Eingang zur Traumaambulanz im Zentrum für Psychotherapie der Friedrich-von-Bodelschwingh-Klinik. Opfer schwerer Gewalttaten und unmittelbare Zeugen von Gewalt, die unter psychischen Belastungssymptomen leiden, werden hier behandelt. Foto: dpa/Stache

Immer wieder brechen unberechenbare Kranke aus psychiatrischen Kliniken aus. Am Freitagmorgen lösten gleich zwei gefährliche Patienten der Friedrich-von-Bodelschwingh-Klinik Polizeieinsätze aus. Der eine Mann (56) bedrohte seine Eltern, der andere (38) randalierte in einem Wohnhaus. 

Die aktuellen Ausbrüche werfen erneut Fragen über die Sicherheit von geschlossenen Stationen in psychiatrischen Einrichtungen auf. Im Mittelpunkt steht einmal mehr die Friedrich-von-Bodelschwingh-Klinik in Wilmersdorf. Dort war gestern gegen 9 Uhr ein 56-Jähriger ohne großen Aufwand herausspaziert. „Viele unberechenbare Patienten dort haben selbst einen Transponder, um die Magnettüren zu öffnen. Das führt so weit, dass gefährliche Leute plötzlich draußen rumlaufen“, erzürnt sich der FDP-Abgeordnete Marcel Luthe.

Wenige Minuten nach dem Ausbruch stand er der 56-Jährige in der Landhausstraße vor der Wohnungstür seiner Eltern. Der verwirrte Patient sei aggressiv gewesen. Er verschaffte sich Zutritt zur Wohnung und habe dort die etwa 90-Jährigen bedroht. Brisant: Der unter Schizophrenie leidende Mann ist nach KURIER-Informationen wegen Körperverletzung vorbestraft. Polizisten konnten den psychisch auffälligen Mann beruhigen. „Der 56-Jährige ließ sich dann widerstandslos festnehmen“, erklärt eine Polizeisprecherin. 

Damit nicht genug: Nicht einmal zwei Kilometer weiter wütete ein weiterer Patient der Friedrich-von-Bodelschwingh-Klinik. Der 38-Jährige zerschlug völlig aufgebracht Möbel in seiner Wohnung in der Brandenburgischen Straße, weil die Polizei ihn in die Psychiatrie bringen wollte. Weil sich der renitente Mann erheblich wehrte, mussten die Beamten körperliche Gewalt anwenden, so die Polizeisprecherin. 

Für die Polizei sind solche Einsätze keine Seltenheit. Aus Polizeikreisen heißt es, Beamte müssten andauernd ausrücken, um geflohene Patienten einzufangen. Wie viele gefährliche psychisch Kranke in der Stadt unterwegs sind, kann nur gemutmaßt werden. Einige der jüngsten Zahlen stammen vom Landeskriminalamt. Sie stammen bereits aus dem vergangenen Jahr und zeigen, wie weit in den geschlossenen psychiatrischen Stationen vieler Krankenhäuser die Türen offen stehen.

So wurden allein aus dem St.-Hedwig-Krankenhaus in Mitte zwischen Anfang August und dem 18. September 2019 27 Personen als vermisst gemeldet. Darunter ein Patient. Von der geschlossenen Psychiatrie des Krankenhauses Neukölln gab es in dieser Zeit 19 Vermisstenanzeigen. Aus der Charité in Mitte gab es neun Vermisstenanzeigen, aus der Friedrich-von-Bodelschwingh-Klinik drei.