Lustig, aber strafbar: Das Kennzeichen an der vermeintlichen Clan-Karre. Foto: Sven Darmer

Heutzutage kann sich ja alles millionenfach und sekundenschnell im Internet verbreiten. Man muss daher   aufpassen, was man so sagt und schreibt und macht. Fotos zum Beispiel, die einen gelben Sportwagen zeigen, der auf der Hermannstraße in Neukölln steht, somit auf öffentlichem Straßengrund, wo so ein Auto ein amtliches Kennzeichen mit amtlichem Siegel zu haben hat. Kann man prima ins Internet stellen. „B YE BYE“ ist zwar als Kennzeichen lustig, zumal dann, wenn eine Partei wie die Berliner CDU am Donnerstag damit kriminelle Clans aus der Stadt verabschieden will. Nur amtlich ist es eben nicht, weswegen nun die Polizei ermittelt.

Es geht um den Verdacht einer Straftat, und damit er in dieser heiklen Angelegenheit nicht falsch zitiert wird, will sich Dirk Reitze lieber schriftlich zu zwei ebenso schriftlich gestellten Fragen äußern und äußert sich dann erst mal gar nicht. Reitze ist der Geschäftsführer und Justiziar der Berliner CDU, deswegen muss man an dieser Stelle besonders aufpassen, was man so sagt und schreibt und macht.

Ganz allgemein lässt sich feststellen, dass Fehler blöd sind, aber immer auch ihr Gutes haben. Man kann nämlich aus ihnen lernen. Zum Beispiel, dass die hiesige Polizei über eine Internetwache verfügt. Dort darf jeder Bürger Anzeige erstatten, wenn ihm etwas anzeigenswert erscheint. Im Fall der Berliner CDU und ihrer Bye-bye-Aktion vor Medienvertretern ist das geschehen.

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Anschwärzen per Mausklick ist ein sehr zeitsparendes Verfahren, das sogar hinter dem Lenkrad eines fahrenden Luxusschlittens zu bewältigen ist, wenn das nicht ebenfalls von Amts wegen verboten wäre. Deshalb nur mal angenommen, ein Mitglied der weitverzweigten Familie X fährt an einem Vormittag in seinem schmucken Auto über die Hermannstraße. Zum Joggen am Landwehrkanal oder zu einem Geschäftsessen in Hohenschönhausen oder zur Arbeitsagentur an der Sonnenallee, egal. Jedenfalls sieht das Mitglied der Familie X Kai Wegner und denkt sich: „Mensch, das ist doch der Spitzenkandidat der Berliner CDU, der da mit Reportern spricht vor einem gelben Sportwagen, auf dem steht: ,Kriminelle Clans gehören auf Netflix, nicht auf Berlins Straßen‘. Moment mal: Wen meint der damit?“

Jetzt wirklich nur mal angenommen: Das Mitglied der Familie X bemerkt in diesem Moment die sehr unamtlich aussehenden Kennzeichen. „B YE BYE? Wo bitte schön ist das Siegel?“, fragt er sich und denkt: „Wenn einen derartigen Blödsinn jeder machen würde, wo kämen wir denn da hin?“ Sein Auto ist schließlich auch ordnungsgemäß angemeldet, auf den Schwiegervater.

Und so weiter und weiter. Könnte in der Art abgelaufen sein, muss aber nicht. Vielleicht war es in Wirklichkeit ein Funktionär der Grünen aus Friedrichshain-Kreuzberg oder jemand anderes, der gerade kein dringenderes Probleme an der Backe hat. Sinnlose Theorie. Oder wie die Fußballer sagen: Am Ende zählt, was hinten rauskommt. Wie? Ja klar, aus einem gelben Sportwagen, das auch, aber vor allem bei einer solchen Angelegenheit.

Zum Abschluss deshalb zu ergänzenden Lerninhalten, erstens: Fahrzeuge dürfen nur mit ordentlichem Kennzeichen und ebensolchem Siegel auf öffentlichem Straßengrund bewegt werden. Zweitens: Irgendwer findet sich immer, der irgendwen anschwärzt. Und drittens: Manchmal sind es Kleinigkeiten, die jemanden in die Kriminalität abrutschen lassen.

Nur zur Sicherheit schwarz auf weiß! Unter Punkt drei ist nicht die Berliner CDU gemeint. Man muss ja heutzutage sehr genau aufpassen, was man so sagt und schreibt und macht.