Förmlich die Decke auf den Kopf gefallen: Frank Zander in seiner Atelier-Wohnung und Musikstudio in Charlottenburg Foto Davids

Beinahe wäre eine gute alte Gitarre von Frank Zander unter Bauschutt begraben und zerstört worden – ein Instrument mit Geschichte. Mit dieser Gitarre trat der Entertainer oft im Olympiastadion auf, spielte und sang die Hertha-Vereinshymne „Nur nach Hause geh'n wir nicht“ vor Tausenden Fans live. Das war in Vor-Corona-Zeiten.

Es war jedenfalls knapp, als in der vergangenen Woche im Arbeitsraum des Sängers Putz und Steine – ein Quadratmeter Deckenteile – herabstürzten. Die Bauarbeiten im Altbau in der Berliner Witzlebenstraße, wo Frank Zander mit seiner Frau Evy seit 54 Jahren im vierten Stock wohnt, waren schuld an dem Desaster. Oben, wo das Dachgeschoss ausgebaut wird und laut Hauseigentümer Michael Pribil aus der Nähe von München vier neue Mietwohnungen entstehen („keine Luxuswohnungen“), war eventuell schwereres Baugerät zum Einsatz gekommen.

„Eine Gitarre und einige technische Geräte wurden beschädigt“, sagt Zander, der am Donnerstag 79 Jahre alt wird. Eigentlich sollte ausgerechnet an diesem Geburtstag eine Gerichtsverhandlung vor dem Amtsgericht Charlottenburg stattfinden: der Hauseigentümer und Bauherr gegen Frank Zander. Die Verhandlung ist nun zuerst wegen der Corona-Krise und dann noch einmal wegen eines Aufschubgesuches der Gegenseite in den April verschoben worden.

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Noch am Abend, nachdem der Putz von der Decke gekommen war, hat Zander die Polizei gerufen, die den Fall aufnahm. „Man baut ohne Rücksicht“, sagt der Musiker, der mit den Nerven am Ende ist. Stundenlanger Baulärm, viel Staub und der Streit mit dem Eigentümer belasten die Zanders enorm. Ehefrau Evy sagt: „Wir gehen psychisch langsam kaputt.“

Die herabfallenden Deckenteile im Arbeitsraum des Sängers waren der jüngste Vorfall in einer Auseinandersetzung, die Zander und seinen Vermieter seit beinahe einem Jahr beschäftigt und nun auch vor Gericht ist. Der Hauseigentümer Michael Pribil, der mehrere Immobilien in Berlin besitzt, hat den Sänger verklagt – „wegen Verunglimpfung“, so Pribil.

Die Fakten in Kurzfassung: Zander hatte mit seinen alten Vermietern einen Vertrag über die Nutzung der Speicherräume über seiner Wohnung abgeschlossen und dafür auch Miete gezahlt. Alles lief viele Jahre reibungslos und zur Zufriedenheit beider Seiten ab. 2019 aber gab es einen neuen Käufer für das altehrwürdige Haus in der Nähe des Lietzensees. Der neue Eigentümer Pribil begann 2020 mit Bauarbeiten, will vor allem das Dachgeschoss ausbauen. „Das ist ein altes Haus, nicht gedacht für einen Umbau“, sagt Frank Zander. Auf Geheiß des neuen Eigentümers musste er die Räume über seiner eigentlichen Wohnung, in denen er seine Instrumente abgestellt und außerdem Platz für sein Hobby, das Malen, hatte, räumen. Ihm wurde „Zweckentfremdung“ der Räume vorgeworfen. Zudem habe er die Räume zu spät geräumt, sodass Verzögerungen bei den Bauarbeiten eingetreten seien. Das Klima zwischen dem Eigentümer und dem Mieter Zander war fortan angespannt.

Viele Jahre stand Frank Zander vor Hertha-Spielen im Stadion und sang die Hymne „Nur nach Hause geh'n wir nicht“. Foto: Imago/O. Behrendt

Frank Zander wehrte sich öffentlich und wies die Vorwürfe, er behindere die Bauarbeiten und betreibe „Vermieter-Bashing“, als unbegründet zurück. In einer Talkshow sagte er allerdings öffentlich: „Diese Arschlöcher aus München …“. Da war für den Eigentümer das Maß voll. Evy und Frank Zander bekamen die fristlose Kündigung, sollten binnen vier Wochen ausziehen. Eine Kommunikation gab es nicht, der Streit eskalierte und wird nunmehr nur noch über Anwälte ausgetragen. Der Vermieter verklagte Zander, beschwerte sich, dass er von fremden Leuten, angeblich Anhängern des Sängers, in den sozialen Netzwerken heftig beschimpft worden sei, weil Zander die Zustände auf der Baustelle und das aus seiner Sicht rigorose Vorgehen des Vermieters öffentlich gemacht hatte.

Frank Zander sagt nun, er habe den Namen Pribil in der Talkshow nicht genannt, nur allgemein die Immobilien-Giganten kritisiert, die oft alteingesessene Berliner Mieter aus ihren Kiezen vertrieben.

Die Zander-Seite hatte trotz der enormen Differenzen gehofft, den Streit im Gespräch beilegen zu können, doch dazu ist es nicht gekommen. Pribil sagte dieser Zeitung: „Ich schätze das Lebenswerk von Frank Zander, aber an einem Mieter Zander bin ich nicht mehr interessiert.“ Er kritisiert vor allem das Vorgehen des Sängers in der Öffentlichkeit, die Umgangsformen. Frank Zander wiederum wirft Pribil die fehlende Kommunikation und die Zustände auf der Baustelle vor.

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Die Vorfälle auf der Baustelle haben das tägliche Leben von Frank Zander und seiner Frau stark beeinflusst. Pribil sagt dazu: „An diesen Vorkommnissen ist die Baufirma schuld. Das ist mir sehr unangenehm und ich verstehe auch die Verärgerung der Mieter und von Herrn Zander.“

Noch vor einem Jahr, zu seinem 78. Geburtstag, hätte sich Frank Zander nicht vorstellen können, was alles auf ihn zukommt: die Pandemie, die viele Auftritte verhindert hat und die Besuche im Stadion bei den Heimspielen von Hertha BSC obendrein – und dazu der Streit mit dem neuen Hausbesitzer. Zumindest wird die Hymne „Nur nach Hause …“ weiter bei Hertha-Spielen im leeren Olympiastadion gespielt – wenn auch nur als Konserve vom Band. Ein schwacher Trost. Der neue Gerichtstermin „Pribil contra Zander“ ist für den 22. April angesetzt worden.