Martin A. Völker ist der Direktor des Disgusting Food Museum Berlin. Hier werden unter anderem Fledermäuse, Bullen-Penisse und Kot-Kaffee (v. l. n. r.) gezeigt. Sabine Gudath

In Berlin gibt’s längst nicht mehr nur Museen, in denen Gemälde zu sehen sind – in der Hauptstadt bekommt jedes Fachgebiet seine Ausstellung. Nun auch der Ekel! In Mitte öffnete jetzt das „Disgusting Food Museum“, eine Schau für widerliches Essen aus der ganzen Welt. Aber: Was ist eigentlich ekelhaft? Auch darüber sollen die Besucher zwischen Bullen-Penis, Maden-Käse und Stinke-Fisch nachdenken.

Die Eintrittskarte zu dieser Ausstellung ist eine Kotztüte

Zur Eintrittskarte gibt’s eine Kotztüte – und nach dem Rundgang können die Besucher an der Bar Milben-Käse, Stinke-Fisch und Insekten naschen. Willkommen im „Disgusting Food Museum“, der widerlichsten Schau Berlins! Ekel-Essen in einer Ausstellung? Ursprünglich kommt das Konzept aus Schweden. „Wir haben es für den deutschsprachigen Raum übernommen“, sagt Museumsdirektor Martin A. Völker.

Im Osten Afrikas feuchtet man Teller an und schwenkt sie durch Mückenschwärme. Die Mücken bleiben kleben, werden zu einem Kuchen zerdrückt. Sabine Gudath

Die Idee: „Wir leben in einer Welt, in der jeder auf sein Image achtet. Jeder will alles unter Kontrolle haben. Aber den Ekel kann man nicht ausschalten“, sagt Völker. „Wenn man sich ekelt, reagiert der Körper – und das ist ein spannendes Phänomen.“ Jeder Mensch habe, was das Essen betrifft, zudem eine eingeschränkte Lebensmittelauswahl. Wichtig sei es aber, offen zu sein für andere Kulturen und Geschmäcker. „Wir sind also nicht nur ein Museum, in dem wir den Leuten eine Ekel-Show bieten wollen. Sondern auch ein Lernort.“

In Sardinien werden Ziegen-Babys die Mägen samt Inhalt entfernt – daraus wird Ziegenkäse gemacht. Sabine Gudath

Mit ziemlich merkwürdigen Exponaten: Auf klinisch sauberen Metalltischen werden auf Tellern Speisen aus aller Welt präsentiert – vom Bullen-Penis bis zur Schweinenase. Manches verbirgt sich unter Glaskuppeln, schon des Geruches wegen. Etwa der „Carsu Mazu“ – ein sizilianischer Maden-Käse. Ein Laib Pecorino wird aufgeschnitten. Käsefliegen legen ihre Eier ab, der Kot der Maden wird zum Bestandteil des Käses. In der Vitrine wimmeln im Käselaib die Maden. Hmmm!

In solchem Maden-Käse sorgt der Kot von Maden für die richtige Würze. Sabine Gudath

Auch der auf einem Teller drapierte Bullen-Penis ist echt, genau wie die Hoden, die daneben serviert werden. „Wir arbeiten bei vielen Exponaten mit Nachbildungen, weil wir nicht zu viel wegwerfen wollen“, sagt er. „Aber andere Dinge sind echt, werden über Nacht in die Kühlung gegeben und regelmäßig ausgetauscht.“ Wichtig sind echte Exponate auch, weil sie zum Diskutieren anregen sollen, etwa am „Stinkekäse-Altar“. Hier stehen fünf Sorten extrem duftender Käse – die einen schüttelt’s, die anderen finden’s würzig. Weniger streitbar ist hingegen der fermentierte Fisch Hákarl, der riecht wie das Männerklo auf einem Festival. Klingt alles sehr schauderhaft, ist aber hochspannend – trotz Ekel gibt’s hier viel zu lernen!

Solche Bullen-Hoden werden unter anderem in China serviert. Sabine Gudath

Fast alles, was in der Ausstellung zu sehen ist, hat Völker probiert, sagt er. Vom Reiswein mit eingelegten Baby-Mäusen bis zum Schnaps, hergestellt aus Tier-Penissen. Sein Favorit ist ein Ziegenkäse, der „Su Callu“ aus Sardinien. „Ich würde sagen, es ist eine der besten Ziegenkäse-Sorten der Welt“, sagt er. „Der Geschmack ist herausragend – aber die Geschichte ist extrem.“ Falls Sie keinen robusten Magen haben, lesen Sie deshalb besser nicht weiter.

Lesen Sie dazu auch: Jetzt kommt Hitlers Alligator in Moskau ins Museum >>

Für alle anderen: Eine Baby-Ziege, die zum ersten Mal vom Muttertier Milch getrunken hat, wird geschlachtet – Minuten nach der Geburt. Der Magen wird entnommen, mit Salz eingerieben und zum Trocknen aufgehängt. Zum Essen wird die Magenwand aufgeschnitten und der Käse entnommen. Guten Appetit! 

Das Museum in der Schützenstraße 70 ist von Dienstag bis Freitag 11 bis 19 Uhr geöffnet. Eintritt: 12/7 Euro. Infos: disgustingfoodmuseum.berlin