Ben Wagin Ende Mai 2021 in seinem Atelier. Jetzt ist er gestorben. Sabine Gudath

Der Berliner Aktionskünstler Ben Wagin ist tot. Der kleine Mann, der jede und jeden ohne Umschweife duzte,  starb am Mittwoch im Alter von 91 Jahren, wie sein Baumpatenverein und ein Sprecher von Kulturstaatsministerin Monika Grütters mitteilten. Bekannt wurde Wagin für seine Installation „Parlament der Bäume“, die im Regierungsviertel an die Opfer der Berliner Mauer erinnert und zum Frieden mahnen soll. 

05.06.2021, Berlin - Deutschland. Das Parlament der Bäume im Regierungsviertel von Ben Wagin. Sabine Gudath

„Der Tod meines Freundes Ben Wagin macht mich sehr traurig“, teilte die CDU-Politikerin Grütters mit. Wagin sei „der größte und beste Baumpate“ und ein wunderbares Vorbild für den Schutz von Natur und Umwelt gewesen. Viele seiner Aktionen seien nicht nur ein Aufruf zum rücksichtsvollen Umgang mit der Natur (er soll im Lauf seines Lebens 50.000 Bäume gepflanzt haben), „sondern ebenso Appelle für Frieden und Versöhnung“.

Lange setzte sich Ben Wagin mit der deutschen Teilung auseinander

Im Frühjahr ließ sich Wagin noch beim Pflanzen eines Silberahorns fotografieren, mit Erde in den Händen. Der Künstler, der 1930 in Jastrow im damaligen Westpreußen und heutigen Polen geboren wurde, lebte seit 1957 in Berlin, studierte an der Hochschule der Künste. Er setzte sich über Jahrzehnte mit der Natur und auch mit der deutschen Teilung auseinander. 1990 entstand das „Parlament der Bäume“. Auf Granitplatten sind dort die Namen von Opfern des DDR-Grenzregimes eingraviert.

Bei seinen Projekten bewies er große Ausdauer. Es sei allein Wagins „grenzenloser Beharrlichkeit, seiner störrischen Radikalität wie auch seiner großen Emotionalität“ zu verdanken, dass das „Parlament der Bäume“ gegen alle politischen und marktwirtschaftlichen Begehrlichkeiten erhalten geblieben sei, teilte der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, mit.

31.05.2021, Berlin - Deutschland. Ben Wagin (92) hat für die Mauer am S-Bahnhof Savignyplatz ein neues Werk entworfen, es heißt Welt Baum Trias.

„Enervierende Telefonate und zunächst rätselhaft erscheinende, doch immer tiefgründige Aussagen waren dabei die Mittel seiner Wahl“, schrieb Klausmeier. „Ben, der Schrecken jeder Verwaltung und Feind institutionellen Denkens, war ein sanftmütiger Menschenfänger, der Menschen für sich und seine Anliegen durch seinen natürlichen Charme und seine mitunter schroffe Herzlichkeit gewann.“

Zuletzt allerdings hatte er sich aufgeregt: Sein „Weltenbaum II“ am S-Bahnhof Savignyplatz soll verschwinden, weil die Hausmauer, an der er prangt, Dämmputz bekommen soll. Schon der „Weltenbaum I“ auf einer Brandmauer am S-Bahnhof Tiergarten ist weg, weil ein Haus davorgebaut wurde. Er arbeitete daran, einen dritten Weltbaum „Welt Baum Trias“ zu schaffen und träumte davon, ihn dann mit Kopien der beiden ersten Bäume an die frisch verputzte Wand zu hängen. Vorbei.

Die Zukunft des „Parlament der Bäume“ ist gesichert

Die Zukunft des „Parlaments“ sei institutionell gesichert, teilte die Stiftung mit. Doch gelte es nun mit ebenso großen Anstrengungen, die weiteren Lebens- und Handlungsorte Wagins langfristig zu sichern - den Garten am Anhalter Bahnhof wie auch sein Atelier.

Wagin bastelte auch mal eine Installation aus Aktenordnern - und zeigte damit die Mauer als bürokratisches Monstrum. Oder er säte Sonnenblumen aus. Mit seinem Baumpatenverein setzte er sich für eine neue Auseinandersetzung mit der Natur ein. „Ben Wagin ist gestorben, wie er gelebt hat: munter, mutig, heiter“, schrieb der Verein in einer Mitteilung. „Mit sich, dem Leben und dem Tod im Reinen, denn alles bleibt im Kreislauf - so auch Ben.“