Blick auf den Eingang des Hotels Adlon. Das Verwaltungsgericht Berlin verhandelte am 08. Dezember 2022 über mögliche Ansprüche der Adlon-Erben auf Rückübertragung. 
Blick auf den Eingang des Hotels Adlon. Das Verwaltungsgericht Berlin verhandelte am 08. Dezember 2022 über mögliche Ansprüche der Adlon-Erben auf Rückübertragung.  Joerg Carstensen/dpa

Es ging 120 Millionen Euro. Doch vor Gericht erlitten die Erben des berühmten Hotel Adlon in Berlin eine Schlappe. Sie bekommen keine Entschädigung für die Enteignung, so das Gericht am Donnerstag.

Der Familie Adlon steht keine Entschädigung für die Enteignung des berühmten Luxushotels am Brandenburger Tor zu. Das hat das Verwaltungsgericht Berlin am Donnerstag entschieden. Damit blieben die Erben zunächst erfolglos mit ihrem Versuch, dass ein früheres Verfahren zur Rückübertragung wieder aufgegriffen wird.

Lesen Sie auch: Weihnachten mit Kindern: herrlich weihnachtliche Märkte für Familien in Berlin>>

Aus Sicht der Kläger gab es neue Beweise dafür, dass die Adlons selbst Opfer nationalsozialistischer Verfolgung geworden seien. Dafür sah das Gericht keine ausreichenden Beweise. Zwar sei das weltberühmte Hotel von den Nazis „instrumentalisiert“ worden. Die Hotelbetreiber seien aber nicht vollständig aus ihrem Eigentum verdrängt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Lesen Sie auch: Tag der Abrechnung: Netflix-Doku mit Meghan und Harry startet>>

Felix Adlon, der die Erbengemeinschaft vertritt, kündigte weitere rechtliche Schritte an. „Unser Weg ist hier noch nicht zu Ende“, sagte er nach der Urteilsverkündung. Der US-Filmemacher und Buchautor („Adlon: Ein Hotel, sechs Generationen“) ist der Ur-Ur-Enkel von Hotel-Erbauer Lorenz Adlon.

Felix und Nina Adlon kommen ins Verwaltungsgericht Berlin. 
Felix und Nina Adlon kommen ins Verwaltungsgericht Berlin.  Joerg Carstensen/dpa

Das Adlon gehört heute zur Luxushotelgruppe Kempinski. Berühmt war ursprünglich das alte Luxushotel, das 1907 öffnete. Am Ende des Zweiten Weltkriegs brannte das Hotel 1945 bis auf einen Seitenflügel nieder. 1984 wurde auch dieser Rest abgerissen. Der Name Adlon blieb als Mythos.

1997 wurde das Hotel Adlon wiedereröffnet

Am 23. August 1997 wurde das Hotel Adlon schließlich wiedereröffnet. Adlon-Anwalt Dr. Wolfgang Peters sagte der BZ: „Bei der Veräußerung des Grundstücks 1994 wurde ein Kaufpreis von 70 Millionen D-Mark erzielt – der damalige tatsächliche Verkehrswert lag jedoch bei 100 Millionen.“ Umgerechnet in Euro und mit den Zinsen aus 28 Jahren ging es gestern also um etwa 120 Mio. Euro.

Das Hotel Adlon Kempinski ist eines der luxuriösesten und bekanntesten Hotels in Deutschland. 
Das Hotel Adlon Kempinski ist eines der luxuriösesten und bekanntesten Hotels in Deutschland.  www.imago-images.de / Rolf Kremming

Lesen Sie auch: Haben Sie DAS gewusst? Am 8. Dezember wird Ihr Handy klingeln – und das ist der Grund!>>

Waren die Adlons Nazis oder im Widerstand?

Hintergrund der Klage ist die sogenannte Liste 3. Die Sowjets hatten diese 1949 über Kriegsverbrecher und Nationalsozialisten geführt, wer drauf stand, wurde enteignet. So auch das Hotelier-Paar Hedda und Louis Adlon.  1941 waren diese in die NSDAP eingetreten.  Der Eintritt erfolgte gezwungenermaßen, argumentieren die Adlon-Erben heute.

Mit neuen Beweisen wollen sie nun argumentieren, dass ihre Vorfahren nicht nur fälschlicherweise als Nazis in die „Liste 3“ aufgenommen wurden – sondern selbst Opfer nationalsozialistischer Verfolgung gewesen seien.  So sei das Stauffenberg-Attentat auf Hitler im Adlon geplant worden, Hedda und Louis Adlon seien im Widerstand gewesen. Noch heute kann eine Entscheidung darüber fallen, ob das Gerichtsverfahren zugelassen wird.