Andreas Dresen ist seit zehn Jahren Laienrichter in Brandenburg.
Andreas Dresen ist seit zehn Jahren Laienrichter in Brandenburg. Benjamin Pritzkuleit

Von „Halbe Treppe“ bis „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“  - man kennt Andreas Dresen (59)  als erfolgreichen Filmregisseur. Er engagiert sich aber auch ehrenamtlich als Verfassungsrichter in Brandenburg. Da es für dieses Amt noch immer keinen Nachfolger gibt, muss Dresen nun weiter im Gericht Regie führen.

Zehn als Laienrichter - Dresen zieht eine positive Bilanz. Das Ehrenamt habe er „immer als große Verantwortung empfunden und eine Menge gelernt. Demokratie ist ja nur so gut, wie man sich eben auch selber einbringt“, sagt er. „Ich war sehr gern bei den Sitzungen, aber auf der anderen Seite sagt man sich irgendwann auch: Zehn Jahre sind genug. Dann habe ich wieder ein bis zwei Monate mehr im Jahr für meine eigentliche Arbeit zur Verfügung.“

2012 wurde Dresen zum Richter am Verfassungsgericht Brandenburg ernannt und vereidigt, nachdem die Linksfraktion ihn vorgeschlagen hatte. Drei der neun Posten dürfen mit Laien besetzt werden – Dresen ist derzeit einziger Laienrichter.

Andreas Dresen und  Schauspieler Alexander Scheer freuen sich über den Deutschen Filmpreis für den  Gundermann-Film (2019).
Andreas Dresen und  Schauspieler Alexander Scheer freuen sich über den Deutschen Filmpreis für den  Gundermann-Film (2019). dpa/Jens Kalaene

Da seine Amtszeit im November offiziell endete, schlugen die Liberalen die FDP-Politikerin Karoline Preisler als Nachfolgerin vor. Sie zog jedoch die Kandidatur zurück und gab Berichte über die Trennung von ihrem Partner als Grund an. Danach scheiterten zwei Kandidatinnen der AfD und der Freien Wähler bei der Wahl im Brandenburger Landtag, die Suche ist damit offen.

Andreas Dresen: „Die erste Zeit im Gericht habe ich als wahnsinnig anstrengend empfunden“

Dresen hat den Umfang der Arbeit am Gericht anfangs unterschätzt. „Die erste Zeit im Gericht habe ich als wahnsinnig anstrengend empfunden und mich durchaus gefragt, wie ich das überhaupt schaffen soll“, sagt er. „Meinem Nachfolger oder meiner Nachfolgerin würde ich auf jeden Fall sagen, dass man einigen Zeitaufwand einplanen sollte.“

Er habe es aber als sehr befruchtenden Prozess erlebt, indem er Fragen gestellt habe, die für Juristen vielleicht erstmal sehr schlicht seien. „Aber das Schlichte hilft manchmal eben auch, Denkprozessen eine neue Richtung zu geben oder einen Text verständlicher zu machen.“

Laut Dresen bearbeiten die Verfassungsrichter im Jahr etwa 100 Verfahren. „Das erste Corona-Jahr 2020 hat uns alle an die Grenze getrieben, da waren es natürlich viel mehr. Damals habe ich auch „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ gedreht“, sagt Dresen. „Aber ich habe es immer irgendwie hingekriegt und würde es trotzdem nochmal machen.“ 

Einige Verfahren wird er nicht vergessen: „Vor allem die sehr politischen wie die Entscheidungen über das Paritätsgesetz oder die Privatschulfinanzierung.“ Er hat einen Vorschlag: „Bei uns scheitern unheimlich viele Verfassungsbeschwerden an der Zulässigkeit. Da wünschte ich mir eine Vereinfachung.“

Als Regisseur hat Dresen schon  einige neue Projekte im Blick – auf der Bühne und auf der Leinwand. „Im Sommer inszeniere ich in Dresden an der Semperoper „Pique Dame“ von Tschaikowsky“, sagt er. „Und danach werde ich mal eine Weile Pause machen.“

Dresen freut sich schon auf ein Lieblingsprojekt: „Wenn alles klappt, drehe ich im Winter 2023/2024 „Die Weihnachtsgans Auguste“. Das ist dann auch mal ein Stoff, bei dem man sich auch ein bisschen erholen kann, weil der einfach Spaß macht und nicht so düster ist. Die Gans überlebt ja schließlich.“