Spieler müssen den BER fertigstellen. Und dann mischt sich auch noch FDP-Chef Christian Lindner mit Tipps ein.  Der Postillon/Illusive Reflection

Am Bau des Flughafens Berlin-Brandenburg (BER) sind viele Manager und Politiker gescheitert. Wie es sich anfühlt, das Milliarden-Projekt in den Sand zu setzen, können Fans von Videospielen nun selbst erleben. Die neue Satire-App „BER-Bausimulator“ macht es möglich. Spieler treten den Posten des obersten Bauherren an – und sehen sich mit absurden Herausforderungen konfrontiert. Die Spielanleitung spricht von „über 100 bisher von der Bauleitung unter Verschluss gehaltenen Problemen“.

Der Versuch, die Lage besser in den Griff zu bekommen als BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup, ist zum Scheitern verurteilt. Auf der Flughafen-Landebahn wurde versehentlich Teppich verlegt, die VIP-Räume sind zu niedrig für Frauen mit hochhackigen Schuhen. Die Parkhausdecken biegen sich durch und auf das Gepäckband passt nur ein Koffer. Und dann mischt sich FDP-Chef Christian Lindner mit „wertvollen Profi-Tipps“ für die Arbeiter ein.

Spieler haben die Möglichkeit, den Politiker mit einem teuren Gutschein für ein Markenanzug-Outlet abzuwimmeln. Sie können aber auch seine Ratschläge beherzigen. Kosten: 1,14 Millionen Euro, Erfolgschance: ein Prozent. Falsche Entscheidungen werden in diesem Spiel mit Werbeeinblendungen bestraft.

Satire-Portal "Postillon" steuerte die Gags bei

Der Humor mag Nutzern des „BER-Bausimulators“ bekannt vorkommen: Die kostenlose App wurde von der Satire-Website „Der Postillon“ in Zusammenarbeit mit der Duisburger Spielefirma Illusive Reflection entwickelt. „Bereits 1996 geplant und seit 2006 in Entwicklung, stellt der BER-Bausimulator einen der Höhepunkte deutscher App-Kunst dar“, schreibt der „Postillon“ in Anspielung auf die pannenreiche Geschichte des BER. Kurz vor der für Oktober geplanten Eröffnung des Flughafens sei das Spiel fertig geworden – trotz „tragischer Entwicklerunfälle und mehrerer Kabelbrände“. Spielern wird ein Handy-Game ohne erkennbare Logik und insgesamt ein frustrierendes Erlebnis versprochen.

Obwohl die App vor allem als BER-Satire gedacht ist, lässt sie sich mit anderen Bausimulator-Spielen in 3D-Grafik vergleichen. Nutzer vergeben Aufträge für Terminals, Parkhäuser und Verwaltungsbauten. Sie wägen ab zwischen Kosten und Qualität, doch im Unterschied zu anderen Spielen können sie nur im Chaos versinken. Dafür sorgt wiederum der „Postillon“-Humor: Das Terminal ist krumm und schief, weil der Bauleiter die Pläne verkehrt herum gehalten hat. Statt Rolltreppen wurden Wasserrutschen installiert. Dieses Problem lässt sich preisgünstig mit dem Aufstellen eines „Bitte Abstand beim Rutschen halten“-Schildes lösen. Alternativ kann man einfach das ganze Terminal mit Wasser fluten.

In das Handyspiel eingebaut sind „Postillon“-Artikel zu den Pannen auf der BER-Baustelle, beispielsweise Satire-Stücke mit Überschriften wie „Flughafen BER offenbar auf altem Indianerfriedhof errichtet“ und „Überraschender Alien-Angriff zerstört kompletten BER“. Ein besonderes Feature des Spiels sind Auftritte von „Karl Klammer“, der brilletragenden 3D-Büroklammer aus den Microsoft-Office-Programmen der Neunzigerjahre. Karl begrüßt Spieler nach dem Öffnen der App, ist im Unterschied zu früher aber notorisch schlecht gelaunt und sorgt mit seinen Nutzer-Tipps allenfalls für noch größere Verwirrung.

Handy-Game stürmt Download-Charts

Der BER-Bausimulator kommt bei den Nutzern hervorragend an. Das für iOS- und Android-Geräte geeignete Handyspiel wurde bereits tausendfach heruntergeladen. Die große Nachfrage brachte es beispielsweise in den Download-Charts im App Store auf vordere Plätze. Das Spiel lag nach seiner Veröffentlichung in diesem Monat zeitweise auf dem ersten Platz in der Kategorie „Strategie“. In den Charts von Google Play erreichte der BER-Simulator auf Anhieb Platz 61 unter allen verzeichneten Spielen. Das Programm kann im App Store und bei Google Play heruntergeladen werden.

Der Erfolg des BER-Bausimulators kommt gerade wegen seines satirischen Charakters durchaus überraschend. Bisher setzen nur wenige Spiele auf dem deutschen Markt auf schwarzen Humor und politischen Spott. Zum Bundestagswahlkampf 2017 erschien das Prügelspiel „Bundesfighter 2 Turbo“, in dem der Spieler die Spitzenkandidaten der größten Parteien steuern und gegeneinander antreten lassen konnte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde als Reptiloidin dargestellt, und der AfD-Politiker Alexander Gauland bildete im Sprungangriff mit seinen Armen und Beinen ein Hakenkreuz. Eine Anzeige wegen „Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ führte nicht zu einem Ermittlungsverfahren.