Kay Nerstheimer hier noch mit AfD-Anstecker im Berliner Abgeordnetenhaus. Foto: Imago-Images/Jens Jeske

2016 zog Kay Nerstheimer per Direktmandat in Lichtenberg für die AfD ins Berliner Abgeordnetenhaus ein. Doch kurz darauf flog der gebürtige Rathenower noch bevor sie sich konstituierte aus der Fraktion der AfD und im Januar 2020 auch aus der Partei. Jetzt hat er sich der NPD angeschlossen, die damit erstmals seit 2016 wieder einen Platz in einem deutschen Länderparlament hat.

Den Parteiwechsel gab Nerstheimer persönlich gemeinsam mit NPD-Urgestein Udo Vogt auf Facebook bekannt. Er habe sich politisch nicht verändert, sagte er dort. Die AfD hingegen schon. Also sei er zum „Original“ gewechselt: der NPD. Offensichtlich wähnt Nerstheimer die AfD auf einem Weg in die bürgerliche Mitte während Sicherheitsbehörden in Deutschland sie stramm nach Rechts wandern sehen. So führt der Verfassungsschutz Teile der AfD als Verdachtsfälle. Der Politikwissenschaftler Matthias Quent bezeichnete die Partei zuletzt als „rechtsradikal“ und „in Teilen rechtsextrem“.

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Grund für die Ausbootung Nerstheimers bei der AfD waren sehr offensichtliche Verstrickungen in rechtsextreme Netzwerke. So gehörte der mehrfach vorbestrafte 56-Jährige früher der rechtsextremen „German Defence League“ an, die er nach eigener Aussage zur Miliz umbauen wollte. Als dies bekannt wurde, gab die Fraktionsspitze der Berliner AfD an, nichts davon gewusst zu haben und stellte sich gegen den gelernten Koch und Maurer.

Für die NPD ist der Übertritt Nerstheimers ein unerwarteter Erfolg. Flog die rechtsextreme Partei doch durch den Aufstieg der AfD aus den Länderparlamenten in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2016 sind sie in keinem Landtag mehr vertreten. Bei der Landtagswahl 2019 konnte die Partei selbst in der einstigen Hochburg Sachsen nur 0,6 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Die AfD hatte der Partei nahezu alle Wähler genommen. Schlagzeilen machte die AfD nur durch ein angestrengtes Verbotsverfahren, das abgelehnt wurde, da die rechtsextreme Partei zu bedeutungslos sei. Nun sitzt sie immerhin wieder im Berliner Abgeordnetenhaus.