Am Donnerstag  wurde mit dem Erika-Heß-Eisstadion das zweite Corona-Impfzentrum Berlins in Betrieb genommen. Vorerst sollen aufgrund der begrenzten Menge des zur Verfügung stehenden Impfstoffes rund 120 Impfungen pro Tag durchgeführt werden.  Foto: imago images

Seit diesem Donnerstag um 9 Uhr fahren am Erika-Heß-Stadion die gelben Taxen vor, kommen im Viertelstundentakt Menschen, die sich ihre erste Impfung gegen das Coronavirus abholen. Am Donnerstag wird noch ausnahmsweise der Biontech-Impfstoff gespritzt, es gab Probleme beim Auftauen der Moderna-Vakzine. Doch ab Freitag gibt es im Eisstadion an der Müllerstraße ausschließlich den Moderna-Impfstoff. Die Einladung zum Impfen löste bei Anneliese Spies aus Pankow, die mit ihrem Mann im Taxi gekommen war, Jubelschreie aus. Sie warte so sehr darauf, dass ihre beiden Enkel wieder zu Besuch kommen können, sagte die 88-Jährige. Als sie den Impftermin bekommen habe, hätten sich auch die Enkel riesig gefreut.

Trotz einiger Schwierigkeiten zog Mario Czaja, der Präsident des Landesverbandes Berliner Rotes Kreuz, zum Start des zweiten Zentrums eine positive Bilanz der bisherigen Impfaktion. „Im Großen und Ganzen läuft es für Berlin sehr, sehr gut“, sagte er. In einigen Fällen erschienen Impflinge nicht zum Termin, zudem bräuchten manche Hochbetagte Hilfe bei den Terminvereinbarungen. Die Teams in den Zentren seien aber gut eingespielt. „Was fehlt, ist zusätzlicher Impfstoff.“

Vorerst sollen aufgrund der begrenzten Menge des zur Verfügung stehenden Impfstoffes rund 120 Impfungen pro Tag im Erika-Heß-Stadion durchgeführt werden. Knapp zehnmal so viele wären möglich. Das Eisstadion wird dafür zunächst zwischen 9 und 14 Uhr im Einschichtbetrieb geöffnet sein. Das Zentrum wird in einer Kooperation des Arbeiter Samariterbundes mit der DLRG betrieben, wie auch ein noch zu eröffnendes Zentrum im Flughafen Tempelhof.

„Es ist ein sehr guter Tag, um heute das zweite Impfzentrum Berlins zu eröffnen“, sagt Sarah Maaß, die Leiterin des neuen Zentrums. Die 200 Mitarbeiter am „Ort der Hoffnung“ seien hochmotiviert. Immer wieder kommen die Helfer mit blauen Shirts über den Parkplatz, sie begleiten die betagten Impflinge ins Innere der Halle.

Anneliese Spies bekommt die lang ersehnte Impfung von Dr. Christopher Rommel im Erika-Heß-Stadion. Foto: dpa

Man hätte hier gern schon früher mit dem Impfen begonnen, sagt der Staatssekretär für Gesundheit, Martin Matz, aber die Knappheit an Impfstoffen begrenze das Angebot. In wenigen Wochen allerdings sollen alle sechs Impfzentren in Betrieb sein, so Matz weiter.

An der Infrastruktur hapert es jedenfalls nicht, glaubt Burkhard Ruppert, der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin. Man sei logistisch gut gerüstet für den Impfstart. „Wir warten händeringend auf mehr Impfstoff, alles andere ist da.“ Über 8500 Ärzte haben sich in Berlin für den Impfdienst gemeldet. Ruppert sieht daher keine Probleme, die Schichten zu besetzen, auch wenn die Anzahl der Impfungen nach und nach steigt.

In der kommenden Woche wird ein weiteres Impfzentrum in der Messe Berlin eröffnen, dieses wird von den Maltesern betrieben. In der Messehalle 21 unterm Berliner Funkturm, wo die Berliner sonst zu dieser Zeit die Grüne Woche besuchen, wurden bei einer Generalprobe am vergangenen Sonntag mit 60 Ehrenamtlichen die Abläufe getestet. Mario Czaja beschreibt die positive Stimmung in den Impfzentren: „Wir merken hier ganz konkret, wir können den Kampf gegen das Virus gewinnen.“

Erste Berliner erhalten zweite Dosis

Ab dem kommenden Montag sind außerdem drei Wochen seit den ersten Impfungen vergangen und die ersten Berliner Impflinge erhalten die notwendige zweite Dosis gegen das Coronavirus. Im Impfzentrum in der Arena in Treptow würden dann mehr als 1000 Impflinge pro Tag erwartet, derzeit seien es 800 bis 900, so Mario Czaja.

Auch wenn der Aufbau und die Inbetriebnahme der Zentren gut funktioniert, weil die Berliner Hilfsdienste reibungslos zusammengearbeitet und an einem Strang gezogen haben, ruckelt es an einigen Stellen noch. Am Dienstag etwa war die Terminvergabe über das senatseigene Terminbuchungssystem Doctolib laut Detlef Cwojdzinski, dem Projektsteuerer aller Impfzentren Berlins, einmal für 30 und einmal für 40 Minuten nicht erreichbar. Auch die Hotline verzeichnet lange Wartezeiten.

In der Gesundheitsverwaltung weiß man um das Problem, man habe einen größeren Ansturm auf die Buchungssysteme, da komme es vereinzelt zu Verzögerungen, so Martin Matz. Im Vergleich zu anderen Bundesländern, die sich auf die Nummer der Kassenärztlichen Vereinigung 116117 zur Terminvergabe beschränkten, habe es in Berlin aber noch keine größeren Schwierigkeiten gegeben.

