Rudel-Kuscheln: Filmszene aus „ich, ich, ich“ von Zora Rux. Achtung Berlin

Achtung Berlin, nach der Berlinale das mutmaßlich größte Filmfestival der Hauptstadt, öffnet vom 20. bis 27. April die Kinosäle. Mehr als 70 Filme und Serienepisoden werden an den acht Festivaltagen gezeigt. Und das kann sich sehen lassen nach zwei Jahren Pandemie.

Allerdings hat auch die 18. Ausgabe des Berliner Nachwuchsfilmfestivals mit der Aktualität zu kämpfen – inhaltlich sowieso, aber der Krieg in Europa macht es den Organisatoren von Achtung Berlin außerordentlich schwer. Die Festivalleiter Regina Kräh und Sebastian Brose teilten mit: „In dieser schwierigen Zeit, in der nur zwei Flugstunden von Berlin ein dynamisches Kriegsgeschehen herrscht, ist es nicht leicht, ein Filmfestival zu organisieren.“

Die aktuelle Krise soll aber in geeigneten Formaten im Rahmen des Filmfestivals thematisiert werden, heißt es. „Wir möchten unsere uneingeschränkte Solidarität mit den Menschen in der Ukraine zum Ausdruck bringen“, so Kräh und Brose. „Wir hoffen und glauben, dass die Kultur einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung und zum Frieden in Europa leisten kann.“

Rudel-Kuscheln: Wenn zwei Leute Sex haben, sind vier weitere dabei

Ansonsten ist das diesjährige Programm jung, frisch, freundlich, tolerant und locker wie immer, wenngleich die Werke sich doch den sozialen Problemen der Zeit widmen. In „ich, ich, ich“ von Zora Rux etwa flüchtet eine junge Frau aus Angst vor einer möglichen Ehe aufs Land. „‚Wenn zwei Leute Sex haben, sind vier weitere dabei: Diese vier sind die Eltern.‘ Diesen Satz las ich in einem Psychologiebuch und dichtete sofort weitere Personen dazu, die ebenfalls Ratschläge geben können“, so die Filmemacherin. Da hilft wohl nur Rudel-Kuscheln.

Im mittellangen Festival-Film „Im Universum geht keiner verloren“ geht es ebenfalls um ländliche Einsichten. Hier bekommt eine Zwölfjährige Dorf-Depressionen. Die Coming-of-Age-Geschichte von Franziska Pflaum ist in Koproduktion mit dem Caritasverband Berlin entwickelt worden.

Für KURIER-Leser dürfte auch die Retrospektive interessant sein: „Sie widmet sich in diesem Jahr der 2012 viel zu jung verstorbenen Ost-Berliner Filmemacherin Petra Tschörtner und präsentiert ihre ersten Kurzfilme Ende der 1970er-, bis zu ihren Dokumentarfilmen zur Wendezeit Anfang der 1990er-Jahre“, so Kristian Müller, der die Pressearbeit fürs Festival übernommen hat.

Zirkuskinder, alleinerziehende Frauen und Menschen in Prenzlauer Berg

Tschörtner wandte sich immer wieder Stoffen zu, die „das eigene Leben berühren“ und „das Lebensgefühl ihrer Generation“ beschreiben. Die Filme würden unter anderem Musiker, Glücksspieler, Paare, Heimkinder, ältere Menschen in einer Seniorenresidenz, Zirkuskinder, alleinerziehende Frauen und Menschen in Prenzlauer Berg porträtieren, kurz bevor die D-Mark dort eingeführt wurde.

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„Zu allen Filmprogrammen werden Mitwirkende eingeladen, die nach dem Film von den Entstehungsprozessen der Filme und der Zusammenarbeit mit Petra Tschörtner erzählen“, so Müller.

Schirmherrin des Festivals Achtung Berlin ist übrigens Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD).

Alle weiteren Infos zum Programm und zum Ticketverkauf gibt’s im Internet.