Die Betreuung eines beatmeten Covid-19-Patienten ist wegen des hohen Personaleinsatzes teuer.
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Die Corona-Pandemie bringt viel Elend für die Menschen, die wegen einer Covid-19-Erkrankung häufig für lange Zeit ins Krankenhaus müssen. Das zeigen einige Zahlen der AOK Nordost, die der KURIER bei der Krankenkasse exemplarisch erfragt hatte. Sie zeigen auch, dass die Behandlung der Krankheit für die Versichertengemeinschaft teuer ist.

Nach den Zahlen mussten AOK-Versicherte, die in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit der Lungenkrankheit stationär behandelt wurden, in Fällen ohne Beatmung durchschnittlich 11,4 Tage in einer Klinik bleiben. Im Schnitt kostete das pro Fall fast 5600 Euro.

Die längste Behandlung eines AOK-Versicherten ohne Beatmung dauerte 103 Tage, dafür rechnete das Krankenhaus bei der Kasse knapp 53.000 Euro ab.

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Mussten die Patienten beatmet werden, blieben sie im Schnitt 25,1 Tage im Krankenhaus, die Beatmung war dabei durchschnittlich 340 Stunden lang (etwas mehr als 14 Tage). Dabei fielen bei der AOK Nordost Kosten von etwas über 44.300 Euro pro Fall an.

Die höchsten Kosten verzeichnete die AOK Nordost bei einem Patienten, der bei einer 130 Tage andauernden Behandlung über 93 Tage lang beatmet wurde. Das kostete fast 257.900 Euro.

Die Sätze, die den Krankenhäusern erstattet werden, sind bei allen gesetzlichen Krankenkassen gleich. Es kann jedoch zu Unterschieden kommen, wenn die Versicherten einer Kasse beispielsweise  im Schnitt älter und damit anfälliger sind.

Die Zahl der Berliner, die bislang mit Covid-19 stationär behandelt wurden beziehungsweise werden, strebt mit 2734 auf die 3000 zu. Bis zum Sonntag wurden 295 Berliner Todesfälle erfasst, einer mehr als am Sonnabend. Insgesamt starben bislang 395 Corona-Kranke in Berliner Krankenhäusern, als auch diejenigen, die nicht in Berlin wohnten, aber hier behandelt wurden.

Am Sonntag lagen in Berlin 249 Menschen mit Covid-19 auf einer Intensivstation, von denen 217 beatmet werden mussten.

Von 1242 Intensivbetten, in denen neben Covid-19-Patienten auch Menschen  beispielsweise nach Operationen oder Herzinfarkten behandelt werden, wurden am Sonntag 196 im DIVI-Intensivregister als frei gemeldet. Jedes fünfte Intensivbett war mit einem Covid-19-Patienten belegt, was bei der Corona-Ampel des Senats „gelb“ bedeutet.

Die Zahl der Infektionen stieg von Sonnabend zu Sonntag um 241 auf 39.620. Aus Neukölln, Mitte, Pankow, Reinickendorf, Lichtenberg und Treptow-Köpenick wurden allerdings keine Neuinfektionen gemeldet - die Zahl dürfte also deutlich höher sein.

In den vergangenen sieben Tagen gab es 188,2 Ansteckungen pro 100.000 Einwohner - hier steht die Ampel auf „Rot“. „Grün“ ist noch die R-Wert-Ampel: Binnen vier Tagen steckten 100 Infizierte 107 Menschen an.

446 Intensivbetten in Reserve

Binnen sieben Tagen kann Berlin eine Notfallreserve von 446 Intensivbetten in Betrieb nehmen, meldete das deutschlandweite DIVI-Intensivregister. Die Senatsverwaltung für Gesundheit ist nach einem „Stresstest“, den sie mit der Berliner Krankenhausgesellschaft durchgeführt hatte, allerdings überzeugt, dass man es binnen 24 Stunden schaffen könne.

Seit Sonnabend müssen die Berliner Kliniken 25 Prozent ihrer Intensivbetten für Covid-19-Kranke freihalten. Das bedeutet, dass eine Reihe von planbaren Operationen nicht mehr durchgeführt werden kann. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD), gegenwärtig in Quarantäne, fordert deshalb vom Bund, die Ende September ausgelaufenen „Freihaltepauschalen“ wieder einzuführen, um den Ausfall von Einnahmen wettzumachen.

Außerdem hat sie als Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz einen Beschlussentwurf vorgelegt. Danach soll der Bund die Personaluntergrenzen auszusetzen, unterhalb derer eine Intensivstation nicht mehr betrieben werden darf.