Im Trabant unterwegs. Auch viele Polen wollen die „Pappe“ inzwischen haben. imago/Daniel Schäfer

Früher war es so einfach: Deutsche Trabi-Fans nahmen den Zug oder sie fuhren im Auto mit einem Transportanhänger nach Polen. Dort kauften sie sich einen Trabant auf einem illegalen Automarkt in Slubice oder holten sich einfach einen aus den polnischen Wäldern, wo viele von ihnen seit der Wende ausgeschlachtet rumlagen und vergammelten. Inzwischen ist das nicht mehr so einfach. Denn die Polen sind offenbar selbst völlig Trabi-verrückt.

In Polen erfreuen sich seit einiger Zeit die meisten Trabant-Modelle aus den 1960er- und 70er-Jahren eines großen Interesses unter Oldie-Liebhabern. Das trifft auch auf Bartosz Golebiowski zu. Er pflegt in den sozialen Medien einen virtuellen Treffpunkt für Trabi-Fans, berichtet der RBB. Sein Kanal „Trabant Polska“ zähle bereits über 4300 Mitglieder. Bartosz Golebiowski frohlockt: „Der Trabantenaustausch – also der An- und Verkauf – ist jetzt gerade in Polen sehr dynamisch. Auf unserer Facebook-Gruppe der Trabanten-Liebhaber beobachte ich, dass fast jeden Tag ein neues Mitglied hinzukommt, welches glücklicher Besitzer eines Trabanten geworden ist.“

dpa/Winfried Wagner
Trabi-Treffen in Anklam von Freunden des DDR-Kultautos.

Zum Leidwesen der Brandenburgischen Oldtimer-Szene. Für sie gehört die DDR-Kultkiste Trabant nach wie vor längst nicht zu den alten Eisen. Denn die „Pappe“ hat rund 31 Jahre nach Produktionsende einen gewissen nostalgischen Seltenheitswert. Und so fand er, bisher jedenfalls, häufiger auch aus dem Ausland den Weg zurück auf Deutschlands Straßen, der Trabant. Manch einer erinnert sich an Szenen auf der Autobahn 12 bei Frankfurt (Oder), wo die kleinen Autos in Gelb, Blau oder Creme die Grenze aus Polen in Richtung Brandenburg überquerten.

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Vor allem junge Polen wollen einen Trabi

Aber inzwischen wird dieses Bild immer seltener: Früher habe man sich in Polen über das stolze Stück der ostdeutschen Autoindustrie lustig gemacht, sagt Golebiowski zum RBB. Als „Seifenkisten“ seien die Trabanten abwertend tituliert worden. Nun aber werde der „Volkswagen des Ostens“ vor allem von jungen Polen als ein sympathischer, in seiner Form eigenartiger Oldie entdeckt.

Glaubt man polnischen Szene-Kennern, dann findet so mancher Erbe noch einen vergessenen Schatz in den Garagen seiner Vorfahren. Andere würden sich auf Autobörsen im Internet auf die Jagd machen, so der RBB. Doch auch im Nachbarland ist der Trabi oft nur für mehrere Tausend Zloty zu bekommen. Je nach Zustand können die Preise umgerechnet zwischen 2000 und 4000 Euro betragen, heißt es.

Trabi-Fans aus Polen und Deutschland

Und ganz ähnlich wie in Deutschland kommen die glücklichen Besitzerinnen und Besitzer auch in Polen gerne bei Live-Treffen zum Fachsimpeln zusammen. Gerade würden Enthusiasten von Trabi und der Marke Polski Fiat in der polnischen Dreistadt Gdansk-Sopot-Gdynia ein Treffen organisieren, so der RBB. Von dort aus solle es dann auf Ausfahrt ans Wasserschloss bei Quilow nahe Anklam gehen.

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Und zu Pfingsten werde die Karawane aus 14 Fahrzeugen vom „Trabbi Buggy Club 93“ erwartet, sagt Veranstalter Jens Rüberg. „Wir kannten uns vorher gar nicht. Aber dadurch, dass wir das ein bisschen angestoßen haben, sind jetzt auch die deutschen Polski-Fiat-Freunde aufgewacht. Pfingsten wird dann mit Trabant und Polski Fiat die Hölle los sein.“ In vier Wochen sei der Gegenbesuch in Polen geplant.