Corona-Teststation in Tegel. Foto: Tobias SCHWARZ / AFP

Aller Anfang ist schwer - und in Berlin scheinbar noch ein bisschen schwerer als anderswo. Am Mittwoch sollte am Flughafen Tegel die Stelle für freiwillige und kostenlose Corona-Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten öffnen. Mit einem (negativen) Test können die Ankommenden ihre obligatorische zweiwöchige häusliche Quarantäne umgehen.

Am Mittwoch um 8 Uhr sollte die Teststelle öffnen, täglich bis 20 Uhr soll sie geöffnet sein. Doch der Termin wurde nicht gehalten, Dutzende Reisende waren frustriert und verärgert. Viele von ihnen zogen ungetestet von dannen. Erst fünfeinhalb Stunden später ging es wirklich los.

Das Universitätsklinikum Charité und der Krankenhauskonzern Vivantes sind vom Senat beauftragt, „eine Pilotphase“ für das kostenlose Angebot auf den Weg zu bringen. Welcher Ort wäre dafür besser geeignet, als ein Flughafen? Bereits vorigen Donnerstag hat medizinisches und technisches Personal der beiden hochangesehenen Institutionen in Tegel nach einem geeigneten Platz gesucht. Was sollte also schiefgehen?

Das Prozedere hätte in etwa so sein sollen: Die Reisenden laufen nach Ankunft zu Gate A00. Dort lassen sie sich elektronisch registrieren und dann testen. Danach gehen sie nach Hause in Quarantäne. Rund 48 Stunden später soll das landeseigene Labor Berlin den Abstrich ausgewertet haben und der Reisende über das Ergebnis benachrichtigt werden. Ist es negativ, kann die Quarantäne beendet werden. Ist es positiv, muss man zu Hause bleiben. Das automatisch informierte zuständige Gesundheitsamt meldet sich mit weiteren Instruktionen.

Wissenschaftsverwaltung meldete „Netzwerkprobleme“

Tatsächlich tat sich am Mittwochvormittag in Tegel vor Gate A00 stundenlang nichts, was Außenstehende hätten nachvollziehen können. Die Fluggäste, die mit Flug TK 7728 aus Istanbul gegen 11.15 Uhr landeten, erhielten keine Nachricht. Sie sahen nur, dass immer wieder Menschen im blauen Medizinerkittel hinter eilig aufgestellten Stellwänden verschwanden. Andere werkelten hinter verschlossener Tür in einem kleinen Kiosk im Terminal. Als es immer noch nicht losging und Wartende ungehalten gegen die Glastür klopften, klebten die Mitarbeiter von innen blickdichte Folie dagegen.

Draußen wurde die Stimmung hitziger. Heike und Ahmet Oral aus Reinickendorf, 63 und 67 Jahre alt, waren der Verzweiflung nahe. „Wir haben uns nicht in Istanbul testen lassen, als wir hörten, dass es hier möglich ist. Und dann so etwas“, sagte Heike Oral enttäuscht. Direkt hinter ihnen wartete eine 22-jährige Deutschamerikanerin. Sie ist seit Sonnabend in Berlin. Da sie telefonisch bei keiner Corona-Teststelle durchgekommen war, war sie nach Tegel gekommen. Mit Bahn und Bus. Ein junger Mann wollte seine Schwägerin abholen. Sie brauche dringend einen Test für eine medizinische Behandlung. Jetzt stehe sie schon seit mehr als einer Stunde in der Warteschlange.

Um 12.30 Uhr meldete die Wissenschaftsverwaltung „Netzwerkprobleme“. Offensichtlich war es nicht möglich, die Reisenden digital zu registrieren. Um 13.30 hieß es von der Flughafengesellschaft: „Jetzt läuft‘s. Es wird getestet“.

Übrigens: In Istanbul und an anderen Flughäfen in der Türkei gibt es seit einiger Zeit einen Corona-Testservice. Dort kann man sich für 110 Lira (rund 13,50 Euro) testen lassen – ein paar Stunden später hat man das Ergebnis und kann in sein Flugzeug steigen.

Donnerstag soll in Schönefeld die nächste Teststation eröffnen. Noch ist nicht klar, wie lange beide Stationen zunächst arbeiten sollen. Über allem schwebt der Plan der Bundesregierung, die Tests verpflichtend zu machen. Sobald dies geschieht, bräuchte man mehr Platz.