Der Zug ist bald abgefahren. Die Infektionszahlen in Berlin steigen, weil sich Teile der Gesellschaft weigern, sich zu beschränken. 
Foto: Tobias Hase / dpa 

Ja, es war ein viel zu kurzer Sommer. Ja auch wir sind die ewigen Einschränkungen und das stetig sabbernde Corona-Monster leid. Und trotzdem kriegen wir es gebacken, uns zum Wohle aller noch ein kleines bisschen länger zusammenzureißen. Wenn es sein muss noch viel länger. Denn es lohnt sich, an die anderen und damit ein Stück weiter als über den Rand der Pulle oder der veganen Hipster-Bowl zu denken. Es lohnt sich nicht nur, nein es ist Pflicht in einer Stadt, die nur zusammen funktionieren kann.

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Ausgehend von euch feierwütigen Egomanen, die ihr selbstverliebt eure Bodys zu geilen Klängen schüttelt, von euch, die ihr euch die virenbesetzten Spuckebrocken mitsamt geistlosen Kommentaren zum wummernden Beat um die Ohren schleudert, von euch, die ihr in drangvoller Enge so richtig auf die Kacke haut um euch am nächsten Morgen doch verkatert in die Testschlange zu stellen, wird eine ganze Stadt in Geiselhaft genommen.

Es fühlt sich ja so lebendig an, Teil dieser rebellischen Corona-Jugend zu sein, die auf dem Vulkan tanzt und unter irgendeinem Hashtag Partybilder aus dem Park postet. So ein bisschen wie Techno in den 90ern, verboten und so underground. Doch ihr seid nicht allein hier. Wem gehört die Stadt, fragen manche von euch. Uns auch!

Wie scheißegal müssen einem Nachbarn, Freunden, Eltern kurz Mitmenschen sein, dass man ihnen  so richtig in die Suppe rotzt und aus schierer Vergnügungssucht riskiert, was wir, was der Einzelhändler, die Gastronomen, die Theaterleute  uns unter so harten Entbehrungen wieder ertrotzt haben?

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Wenn ihr schon wach seid, Partyvolk, stellt euch morgens um acht Uhr mal vor eine Grundschule. Da sind Kinder, die zu hunderten morgens daran gedacht haben, ihre Maske mitzunehmen. Sie tragen sie klaglos. Das sind Kinder, Familien, Berliner die in einer Woche in die Ferien an die Nordsee fahren wollen, die Oma in Rheinland-Pfalz besuchen. Wie erklärt ihr dem Knirps, dass daraus vielleicht nichts wird?

Jeder, der noch einen Funken Verstand in der Birne hat, sagt Prost und chillt jetzt mal zu Hause. Das ist so richtig underground.