Überall in Berlin leeren sich die Supermarkt-Regale, gehen Kunden auf Hamsterkauf-Ausflüge - schuld daran sind auch Falschmeldungen im Netz. imago

Berlin - Die Ausbreitung des Corona-Virus und die damit verbundenen Sicherheitsmaßnahmen verunsichern viele Menschen – und bilden zugleich einen guten Nährboden für Panikmache im Netz. Zwischen all den Nachrichten verbreiten sich Falschmeldungen deshalb rasant. Experten rufen nun zu Besonnenheit auf – und bitten darum, nicht alles zu glauben.

Denn leider haben viele Fake-Nachrichten das Potenzial, die Corona-Lage zu verschlimmern. Über Whatsapp verbreiten sich etwa Meldungen, dass ab heute und morgen angeblich Supermärkte schließen sollen, was Hamsterkäufer zum weiteren Stürmen der Läden bringen könnte. Eine Sprachnachricht, die durch das Chat-System geistert, ruft sogar gezielt zu Hamsterkäufen auf, weil die Filialen von Aldi angeblich geschlossen werden.

Die Supermarkt-Kette dementiert das aber vehement. „Unsere Märkte sind nach wie vor für unsere Kunden wie gewohnt geöffnet und unsere Mitarbeiter arbeiten unermüdlich daran, die Warenverfügbarkeit für unsere Kundinnen und Kunden sicherzustellen“, sagte eine Sprecherin von Aldi Nord auf Nachfrage des Online-Portals „watson“. Noch einen Schritt weiter geht eine gefälschte Nachrichtenmeldung, die derzeit in sozialen Netzwerken die Runde gemacht. Hier heißt es, aufgrund der aktuellen Situation hätten die deutschen Supermärkte gemeinschaftlich beschlossen, die Öffnungszeiten zu ändern – geöffnet sei nur noch am Montag, von Dienstag bis Donnerstag seien alle Filialen von der Ketten Lidl, Netto, Aldi, Kaufland, Edeka, Penny und Real dicht. 

Unsere Märkte sind nach wie vor für unsere Kunden wie gewohnt geöffnet und unsere Mitarbeiter arbeiten unermüdlich daran, die Warenverfügbarkeit für unsere Kundinnen und Kunden sicherzustellen.

Sprecherin von ALDI Nord

Derzeit gilt bei allen Nachrichten, die sich rasant in sozialen Netzwerken und per Whatsapp verteilen: Besser zweimal hinschauen, ob die Quelle wirklich seriös wirkt. Die Meldung über die Supermarkt-Schließungen, angeblich von einem seriösen Nachrichtenportal, strotzt etwa vor Rechtschreibfehlern. Im Zweifel hilft der Blick ins Netz – per Google-Suche lassen sich viele „News“ sofort entzaubern.

Auch diese: Eine Falschmeldung, die gerade immer größere Kreise zieht, gibt dem Medikament Ibuprofen die Schuld an der Ausbreitung des Virus. In einer Sprachnachricht heißt es, dass das Schmerzmittel anfälliger für das Virus macht – und bezieht sich auf Forschungen der Universität Wien. Von hier kommt ein hartes Dementi. Bei dem „Zusammenhang zwischen Ibuprofen und Covid19 handelt es sich um Fake News, die in keinerlei Verbindung mit der Uni Wien stehen“, twittert die Universität.

Ebenfalls für Verunsicherung sorgt eine Sprachnachricht, die über Whatsapp verbreitet wird – eine Frau behauptet dort, sie habe von Bekannten erfahren, dass der Flughafen Tegel kurz vor der Schließung steht. Es drohe Panik in Deutschland, vor allem aber in Berlin – man müsse nun Hamsterkäufe machen, um versorgt zu sein. Auch das Bundesgesundheitsministerium warnt indes vor der Verbreitung solcher Falschmeldungen.

Das Ministerium und die Regierung planen weitere dramatische Einschnitte ins öffentliche Leben, heißt es in einer Nachricht. „Das stimmt NICHT“, schreibt das Ministerium. „Bitte helfen Sie mit, ihre Verbreitung zu stoppen.“ Es sei sehr wichtig, „Informationen zum Coronavirus aus zuverlässigen Quellen zu beziehen“, heißt es in eine, anderen Tweet. „Informationen erhalten Sie auf den Internetseiten des Robert Koch-Instituts und des Bundesgesundheitsministeriums.“ Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt schon seit längerem vor einer „massiven Infodemie“, also eine unübersichtliche Flut von wahren Meldungen und vor allem falschen Meldungen zu Corona. Vor dem Teilen von Meldungen sollte deshalb jeder zweimal überlegen. Denn wie das Virus kann man sie nur stoppen, wenn man sie nicht einfach achtlos weitergibt.