Wer wwird wann behandelt? Foto: imago images / Rolf Kremming

Erkältung oder doch eine Infektion mit dem Coronavirus? So genau lässt sich das nicht sagen. Für alle Kranken gelten in diesen Tagen daher einige Sonderregelungen.

Was passiert im Verdachtsfall?

An einer Hausarztpraxis im Friedrichshain hängt ein Schild: „Corona-Virus – Bitte die Praxis nicht betreten. Bitte alles telefonisch abklären.“ Das ist als Warnung gedacht, um mögliche Coronapatienten draußen zu halten. Genauso soll es sein: Wer denkt, Coronasymptome zu haben, sollte zu Hause bleiben und nicht zum Arzt gehen, da die Praxis im Ernstfall sonst später geschlossen werden muss. Die Betroffenen sollten mit ihrem Hausarzt telefonieren.

Wer wird wann behandelt?

Es gibt zwei Kategorien von Betroffenen, die gesondert behandelt werden: Kranke, die recht klare Symptome haben und dazu entweder in einem Corona-Risikogebiet wie China oder Norditalien waren oder nachweislich einen Infizierten getroffen haben. Diese Personen sollen dann von 8 bis 20 Uhr die Hotline des Senats anrufen: 90282828. Dort wird entschieden, ob der Amtsarzt des Gesundheitsamt des Bezirkes die weitere Koordinierung und Behandlungslenkung übernimmt oder ob die Betroffenen zu einer der sechs Coronauntersuchungsstellen an Berliner Kliniken gehen sollen. Die sind aber in der Kritik, weil dort tatsächlich Infizierte auf besorgte Leute treffen, die sich testen lassen wollen. Die könnten infiziert werden.

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Was klärt der Hausarzt am Telefon?

Anders ist es bei Patienten, die keinen Kontakt zu Coronakranken hatten. Diese sollen telefonisch mit ihrem Hausarzt reden. Der muss klären, ob Corona überhaupt in Frage kommt. Wenn ja, würde er die Patienten im Idealfall nach Dienstschluss in der Praxis in Schutzkleidung untersuchen und gegebenenfalls testen. Meist geht es darum, die Patienten zu beruhigen und festzustellen, dass sie nur erkältet sind.

Wie bekomme ich einen Krankenschein?

Wer also keine schwere Grippe hat oder Corona, muss auch nicht in die Praxis, um eine Krankschreibung zu bekommen. Bei leichten Erkältungssymptomen können Sie ihren Hausarzt anrufen, der Ihnen eine Krankschreibung für bis zu sieben Tage ausstellen kann. Das Attest wird per Post zugeschickt oder kann von einem Angehörigen mit einer Vollmacht abgeholt werden. Die Regelung gilt erst einmal bis zum 5. April.

Ist die Bezahlung der Ärzte gesichert?

Telefonische Krankschreibungen sind unüblich, weil die Bezahlung der Ärzte nicht geklärt ist. Nun ist geregelt, dass sie Geld bekommen. Entweder war der Patient im Quartal bereits in der Praxis oder der Arzt nimmt die Daten aus dem System. Oder Angehörige bringen die Karte vorbei. Bei unbekannten Patienten erfragt die Praxis die Daten.

Für wen ist die Telefonnummer 116 117?

Viele Verunsicherte, die nur leicht erkältet sind, rufen die Ärztehotline der Kassenärztlichen Vereinigung 116 117 an. Eigentlich sollen die ihre Hausarzt um Rat bitten. Die 116 117 ist für Erkrankte mit schweren Erkältungssymptomen vorgesehen, die immobil sind – vom gebrochen Bein bis zu Pflegefällen. Wenn die nicht zum Arzt können, wird ein Fahrdienst mit Ärzten in Schutzausrüstung losgeschickt, die die Schwerkranken gegebenenfalls testen.

Wie steht es mit den Karenztagen?

Die Ärzteverbände fordern, dass Arbeitnehmer im Krankheitsfall nicht nur wie bislang üblich drei Tage ohne Krankenschein zu Hause bleiben dürfen, sondern sechs. Eine Entscheidung steht noch aus.

Wer zahlt im Fall einer Quarantäne?

Wer von den Behörden unter Quarantäne gestellt wird, ist nicht krank. Doch die Betroffenen bekommen Bescheinigungen von den Gesundheitsbehörden zur Vorlage beim Arbeitgeber. Der zahlt dann die Bezüge weiter. Die Firma kann sich das Geld anschließend vom Staat zurückerstatten lassen.

Bekommen Selbstständige auch Geld?

Nach Angaben des Verbandes der Gründer und Selbstständigen können auch Freiberufler Geld bekommen. Im Gesetz zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten heißt es, dass sich der erstattete Verdienstausfall nach dem Gewinn aus dem Steuerbescheid des Vorjahres richtet.

Wer wird derzeit getestet?

Nicht jeder Husten ist Corona und kann auch getestet werden. Denn die Labore in Deutschland können täglich nur 12.000 Tests analysieren. Und es gibt noch andere schwere Krankheiten, die analysiert werden müssen. Deshalb werden Coronatests vor allem bei Kranken gemacht, die mit Corona in Berührung kamen oder zu Risikogruppen gehören – zum Beispiel Senioren.

Wie viele Grippefälle gab es in dieser Saison?

Seit Beginn der Grippesaison im vergangenen Oktober wurden bundesweit bis zum Dienstag 145.258 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das Robert-Koch-Institut gemeldet. Es gab 247 Todesfälle – 86 Prozent waren 60 Jahre oder älter. Bis Donnerstag gab es 2369 bestätige Coronafälle und 5 Tote.

Wie schützen wir die Risikogruppen?

Experten sagen, dass es nun, da das Virus bald allgegenwärtig ist, vor allem darum gehen muss, die Risikogruppen vor einer Ansteckung zu schützen. Dazu gehören vor allem Leute, die älter als 65 Jahre sind, weil bei ihnen die Sterblichkeitsrate durch Corona bei bis zu 25 Prozent liegen könnte.

Warum neue Handlungsabläufe lernen?

Ältere Menschen sollen deshalb neue Handlungsabläufe zu Hause üben. Das klingt banal, ist aber nötig, um gewohnte Verhaltensmuster neu zu programmieren. Es geht zum Beispiel um das richtige Händewaschen: Dabei zwei Mal das volle Lied „Happy Birthday“ singen, damit man die Hände lange genug einseift. Sich nicht die Hände geben, sondern den „Ebola-Gruß machen“, also sich nur an den Ellenbogen berühren.

Wie verhalte ich mich in der Öffentlichkeit?

In Bussen und Bahnen sollte Abstand gehalten werden. Lieber eine Bahn später fahren oder laufen oder Radfahren. Keine Türklinken oder Fahrstuhlknöpfe mit den bloßen Fingern anfassen, sondern mit den Ellenbogen. Im Supermarkt keinen Wagen nehmen, weil die Griffe verkeimt sein können. Lieber die Einkäufe in den Beutel legen. Schwer ist es, eine Tür, die nach innen aufgeht, ohne Hände zu öffnen: Mit dem Ellenbogen die Tür ein wenig öffnen, dann einen Fuß in die Lücke schieben und die Tür mit dem Ellenbogen öffnen. Da ist Übung nötig.