Alles so wie früher? Wenn beim Einkaufen keine Maske mehr getragen werden muss, bedeutet das für viele Menschen eine Erleichterung. Aber leider stellt das auch eine große Gefahr da. imago images/Chris Emil Janßen

Es ist ein gewagter Vorstoß, den Niedersachsen wagen will. Die Landesregierung dort will die Maskenpflicht im Einzelhandel in Regionen mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 aufheben, wie aus einem Entwurf für eine kurzfristige Lockerung der Corona-Regeln hervorgeht. Was für viele Menschen eine Erleichterung wäre, ist aus Sicht von Infektions-Spezialisten nicht zu verantworten. Wie geht es also weiter? Und wie reagiert Berlin auf den Vorstoß?

In Niedersachsen können die Menschen darauf hoffen, dass sie nach Pfingsten ohne Maske einkaufen gehen dürfen. In der Debatte über weitreichende Corona-Lockerungen angesichts sinkender Infektionszahlen begrüßt der Handel in Niedersachsen „alles, was den Zugang zu den Geschäften erleichtert“. Das sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Niedersachsen-Bremen, Mark Alexander Krack, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

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Einkaufen ohne Maske ist eine Gefahr bei der Bewältigung der Corona-Pandemie

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hingegen warnt vor einer Gefahr bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. Ein solcher Schritt sei denkbar, wenn der Anteil der vollständig geimpften Menschen in Niedersachsen 80 Prozent erreiche – oder alle Impfwilligen sich hätten impfen lassen können, sagte Hans Martin Wollenberg, der Vorsitzende des niedersächsischen Landesverbandes des Marburger Bundes. Derzeit seien landesweit aber erst rund elf Prozent der Menschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft.

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Auch andere Bundesländer finden den Vorstoß eher befremdlich. Die baden-württembergische Landesregierung hält nichts von einer Lockerung der Maskenpflicht zum aktuellen Zeitpunkt. „Die Maskenpflicht im Einzelhandel und in anderen kontaktreichen Kontexten ist und bleibt ein einfaches, aber sehr effektives Mittel, um Öffnungsschritte abzusichern“, teilte eine Sprecherin der dpa am Freitag mit. „Es gibt Grund zur Zuversicht, aber noch sind die Impfquoten zu gering und die Infektionszahlen zu hoch.“ Schrittweise, umsichtige Lockerungen seien richtig, aber die grundlegenden Schutzmaßnahmen blieben vorerst ein zentraler Bestandteil.

Einkaufen ohne Maske in Berlin derzeit undenkbar

Auch in Berlin ist Einkaufen ohne Maskenpflicht noch nicht absehbar. Eine Sprecherin des Senats teilte am Freitagmorgen auf Anfrage mit, für Berlin sei eine solche Regelung nicht geplant. In Berlin lag die Inzidenz am Freitag bei 60,4. Erste Lockerungen der Corona-Maßnahmen gibt es in der Hauptstadt ebenfalls. Seit Mittwoch gelten die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen nicht mehr, Museen und Ausstellungen dürfen wieder öffnen. Seit Freitag können Gaststätten zumindest im Freien wieder Gäste bewirten. Weitere Lockerungsschritte sollen möglicherweise im Juni folgen.