Gesehen in Brandenburg: Zwei Wolfswelpen streifen durch die Kernzone der Döberitzer Heide, dort hat sich ein Rudel Wölfe angesiedelt. dpa/Ingolf König-Jablonski

Die Forderung nach der Tötung von 80 Wölfen in Brandenburg hält die Deutsche Wildtier-Stiftung für zu früh gestellt. Am Donnerstag hatte das Aktionsbündnis Forum Natur (AFN), ein Bündnis aus Jägern, Landwirten und Waldbesitzern, sich dafür ausgesprochen, in Brandenburg in diesem Jahr 80 Wölfe zum Abschuss freizugeben.

Nur, wenn ein Raubtier zum Problemwolf wird

Ein Wolf sollte aktuell nur dann getötet werden, wenn er sich zu einem sogenannten Problemwolf entwickle, sagte Klaus Hackländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Wildtier-Stiftung, auf Anfrage zu der Debatte um die Tötung der laut Roter Liste gefährdeten Tiere. Das Umweltministerium in Potsdam sieht keine rechtliche Grundlage für den Abschuss von 80 Wölfen.

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Bevor ein streng geschützter Wolf geschossen werde, müsse alles probiert werden, den Konflikt zu entschärfen. Ein erster Weg wäre, die betroffenen Herden ordentlich zu schützen, so Hackländer. „Wir haben verlernt, mit dem Wolf umzugehen“, sagte Hackländer, der als Professor für Wildtierbiologie und Jagdwirtschaft für die Wildtierstiftung das Konzept des Aktionsbündnisses als Diskussionsgrundlage wissenschaftlich begleitet hatte.

Abschuss von Wölfen nur in Ausnahmen von EU-Recht gedeckt

Wenn sich zeige, dass trotz Herdenschutz Wölfe unerwünschtes Verhalten an den Tag legten, das möglicherweise an Nachkommen weitergegeben werde, dann lasse auch die EU eine Ausnahme vom strengen Schutz und damit die Tötung zu, betonte er.

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Das Aktionsbündnis habe einen Blick in die Zukunft formuliert, sagte Hackländer. Er sei für die Zeit gedacht, wenn der strenge Schutz des Wolfes vorbei sei, was angesichts der Zunahme der Population um ein Drittel im Jahr nicht mehr lange dauern werde. Der Bestand müsse dann so reguliert werden, dass es wenig Konflikte mit dem Menschen gebe. Der Wolf dürfe dann aber auch nicht wieder aussterben. Man brauche eine sachliche Grundlage, zu der das Papier einen Beitrag leisten könne, sagte der Wildtierbiologe.

Maximal 510 Wölfe in Brandenburg

Nach Ansicht des Bündnisses sollte es im Land langfristig nicht mehr als 510 Wölfe geben. Der Bestand soll dann durch eine Abschussquote reguliert werden. Das Brandenburger Umweltministerium sieht keine rechtliche Grundlage für einen Abschuss von Wölfen nach einem Kontingent. Umweltschützer kritisieren die Pläne.

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Der Naturschutzbund Brandenburg (Nabu) sprach sich gegen eine Abschussquote aus. Stattdessen müsse sich auf Gebiete mit besonders vielen Schäden an Nutztieren konzentriert werden, hieß es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Dort müsste die Prävention verbessert und gegebenenfalls einzelne Tiere mit „unerwünschtem Verhalten“ zum Abschuss freigegeben werden.