In welchem Beruf ist das Ansteckungsrisiko am höchsten? Foto: imago images/imagebroker

Wenn zwölf Kinder beim Mittagsessen auf ihren Stühlen zappeln und die Schnitzel in Häppchen geschnitten werden müssen, wenn die Knirpse eine Rotznase haben und mit Taschentüchern wedeln, wenn sie sich, trotz Verbots schluchzend in die Arme der Erzieherin werfen, kommt man sich nahe. Man muss nicht lange nach den Ursachen einer Diagnose suchen, die jetzt die Berliner AOK gestellt hat. Menschen, die in der Kinderbetreuung und- Erziehung arbeiten, haben das höchste Corona-Infektionsrisiko. Abstand halten und Masken tragen, das ist das Gegenteil von einer kleinen Kindern entsprechenden und zugewandten Pädagogik.

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Von allen Berufsgruppen  werden am häufigsten Erzieher wegen einer Covid-19-Infektion krankgeschrieben. Von März bis Dezember meldeten sich rund 4,5 Prozent der AOK-versicherten Erzieher und Erzieherinnen wegen dieser Diagnose krank. Dieser Wert liegt laut einer Auswertung der AOK fast dreimal so hoch wie der Durchschnittswert aller Beschäftigten in Berlin.

Für die Erhebung wurden etwa 4500 Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen mit der Diagnose Covid-19 ausgewertet. Rund jeder Fünfte ist in Berlin bei der AOK Nordost versichert.

„Nicht nur in Berlin, auch im gesamten Bundesgebiet haben Erzieherinnen und Erzieher laut unserer Analyse das höchste Infektionsrisiko aller Berufsgruppen. Es war daher eine richtige Entscheidung der Bundesregierung, diese Berufsgruppe in der Impfreihenfolge vorzuziehen“, sagt Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, angesichts der Ergebnisse.

Beschäftigte in Gesundheitsberufen ebenfalls stark betroffen

Generell gilt: Beschäftigtengruppen, die in der Pandemie am Arbeitsplatz präsent sein müssen und nichts ins Homeoffice gehen können, sind im bisherigen Verlauf der Pandemie stärker von COVID-19 betroffen. Besonders trifft das auf Berufe mit direktem Kontakt zu anderen Menschen zu.

Zusammen genommen  finden sich in der Berliner „Top10“ der Berufe mit dem höchsten Infektionsrisiko überwiegend Beschäftigte in Gesundheitsberufen, die bereits ein Impfangebot erhalten haben: Alten-und Krankenpflegerinnen, medizinische Angestellte und Haus- und Familienpfleger, die zeitnah ein Impfangebot erhalten sollen.

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Bei den Beschäftigten in der Lebensmittelherstellung auf Platz 7 und den Busfahrern auf Platz 8 ist das bislang anders – sie werden sich noch gedulden müssen, bevor sie eine Impfangebot bekommen, heißt es in der Mitteilung der AOK.

Was nicht verwundert: in Berlin am Steuer eines Busses zu sitzen ist dabei laut der Analyse mit einem höheren Risiko verbunden, sich mit Covid-19 zu infizieren als in Brandenburg. Die Berliner Busfahrer mussten sich im Jahr 2020 rund 70 Prozent häufiger wegen einer Covid-19-Infektion krankmelden als im Durchschnitt aller Beschäftigten. Die Brandenburger Kollegen hingegen meldeten sich sogar etwas seltener wegen einer Covid-19-Infektion krank als im Brandenburger Landesdurchschnitt.

Frisöre, Gastro und Verkäufer weniger oft wegen Covid-19 krank

Die Datenauswertung zeigt weiterhin, dass Frisöre und Verkäufer in Berlin sich etwas seltener wegen Covid-19 krankschreiben ließen als der Durchschnitt, Kassiererinnen sogar rund 60 Prozent seltener als im Landesdurchschnitt. In der  Gastronomie - ohnehin im Erhebungszeitraum März 2020 bis Dezember 2020 stark eingeschränkt  - ließen sich Beschäftigte weniger als halb so oft krankschreiben wie Berliner Durchschnitts-Beschäftigte.