John Haak (re.) und sein Mitarbeiter Josuha Lauth im Büro: Da wegen Corona die Event-Firma keine Aufträge hat, wollten sie und die Kollegen den Gesundheitsämtern helfen. Foto: Engelsmann

Wegen Corona haben sie fast keine Arbeit mehr. Die knapp 30 Mitarbeiter der Event-Firma Mekka Stage-Crew aus Mitte, die vor der Pandemie für Konzert- oder Messeveranstalter Bühnen, technische Anlagen oder Stände aufbauten. Nun, da die Branche ruht, wollte das Unternehmen mit seinen Mitarbeitern die überlasteten  Gesundheitsämter unterstützen. Doch statt dankbare Zusagen hagelte es Absagen von den Behörden. Man würde ihre Hilfe nicht benötigen.

Die Event- und Konzertbranche leidet stark unter der Corona-Krise. Keine Veranstaltungen, keine Aufträge: Firmen wie die aus Mitte kämpfen seit Monaten um die Existenz. „Um 80 Prozent ging der Umsatz  zurück“, sagt Geschäftsführer John Haak. „Die Mitarbeiter schickten wir in Kurzarbeit.“

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Statt tatenlos auf bessere Zeiten zu warten, kam Haaks Geschäftspartner Matthias Müller auf die Idee, die Firma in den Dienst der Gesundheitsämter zu stellen. „Ständig hört man seit Oktober von der Bundeskanzlerin, dem Robert-Koch-Institut und auch von den Bezirksämtern, dass aufgrund der steigenden Infektionszahlen die Gesundheitsbehörden bundesweit überlastet sind, weil es dort an Mitarbeitern mangelt, man daher bei der Kontaktnachverfolgung Probleme hätte.“ Da könnte die Event-Firma doch helfen, dachte sich vor Wochen Müller, schrieb den Ämtern eine Bewerbungsmail nach der anderen.

Die Antworten der Behörden lesen sich fast alle so: Man bedankt sich zunächst für das Engagement der Firma. Doch „aufgrund der Vielzahl der eingehenden Unterstützungsangebote und Bewerbungen“ bitte man „jedoch um Verständnis, dass wir Ihr Angebot derzeit nicht berücksichtigen können“.

Mitarbeiter in einem Berliner Gesundheitsamt: Laut Gesundheitsverwaltung seien die Behörden personell gut besetzt.  Foto: dpa

Das Unternehmen zeigt sich enttäuscht. „Wir wollen dem Staat in der Corona-Krise helfen, und dürfen es nicht“, sagt Mitarbeiter Joshua Lauth. „Gerade bei der telefonischen Kontaktnachverfolgung hätten wir hilfreich sein können. Viele der Kollegen sprechen mehrere Sprachen, darunter auch Türkisch.“

Geht es den Gesundheitsämtern wirklich so gut, dass sie Hilfe ablehnen können? Ein Sprecher der Senatsgesundheitsverwaltung erklärt:  Durch das Hinzuziehen von Mitarbeitern aus anderen Senatsbehörden oder der Bundeswehr (300 Helfer) konnten ab Mitte Oktober in den Gesundheitsämtern „über 1500 Kräfte für die Aufdeckung von Infektionsketten eingesetzt werden“. Dies sei etwa eine Verdreifachung des Personals zum Vormonat. Dazu kämen seit November verstärkt auch Personal aus Bundesbehörden. „Die Zuwächse halten erfreulicher Weise an.“