sonnabend im Potsdamer Nikolaisaal (Wilhelm-Staab-Str. 10/11, 15 Euro) ein ganz besonderer Spieler eingewechselt: Stummfilm-Pianist Stephan Graf von Bothmer. Sein Konzept: Synchron zur tonlos übertragenen Finalpartie, die auf der Public-Viewing-Leinwand verfolgt werden kann, kommentiert er das Geschehen live vom Klavier aus.

Dribblings-Stakkato statt Reporterfloskeln

Es gibt Szenen, auf die man sich jetzt schon freuen kann: Wenn sich Freiburgs Trainer Christian Streich vor Verzweiflung die Haare rauft, und dazu der Mann am Klavier ein Stakkato auf den Tasten zaubert. Oder wenn sich Nils Petersen in der 83. Minute, kurz nach seiner Einwechselung, in den Strafraum schleicht und von Bothmer das, was (fast) immer folgt, wenn Petersen eingewechselt wird, mit einer hingehauchten Tastenfolge ankündigt.

Leipzigs Verteidiger Benjamin Henrichs (l.) und Freiburgs Stürmer Lucas Höler im Zweikampf. AFP/Schwarz

Die Veranstalter versprechen: Die Besucher werden am Sonnabend statt hohler Reporterfloskeln mitreißendes Dribblings-Stakkato und dissonante Akkorde bei rüden Strafraumszenen erleben.

Von Bothmer hatte erstmals 2008 das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft an einer Kirchenorgel in Berlin begleitet. Seitdem interpretiert er bei jeder WM und EM Fußballspiele am Flügel oder an der Kirchenorgel, heißt. Mit seinen Fußball-Konzerten habe der Stummfilm-Musiker eine vollkommen neuartige Show aus Sport, Musik und nervenzehrendem Drama erschaffen.

„Ich glaube, dass ich mit der Musik den Blick auf das Spiel sehr fokussiere“, sagt Graf von Bothmert: „Das Publikum schaut einfach genauer hin.“ Mit der richtigen Musik sehe man einfach mehr.

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Den Angaben zufolge hat der Berliner Komponist und Pianist bisher mehr als 1.000 Stummfilme vor über 250.000 Gästen vertont und gehört zu den prominentesten Stummfilm-Musikern Deutschlands.