Vor Gericht versteckten sich die mutmaßlichen Räuber hinter Aktendeckeln. Foto:  Pressefoto Wagner

Ein „Familienausflug“ zur Tankstelle: Vier Männer hofften auf satte Beute. Nun jammern sie vor Gericht. Als Räuber-Quartett sind sie angeklagt: Milenko D. (20), Kaan A. (19), Daniel W. (41) und Andreas S. (36). Die beiden älteren sind Brüder. Gefasst wurden die Angeklagten nach einem Großeinsatz mit Hubschrauber. Auch ein Schuss fiel.

Leugnen vor dem Richter scheint zwecklos. Erdrückend die Beweise. Über ihre Verteidiger gestanden sie. Geldprobleme hätten zum Überfall geführt. Daniel W.: „Zu mir kamen Tschetschenen, verlangten 20.000 Euro, drohten.“ Angeblich Schulden seines Vaters. Sie hätten überlegt, wie man schnell an Geld kommen könnte. Daniel W.: „Es wurde an einen Überfall gedacht, zunächst war es nicht ernst. Unter den eingeweihten Familienmitgliedern wurde aber weiter darüber gesprochen.“

Für ihren Tankstellen-Überfall rechneten sie sich eine größere Summe aus

Am 24. Juli fuhren sie im Mercedes Richtung Potsdam-Mittelmark. Ihr Ziel: Eine Tankstelle in Kloster Lehnin. Ein Freitagabend. Sie rechneten sich eine größere Summe aus. Daniel W.: „Abgesprochen war, dass die Jungen reingehen. Ich hätte mich nicht getraut.“ Ohne Gewalt hätten sie vorgehen wollen. Gegen 19.40 Uhr tauchten sie an den Zapfsäulen auf. D. und A. schnappten sich Schreckschuss-Knarren, maskierten sich und stürmten in den Verkaufsraum. Eine Mitarbeiterin wurde bedroht, Geld verlangt. D. raffte die Scheine aus der Kasse – „während A. eine Waffe auf die Zeugin richtete“.

Auch S. kam in den Verkaufsraum, schnappte sich drei Kanister Motoröl. Andreas S. zum Richter: „Weil der Wagen meines Bruders so viel Öl verbraucht.“ Er steckte auch eine Flasche Jägermeister ein. S.: „Obwohl ich den nicht mag – die Situation war surreal für mich“. Er habe so etwas noch nie gemacht – „aber Daniel war so verzweifelt, da gab es verschiedene verrückte Ideen in der Familie“.

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Sie wollten angeblich keine Gewalt. Die beiden Jüngeren aber schlugen am Ende zu. Als sie eigentlich einsteigen wollten, sahen sie einen weiteren Tankstellen-Mitarbeiter. Die Anklage: „Sie forderten Geldbörse und Mobiltelefon.“ D. habe mit der Faust gegen die Schläfe des Opfers gedroschen, A. schlug mit einer Schreckschuss-Waffe zu. Ein Schuss habe sich gelöst. Böse Überraschung für die Räuber: Es befanden sich lediglich 645 Euro in der Tankstellen-Kasse. Daniel W.: „Ich war schockiert.“ Als sie entkommen wollten, tauchten im Rückspiegel bald Verfolger auf.

Die Brandenburger Polizei fahndete mit mehreren Streifenwagen und Unterstützung aus Berlin nach den Tätern. Gegen 21.20 Uhr konnte das Quartett in Nikolassee gestellt werden. Der Mercedes stoppte nach kurzer Flucht. D. und A. wollen auf Kokain gewesen sein. A.: „Ich fühlte mich mutig und überdreht. Tut mir alles leid.“ Viel Reue zu Prozessbeginn. Fortsetzung: Mittwoch.