Die Mutter der getöteten Fabien hinter einem Bild ihrer Tochter vor Gericht imago/Wagner

Die Eltern brachen in Tränen aus: Knapp vier Jahre nach dem Horror-Crash, der Fabien Martini (21) tötete, wurde die Strafe gegen den Polizisten Peter G. (54) gemildert.

Nur noch eine Geldstrafe. So urteilte das Landgericht in der Berufungsinstanz. Eine Strafe von 12.900 Euro (150 Tagessätze zu je 86 Euro) wegen fahrlässiger Tötung soll der Beamte zahlen. Im ersten Prozess war er zu einem Jahr und zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Fabiens Vater fassungslos: „Ein Skandal!“ Christian M. (52) kündigte an: „Wir werden das Urteil nicht akzeptieren, gehen in Revision. Wir werden alles dafür tun, dass er in den Knast kommt.“ Die Eltern halten daran fest: G. sei bei der Fahrt alkoholisiert gewesen. Sie forderten vier Jahre Haft. Die Anklage hatte auf 14 Monate auf Bewährung plädiert.

Fabien Martini verstarb am Unfallort

Der Horror-Unfall auf der Grunerstraße (Mitte) am 29. Januar 2018 gegen 13.30 Uhr. Mit Blaulicht und Martinhorn waren Hauptkommissar G. und sein Beifahrer mit bis zu 132 km/h unterwegs. Ein Einsatz. Ein Raubüberfall war gemeldet. Ein Fehlalarm, wie sich später herausstellte.

Der Wagen schoss aus dem Gruner-Tunnel. Ein Zeuge im Prozess: „Ich dachte, der hebt gleich ab.“ Fabien im weißen Renault Clio wechselte gerade langsam von der mittleren in die linke Fahrspur. Sie wollte auf der Mittelinsel einparken. Mit Tempo 91 krachte das Polizeiauto in den Kleinwagen. Fabien Martini verstarb am Unfallort.

Der Richter: „Bei der Situation wären höchstens 80 km/h zulässig gewesen.“ G. habe sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht. Doch anders als die Vorinstanz gehe das Gericht nicht von einer groben, sondern von einer „mittleren Fahrlässigkeit“ aus. Ein Grund: Es sei gesetzlich keine Höchstgeschwindigkeit bei Einsatzfahrten geregelt.

Gericht: Junge Autofahrerin trifft Mitschuld

Ein nächster Schlag für die Eltern: Das Landgericht ging von einem Mitverschulden der jungen Autofahrerin aus: „Hätte sie sich richtig verhalten, hätte sie mit Schulterblick die Funkstreife sehen müssen und reagieren können.“ Zu viel für die Mutter auf der Bank der Nebenklage: Britta M. (50) brach in Tränen aus.

Der Fall sorgte auch wegen Verdacht auf Alkohol am Steuer für Aufsehen. Krankenhaus-Ärzte sollen bei G. etwa ein Promille im Blut festgestellt haben. Doch die Probe war nicht auf Veranlassung der Polizei gemacht worden. Die Patientenakte sei später rechtswidrig beschlagnahmt worden, entschied ein Gericht. Sie durfte als Beweismittel nicht verwertet werden.

Nun kritisierten die Richter zwar: „Am Unfallort kam es zum Teil zu einer chaotischen Bearbeitung.“ Es wäre geboten gewesen, eine eventuelle Alkoholisierung des Fahrers sofort zu prüfen. Doch die Richter waren überzeugt: „Es gibt keine Anhaltspunkte auf Alkoholisierung und keine darauf, dass etwas verschleiert werden sollte.“

Peter G. hatte den Prozess starr verfolgt. Kein Wort an die Eltern und den Bruder von Fabien Martini, die ihm monatelang im Gerichtssaal gegenüber saßen. Er sah sie nicht einmal an, drehte sich weg. Es wirkte, als würde er ihnen die kalte Schulter zeigen. Seine Anwälte hatten Freispruch gefordert. Und erklärt, dass ihm der Unfall sehr leid tue, er sei seitdem „ein psychisches Wrack“.