Hatte weniger Probleme mit fehlenden Friseurterminen: Rockikone Janis Joplin.  Foto: Imago

„Wir werden nicht jeden gleich glücklich machen können.“ Jan Kopatz (47), Obermeister der Berliner Friseur-Innung, gießt Wasser in den Wein der Freude, dass am 1. März die Mitarbeiter der rund 2300 Friseurbetriebe wieder offiziell Hand an Berlins Fusselbirnen und Strubbelschöpfe legen dürfen.

Denn schon jetzt sind viele Salons auf Wochen hin ausgebucht. Kopatz: „Der erste Kunde war in meinem Salon schon auf dem Anrufbeantworter, da war am vorletzten Mittwoch erst der Entwurf von Bund und Ländern bekannt, dass wir am 1. März wieder öffnen dürfen.“ Am darauffolgenden Donnerstag habe das Telefon nicht mehr stillgestanden.

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Seit dem 16. Dezember waren die Friseure zum Nichtstun verdammt. „Click & Collect funktioniert ja bei uns nicht“, sagt Kopatz. „Es gab keine Einnahmen, vom Überbrückungsgeld III ist bei uns nichts angekommen.“

Betriebe müssen ja auch betriebswirtschaftlich arbeiten

Dennoch erwartet der Obermeister nicht, dass die Friseure mit höheren Preisen Verlorenes wettmachen werden, auch wenn er das nicht ausschließen kann. Im Vergleich zur Zeit vor dem Lockdown würden die Preise ohnehin steigen, weil die Mehrwertsteuer-Kürzung von 19 auf 13 Prozent seit Jahresbeginn beendet ist.

In den Betrieben sei auch bekannt, dass bei einem Gutteil der Kundschaft wegen Kurzarbeit auch die finanzielle Decke kürzer geworden ist.

Auf der anderen Seite können die Friseure nicht so loslegen wie gewohnt: „Nach der Landesverordnung müssen wir jetzt zwei Meter Platz zwischen den Bedienplätzen einhalten.“ In einem Salon mit mehreren Mitarbeitern und Plätzen können deshalb weniger Kunden gleichzeitig bedient werden.

Am Ende müsse jeder Inhaber betriebswirtschaftlich abwägen, was er mit seinen Preisen macht.

Eröffnung der Friseursalons wird die Schwarzarbeit begrenzen

Nicht abwägen kann er bei den Vorschriften neben der 2-Meter-Regel: Haarewaschen ist Pflicht, medizinische Masken sind Pflicht, eine Anmeldung zum Termin ist Pflicht. Damit soll verhindert werden, dass sich in und vor den Geschäften Gruppen und Schlangen wartender Kunden bilden.

Kopatz begrüßt die Wiedereröffnung der Salons nicht nur aus ökonomischen Gründen. Sie werde die Schwarzarbeit begrenzen, in die sich mancher aus der Kurzarbeit gerettet habe: „Es ist ja bekannt, dass unter anderem in den sozialen Medien beispielsweise ,Heimbehandlungs-Service‘ angeboten wurde. Und im Stadtbild – oder in den Fußballstadien - konnte man gerade bei jungen Männern beobachten, dass da nicht mal eben die Freundin oder der Nachbar hilfreich zugange war.“

Bei diesen Handreichungen werde höchstwahrscheinlich wenig auf die Einhaltung der Regeln geachtet. Kopatz rät auch dringend, dass sie in den Salons befolgt werden: „Sonst müssen wir schnell wieder schließen.“