Alles einsteigen zum Wandlitz- und zum Liepnitzsee. Oder in die Schorfheide zum Pilzesammeln. Die Simulation zeigt, wie der neue Bahnhof in Wilhelmsruh einmal aussehen soll. Nebenan befindet sich der S-Bahnhof an der Linie S1, den es heute schon gibt. Visualisierung: Niederbarnimer Eisenbahn AG

Manche Dinge dauern in Berlin und Brandenburg etwas länger. Bei der Schließung dieser Lücke, die der Mauerbau 1961 ins Verkehrsnetz gerissen hat, ließen sich die Länder besonders lange Zeit. Doch nun geht es los: Die traditionsreiche Heidekrautbahn im Bezirk Pankow wird wieder aufgebaut.

Am Freitag wurde bei klirrender Kälte neben dem S-Bahnhof Wilhelmsruh der erste Spatenstich gefeiert, wegen Corona in sehr kleinem Kreis. In dem neuen Haltepunkt, der dort entsteht, sollen in drei Jahren erstmals Züge abfahren – mit Tempo 80 nach Schildow, Basdorf, Wandlitz und Groß Schönebeck in der Schorfheide. Eine Bahn für Ausflügler und Pendler.

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Alexander Kaczmarek versuchte, die fröstelnde Runde aufzuheitern. „Als ich noch ein hoffnungsfroher Nachwuchsabgeordneter der CDU war, haben wir es mit der SPD 1996 geschafft, einen Antrag zur Reaktivierung der Strecke im Abgeordnetenhaus durchzubringen. Und schon 24 Jahre später feiern wir den ersten Spatenstich“, scherzte der heutige Bahn-Manager. Dies sei eine „lange Geschichte“.

In der Tat. Immerhin sechs Jahrzehnte lang, von 1901 bis 1961, konnte man von Wilhelmsruh ins Umland reisen. Die Berliner starteten dort in die Schorfheide – deshalb Heidekrautbahn. Brandenburger fuhren zur Arbeit oder zum Einkauf. Doch fast genauso lange, 59 Jahre lang, ist der Bahnhof schon aus den Plänen verschwunden. Weil er im DDR-Grenzgebiet lag, wurde er abgetragen. Seit langem fahren die Züge in Karow ab.

Länder-Pingpong bremste Initiativen, die Strecke nach dem Mauerfall 1989 wieder aufzubauen, immer wieder aus. Mal wollte Brandenburg nicht, dann sperrte sich Berlin. Seit 1998 ist Detlef Bröcker Chef der Niederbarnimer Eisenbahn, der die Heidekrautbahn gehört. Er hat erreicht, dass eine Folge der Teilung endlich beseitigt wird.

Inzwischen liegt die Stammstrecke länger still als die DDR existierte. Am 31. Dezember wäre der Planfeststellungsbeschluss für den ersten Abschnitt nach zehn Jahren ungültig geworden. Wenigstens diese Peinlichkeit bleibt den Bürgern jetzt erspart.

Erst werden aber nur 600 Meter gebaut. Das Genehmigungsverfahren für den 13 Kilometer langen „Rest“ soll 2021 starten. Baukosten: mehr als 30 Millionen Euro. Spätestens 2030 sollen die Wasserstoffzüge in Gesundbrunnen beginnen und enden.

Anwohner, die um ihre Ruhe und um Wegeverbindungen fürchten, waren bei der Feier auch da. Auf einem Transparent stand: „Wir wollen unsere Querungen.“