Das Olympiastadion erstrahlte schon einmal in den Regenbogenfarben. Foto: Olympiastadion Berlin GmbH

Nach Frankfurt und Köln will nun auch Berlin zum Fußballspiel Deutschland gegen Ungarn seine größte Arena in Regenbogenfarben erstrahlen lassen. „Wir machen da gerne mit“, sagt Christoph Meyer, Sprecher der Olympiastadion GmbH, dem KURIER, „weil wir uns für Toleranz und Menschenrechte einsetzen.“

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So soll am Mittwoch zum Anpfiff des EM-Spiels um 21 Uhr das Stadion in Regenbogenfarben erleuchten. Möglich machen dies eine neue LED-Anlage im Stadiondach und das erste vollfarbige Flutlicht Deutschlands, die vergangenes Jahr verbaut wurden. Bereits zum Christopher Street Day leuchtete das Olympiastadion und seine Umgebung in den Regenbogenfarben.

„Die Entscheidung fiel uns leicht“, sagt Meyer über die landeseigene GmbH, die im Tagesgeschäft autonom agiert. Der europäische Fußballverband Uefa hatte dem Spielort München untersagt, die Arena vor Ort einzufärben, um gegen Diskriminierung und für Vielfalt zu werben. Die Uefa wertet das als politisches Statement, was ihre Statuten verbietet. 

„Die Entscheidung fiel uns leicht“

Bundesligist Hertha BSC, der seine Heimspiele normalerweise im Olympiastadion austrägt, teilte auf Anfrage mit, dass der Verein bereits vergangene Woche die Regenbogenfahne vor seiner Geschäftsstelle nahe des Stadions gehisst habe und sich am Mittwoch auf seinen Social-Media-Kanälen an der Aktion beteiligen werde. Auch andere Vereine wie der VfL Wolfsburg oder Zweitligist Darmstadt 98 beteiligen sich mit ihren Arenen. 

Protest kommt auch aus der Berliner Politik. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) teilte über Twitter mit:  „Sich selbst immer gern für Aktionen gegen Homophobie und Rassismus feiern lassen, aber eine Regenbogen-Arena bei der Euro 2020 als Zeichen für Toleranz und Vielfalt verbieten. Was für ein Armutszeugnis, Uefa!“ Dem KURIER sagte die Senatorin: „Es ist gut und richtig, dass Hertha BSC das Berliner Olympiastadion zum EM-Spiel der deutschen Mannschaft gegen Ungarn in Regenbogenfarben erstrahlen lässt. Damit setzt Berlin anders als die Uefa ein Zeichen für Vielfalt, Akzeptanz und Menschenrechte.“

Auch die Opposition in Berlin forderte ein Zeichen zu setzen. „Wir meinen, dass sich unsere Stadt anderen Bundesländern und Stadien anschließen sollte, um mit dem Regenbogen für mehr Respekt füreinander zu werben“, teilte Stephan Standfuß, sportpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion Berlin, mit.

Hintergrund des Protestes ist ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität in Ungarn einschränkt und in der vergangenen Woche vom ungarischen Parlament gebilligt wurde. Das Gesetz gilt als besonderes Anliegen von Ministerpräsident Viktor Orban. Entsprechend laut war die Forderung nach einem klaren Zeichen bei der Fußball-EM in Deutschland geworden. 

Friedrichstadt-Palast protestiert

Der Berliner Friedrichstadt-Palast setzt ein Zeichen. „Dass die Uefa keine Farbe für Toleranz bekennen möchte, ist in meinen Augen verachtenswert“, sagt Intendant Berndt Schmidt. „Am Palast leuchten die Regenbogenfarben mit dem Satz ,Respect each other‘ 365 Tage im Jahr über dem Haupteingang. Als Zeichen der Solidarität und auch als Statement gegen die homophobe ungarische Regierung hissen wir heute zusätzlich die entsprechende Flagge am Haus.“

Der Berliner Fernsehturm wird sich nicht beteiligen. Die Telekom-Tochter „Deutsche Funkturm“ würde gerne ein Zeichen setzen und das Wahrzeichen am Alexanderplatz in den Regenbogenfarben erleuchten lassen, so wie es bei dem Christopher Street Day 2019 geschah. „Wir haben in der Vergangenheit Farbe bekannt, wenn es um Toleranz und Aktionen gegen Homophobie ging – und wir würden es auch jetzt tun, nur wir können nicht schnell genug handeln“, sagt Benedikt Albers, Kommunikations- und Event-Chef der „Deutschen Funkturm“. „Doch solche Farbinstallationen erfordern nicht nur einen längeren technischen, sondern auch einen längeren behördlichen Genehmigungsvorlauf. Denn der Fernsehturm steht unter Denkmalschutz.“