Ein Licht anzünden, durchatmen, Freunde und Eltern anrufen. Dann Pizza bestellen.   Foto: Anita Arneitz/dpa

Der November ist ja schon immer ein Monat zum abgewöhnen gewesen. Nasskalt, frühdunkel, nichtmehrgolden und noch kein Weihnachtsglitzer in Sicht. Wann, wenn nicht jetzt ist ein guter Zeitpunkt für Einkuscheln, Couch und Zuhause-Projekte. Andere können es ruhig Lockdown nennen. Besser kommt man wahrscheinlich durch die nächsten Wochen, wenn man es als geschenkte Zeit betrachtet. Zeit für: Serien-Marathons auf dem Sofa. Plätzchen backen zu Halloween, Sankt Martin, und generell als Vorrat für den Advent.

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Zeit für ausgedehnte Spaziergänge und ein Abendessen zu Hause. Gekocht vom Lieblingsitaliener, abgeholt und serviert auf heimischem Porzellan. Zeit, dem stressigen Vorweihnachtstrubel nun wohlüberlegt eine Online-Shoppingtour entgegenzusetzen. Wer gut ist, kauft den einen oder anderen Theater – oder Kinogutschein vom Lichtspielhaus um die Ecke. Wer noch besser ist, spendet an liebgewonnene Einrichtungen, auf dass sie den Winter überleben.

Zeit, abends einen Brief zu schreiben, ein Buch zu lesen, in der Badewanne zu telefonieren, das Fotobuch endlich fertig zu machen, das Bücherregal auszumisten, den Keller aufzuräumen, Geschenke zu basteln.

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Immer wieder fordern ein gebrochenes Bein, eine schwere Erkrankung, ein persönlicher Verlust oder Erschöpfung Menschen zu ihren ganz eigenen, individuellen, temporären Rückzügen. Jetzt sind wir alle gemeinsam in der selben Situation: Einigeln, Winterschlaf, Anhalten und Auftanken sind angesagt. Corona verordnet den Deutschen ein weiteres Mal so etwas wie stille Tage im Kloster oder ein gemeinschaftliches Meditations-Retreat. Ach, danach haben wir uns doch schon länger gesehnt.