Thomas Pollack in einem von ihm restaurierten Treppenhaus in Berlin-Friedenau. Gerd Engelsmann

Ein Hausflur ist die Visitenkarte eines Hauses. In Berlin gibt es davon solche und solche. Edle Entrees und schmuddelige Durchgänge. Restaurator Thomas Pollack kennt beides, seine Leidenschaft aber gilt eindeutig den ersten. Thomas Pollack lässt historische Berliner Treppenhäuser wieder in ihrem alten Glanz strahlen. „Ich will mich dabei nicht selbst verwirklichen, das ist Ziel ist es, die Originalbemalung zur Zeit der Erbauung wieder herzustellen“, sagt Pollack. 

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Dabei ist Pollack oft in Berliner Kiezen unterwegs, wo es prächtige Häuser gibt. Im Friedenauer Wagnerviertel etwa, mit seinen Jugendstil- oder Gründerzeitbauten, wo er anlässlich des Tages des offenen Denkmals an diesem Wochenende auch zu einem seiner Werke in der Isoldestraße führt. 

Ein Jahr lang arbeitet Thomas Pollack an so einem edlen Treppenhaus.  Gerd Engelsmann

Restaurator stellt Originalbemalung wieder her  

Charlottenburg, Steglitz, Schöneberg und Kreuzberg – Pollack ist ein Enthusiast, was seine Arbeit angeht, einer der sich in den Schwung einer Jugendstilblüte versenken kann, einer der akribisch auf Spurensuche geht, wenn er mit dem Skalpell die Farbschichten freilegt.

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Erst nach einer sorgfältigen Analyse greift er zu Pinsel und Farben. Ein Jahr etwa braucht der Restaurator dann vom Keller bis zum Dachboden. Dann ranken sich die Ornamente, Blattgold und Malereien an den Wänden. „Ich habe großen Respekt vor der Handwerkskunst von damals“, sagt Pollack. Es heute mindestens genau so gut zu machen, sei die Herausforderung. Dass seine Arbeit ihn überdauern wird, ist ein gutes Gefühl. 

So schöne Motive lassen sich in Berliner Treppenhäusern finden.  Gerd Engelsmann 

Manchmal steht Pollack bis spät am Abend auf einem Gerüst, arbeitet stundenlang konzentriert über Kopf. „Es treibt mich manchmal regelrecht hin zur Arbeit, dann will ich unbedingt weiter malen.“ Thomas Pollack ist ein Besessener im besten Sinne. Das spüren wohl auch seine Auftraggeber. Meist sind das Eigentümergemeinschaften, seltener große Wohnungsbaugesellschaften.

Immer erst die Wände begutachten 

Dass man bei einer Arbeit wie  die Bewohner eines Hauses ziemlich gut kennenlernt, liegt auf der Hand. Aber so gut wie in der Dickhardtstraße, das ist dann doch die Ausnahme. Während der monatelangen Arbeit an den Wänden lernte Thomas Pollack  seine zukünftigen Schwiegereltern kennen. Mit ihrer Tochter hat er mittlerweile zwei Kinder. 

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In Kreuzberg malte er im Haus eines fast 100-Jährigen. Ein Geschenk an die bereits verstorbene Frau, die in dem Haus gewohnt hatte. Girlanden, Marmorimitat, täuschend echt gemalte Holzvertäfelung, Blattgold und Stuck sind Pollacks täglich Brot. Ja, es sei schon eine Berufskrankheit, wenn er in jedem Treppenhaus, welches er betrete, zuerst nach den Wänden schaue. „Man sieht unter der Farbe deutlich die alten Malereien. Leute, die jeden Tag da vorbei kommen, haben manchmal noch nie etwas davon entdeckt“, sagt Pollack.

Thomas Pollacks Laden in Köpenick. Hier im Atelier hat er Holzplatten mit seinen Motiven aus der ganzen Stadt bemalt.  Thomas Pollack

Ausstellung in Friedenau zum Tag des offenen Denkmals 

In den vergangenen Wochen hat der 52-Jährige sich die Nächte in seinem Köpenicker Atelier um die Ohren geschlagen. Ausschnitte aus seinen Arbeiten der letzten fünfzehn Jahre hat er nochmals auf Holzplatten gemalt. Sie sind nun in einer Ausstellung zu bewundern.

Im Kammermusiksaal Friedenau kann man jeweils am Donnerstag vom 16.9. bis 30.9. von 13–15 Uhr und 19 –21:30 Uhr sowie zum Tag des offenen Denkmals am 11./12.9. von 13–18 Uhr die Restauratorenkunst ansehen. Am Wochenende gibt es zudem im Wohnhaus Isoldestr. 2, Führungen um 10 und 12 Uhr. Um Anmeldung wird gebeten: info@malerei-und-denkmalpflege-pollack.de, oder 0170 5426414

Foto: BIM/Felix Oberhage
Tag des offenen Denkmals in Berlin 

Am 12. September findet der Tag des offenen Denkmals 2021 statt. Seit 2009 wird dieser Tag bundesweit koordiniert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Rund 8.000 Denkmäler werden geöffnet, die der Öffentlichkeit sonst meist nicht zur Besichtigung offenstehen. Und das jedes Jahr unter einem anderen Motto - 2021 heißt dies: „Sein & Schein - in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege.“ In Berlin gibt es mehr als 330 Angebote: Führungen am Flughafen Tegel, im Kino International. Das Stadtbad Lichtenberg (Foto) öffnet. „Überall spüren wir die übergroße Freude, dass wir nach den langen Monaten des Lockdowns endlich wieder ausgehen und – mit Vorsicht und Abstand – Berlin genießen können“, wird So Klaus Lederer im Programmheft. Informationen finden sie unter www.berlin.de/landesdenkmalamt/veranstaltungen/tag-des-offenen-denkmals/2021/