Ein Mitarbeiter der Hotline sagte, die Gespräche mit den Menschen, die einen Impftermin haben wollen, dauerten bis zu 15 Minuten pro Anrufer. „Es müssen Daten aufgenommen werden, dazu kommt, dass viele Anrufer noch Fragen zur Impfung haben oder wie sie zum Impfzentrum kommen“, sagt der Mitarbeiter. „Das dauert und führt am Ende für die Nachfolgenden zu langen Wartezeiten in der Leitung.“

Eine Helferin steht inmitten der Impfkabinen im neuen Impfzentrum. DLRG und ASB betreiben das Zentrum.  Foto: dpa

Matz rät Menschen, die über die Hotline einen Termin vereinbaren wollen, daher, auch zu den Randzeiten anzurufen. Über den Vormittag seien die Telefonleitungen öfter ausgelastet. Man sei aber zufrieden, dass täglich eine fünfstellige Anzahl von Terminvereinbarungen abgearbeitet werde. Diejenigen über 80-Jährigen, die bisher noch keine Einladung zum Impfen bekommen haben, bittet der Staatssekretär um Geduld. Die Einladungen werden nach Verfügbarkeit des Impfstoffs versandt. Im Moment werden Briefe für Menschen im Alter von 80 bis 84 Jahren vorbereitet.

Noch läuft die Terminvergabe auf einem niedrigen Gesamtniveau, nur kleine Bevölkerungsgruppen werden eingeladen. Man bereite aber parallel eine Ausweitung der Callcenter-Kapazitäten vor, von Woche zu Woche steige die Zahl derer, die Terminwünsche am Telefon entgegennehmen. Auch geht die Senatsverwaltung, die zuständig für das Terminmanagement ist, davon aus, dass jüngere Impflinge zunehmend auch die Online-Buchung nutzen werden, was zusätzlich Druck von der Hotline nehme.

Für die Menschen, die am Donnerstag zum Impfzentrum im Erika-Heß-Stadion kommen, ist es komfortabel, dass noch nicht unter Volllast gearbeitet wird. So bekommen sie einen umfassenden Service und werden durch den kompletten Prozess begleitet, wenn sie dies wünschen. Detlef Cwojdzinski freut sich über die große Zahl der Dankesbriefe von Menschen, die sich bisher gut betreut fühlten. „Das gibt uns die Kraft, hier weiterzumachen und Berlin zu helfen.“

Zehn Prozent nehmen Termin zur Impfung nicht wahr

Dass Menschen ihren Termin nicht wahrnehmen, kommt in Einzelfällen vor. Inzwischen werde aber alles an Impfstoff auch verimpft, sagt Mario Czaja. Wenn Leute nicht zum Termin kommen und abends Impfstoff übrig ist, wird er an Mitarbeiter, Polizisten, Feuerwehrleute oder Mitarbeiter von Hilfsdiensten gegeben, die gerade vor Ort zu tun haben. „In der vergangenen Woche sind bis zu zehn Prozent der angekündigten Menschen zum Impfen nicht erschienen“, sagt der Berliner DRK-Präsident. Der Senat hat die Einladungen dementsprechend angepasst.

Wenn denn genug Impfstoff vorhanden wäre, könnten laut Czaja täglich rund 22.500 Impfungen in den sechs Zentren verabreicht werden. Je 3000 am Tag in jedem Impfzentrum, wobei das in der Arena Treptow auf 5000 hochgefahren werden kann – macht zusammen 20.000. Den Rest bringen die Impfungen durch mobile Teams in den Heimen.

Dabei wird es pro Impfzentrum idealerweise immer nur einen Impfstoff geben: Bei der Aufbereitung gäbe es sonst ein Durcheinander. Ein Problem bei der Handhabung der Impfstoffe sei, dass sie in Fläschchen geliefert würden, was in Europa unüblich sei. Hier seien die Ärzte gewöhnt, dass die Impfdosen bereits in Spritzen aufgezogen sind und nicht erst aus den Durchstechfläschchen gezogen werden müssen. Während ein Fläschchen Biontech/Pfizer-Impfstoff mittlerweile sechs Dosen liefert, sind es bei Moderna zehn.

Rettungsdienst der Feuerwehr wird geimpft

Berlin wird bis einschließlich der siebten Kalenderwoche 234.000 Dosen des Biontech/ Pfizer-Impfstoffs erhalten haben, davon können allerdings mehr Menschen geimpft werden, weil inzwischen sechs statt bisher fünf Dosen aus einer Ampulle gezogen werden können. Für den Moderna-Impfstoff rechnet Berlin bis einschließlich der achten Kalenderwoche mit 45.600 Dosen.

Weitere Impfzentren sollen im Hangar 4 auf dem früheren Flughafen Tempelhof, im Velodrom an der Landsberger Allee und im Terminal C auf dem früheren Flughafen Tegel öffnen. Wann sie den Betrieb aufnehmen, ist noch nicht bekannt. Bisher hat es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) mehr als 35.000 Impfungen in Berlin gegeben. Bei der Zahl der Geimpften sei Berlin noch über Bundesdurchschnitt, heißt es von der Gesundheitsverwaltung. Diese Woche etwa kämen noch einmal 5000 Impfungen beim Krankenhauspersonal hinzu. Auch bei den Einsatzkräften der Berliner Feuerwehr im Rettungsdienst wird seit Mittwoch geimpft. Täglich erhalten die Rettungskräfte etwa 60 Dosen Impfstoff. Insgesamt gibt es fünf Impfstandorte auf Dienststellen, viele der Termine dort sind bereits ausgebucht.