Schauspieler Ulrich Matthes sitzt als Schwimmpate im Sommerbad Wilmersdorf am Beckenrand und ist von den Schwimmkünsten der Mädchen und Jungen begeistert.

Markus Wächter

Er ist Film- und Bühnen-Star, Präsident der Deutschen Filmakademie – und ein begeisterter Schwimmer. Das muss Ulrich Matthes auch sein. Denn der Schauspieler (62) wurde jetzt zum Chef-Schwimmpaten für die Schwimmschule der Berliner Bäder ernannt. In dieser Funktion will er dafür sorgen, dass immer mehr Berliner Kinder in Kursen richtig schwimmen lernen. Wie wichtig das ist, weiß Matthes nur zu gut. „Ich wäre im Urlaub im Meer fast ertrunken, wenn ich nicht seit meiner Kindheit so gut schwimmen könnte“, sagt er.

Im Sommerbad Wilmersdorf sitzt Matthes am Dienstagvormittag als frischgebackener Pate am Beckenrand, schaut fünf- und sechsjährigen Kindern zu, die ihre Schwimmkünste zeigen. In den Ferien haben Selma, Adnan, Jakob und Edda bei Bademeisterin Andrea Bär ihr „Seepferdchen“ gemacht. Sprung vom Beckenrand ins Wasser, nach einem Reifen tauchen und 25 Meter Brustschwimmen: Die Kleinen berichten dem Schauspieler stolz, wie toll es ist, schwimmen zu können.

Ulrich Matthes: „Schwimmen-Lernen war wichtiger als Mondlandung“

Matthes erinnert sich, wie er als Zehnjähriger in diesem Sommerbad mit dem Schwimmen begann. Der Trainer sei streng gewesen, sei immer mit der Schwimmstange dazwischengegangen. „Ich schwimme wie eine bleierne Ente, hat er gesagt, als er meine Brustschwimmkünste sah“, sagt der Star. Aber er gab nicht auf. Mit seinem Vater habe Matthes im Österreich-Urlaub im Hotel-Pool das Kraulschwimmen gelernt. Es war im  Sommer 1969, als die Amerikaner auf dem Mond landeten. „Davon wollte ich gar nichts wissen“, sagt Matthes. „Mein Vater war erstaunt, dass für mich tatsächlich das Kraulen-Lernen im Pool wichtiger als die Mondlandung war. Ich wollte meinem Vater nacheifern, der ein sehr guter Kraulschwimmer war.“

Schwimmpate Ulrich Matthes mit Selma, Edda, Jakob und Adnan, die bei Schwimmlehrerin Andrea Bär ihr „Seepferdchen“ machten.
Markus Wächter

Matthes: „Du kannst doch jetzt nicht ausgerechnet vor Capri ertrinken“

Matthes’ kindlicher Eifer sollte sich später auszahlen. Der Vorfall sei noch gar nicht so lange her. „Bei einem Urlaub auf Capri war ich abends in einer Bucht von einem Felsvorsprung ins Meer gesprungen“, sagt der Schauspieler, der sich als Junge nicht traute, vom Zehn-Meter-Turm zu springen. „Als ich nach zehn Minuten wieder aus dem Wasser wollte, war die Strömung so stark, dass ich weiter aufs Meer hinaustrieb und es nicht schaffte an Land zu kommen. Ich dachte bei mir, dass könne doch nicht sein, jetzt ausgerechnet vor Capri zu ertrinken. Du bist doch ein guter Schwimmer. Also nahm ich all meine Kräfte zusammen und rettete mich ans Land. Wäre ich kein guter Schwimmer, hätte ich das vielleicht nicht geschafft.“

Das Erlebnis ist ein Grund, warum Matthes jetzt Chef-Schwimmpate geworden ist. Mit diesem Ehrenamt will er viele Berliner gewinnen, ebenfalls Pate zu werden, mit einer Spende von 140 Euro dafür zu sorgen, dass vor allem Kinder aus einkommensschwachen Familien in der Schwimmschule der Berliner Bäder das richtige Schwimmen erlernen können. 140 Euro kosten die Intensiv-Kurse, die ab September wieder beginnen. Plätze für 1000 Kinder gibt es, im Oktober kommen 2000 dazu, wenn in den Herbstferien traditionell noch mehr Kinder die Schwimmlern-Kurse besuchen wollen.

Doch nicht jede Familie kann sich den Preis von 140 Euro dafür leisten. „Daher finde ich die Idee super, dass Menschen einspringen, um das Schwimmen-Lernen von Kindern aus einkommensschwachen Familien zu unterstützen“, sagt Matthes. Die Kurse sind dann für diese Kinder kostenlos. Die Plätze werden über den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst den Bezirksämtern vermittelt.

Die Kurse seien für alle Kinder wichtig, so Matthes. „Denn sie leisten einen Beitrag, Schwimm-Defizite der letzten eineinhalb Jahre auszugleichen, weil wegen der Corona-Pandemie die Schwimmhallen lange geschlossen waren und viele Schulkinder nicht richtig schwimmen lernen konnten“, sagt er.

Ulrich Matthes erzählt den Kindern im Sommerbad, wie er als zehnjähriger Junge das Schwimmen erlernte.

Markus Wächter

Auch Matthes nimmt noch einmal Schwimmunterricht. Der Chef-Schwimmpate bekommt von den Bäderbetrieben für sein Engagement eine Gratisstunde im Delfin-Schwimmen. „Da habe ich noch gewaltige Defizite. Ich bin ein großer Bewunderer von Delfin-Schwimmern, versuche ihnen immer nachzueifern – bisher ohne Erfolg. Vielleicht mangelt’s an Muskeln oder am Talent, aber vielleicht lerne ich es nun unter professioneller Anleitung.“

Wer Schwimmpate werden will, kann sich auf der Internetseite der Berliner Bäder anmelden.