„Wegen Pandemie vorübergehend geschlossen“, so steht es bereits an der Ladentür eines Berliner Geschäftes. Foto: imago images/Seeliger

Knapp eine Woche vor Heiligabend wird in Deutschland wegen der gestiegenen Corona-Neuinfektionen das öffentliche Leben drastisch heruntergefahren. Die Auswirkungen des harten Lockdowns sind besonders im Einzelhandel spürbar. Mitten in der Hochphase des Weihnachtsgeschäftes müssen auch in Berlin mit Ausnahmen von Supermärkten und Läden des täglichen Bedarfs die meisten Geschäfte bis voraussichtlich 10. Januar 2021 schließen. Ausnahmen gelten nur für wenige Einzelhandelsbereiche.

Einen Tag vor den harten Einschränkungen nutzten Berliner noch einmal die letzte Möglichkeit, in Shoppingzentren und Baumärkten einzukaufen oder zum Friseur zu gehen. Die Verkehrsleitzentrale meldete am Dienstag bereits um die Mittagszeit erhöhtes Verkehrsaufkommen und Staus in der Nähe von großen Einkaufsstraßen und Centern in den Außenbezirken und der Innenstadt. Dazu kommt, dass so manche Kunden darüber verunsichert sind, welche Geschäfte nun in den kommenden Wochen geöffnet haben und welche nicht.

Letzte Gelegenheit zum großen Weihnachts- Shoppen. Einen Tag vor dem Lockdown warten Menschen in einer langen Schlange vor einem Bekleidungsgeschäft auf dem Kurfürstendamm. Foto: dpa

Dies ist in der aktuellen Infektionsschutzverordnung geregelt, die der Senat beschlossen und am Montag veröffentlicht hatte. Damit dürfen Lebensmittelgeschäfte, Getränkehändler, Apotheken, Drogerien, Buch- und Schreibwarenläden, Tabak- und Zeitschriften-Shops, Tierbedarfsläden, Optiker und Hörgeräteakustiker in Berlin weiter öffnen. Poststellen sowie Filialen von Banken und Sparkassen sind ebenfalls im Lockdown weiter für die Kunden offen. Das gilt auch für Tankstellen, Fahrrad- und Autowerkstätten. Sogar Wochenmärkte dürfen stattfinden, wenn dort nur Lebensmittel und keine Antiquitäten oder Gebrauchtwaren angeboten werden.

Die Sparkassen-Filialen bleiben in Berlin weiter offen. Foto: imago images/Contini

Damit ergibt sich, welche Händler und Dienstleister ihre Geschäfte in Berlin bis zum 10. Januar schließen müssen. Dazu zählen Elektronikmärkte, Mode-, Schuh- und Sportartikelläden, Möbelhäuser, Spielzeugläden, Kosmetik- und Friseursalons, Massage- und Tätowierstudios. Außerdem wird der Verkauf von Alkohol im Freien ab Mittwoch verboten. Wie berichtet ist auch der Verkauf von Silvesterfeuerwerk bundesweit untersagt.

Die Schließung trifft viele der betroffenen Händler hart. Denn das für sie so wichtige Weihnachtsgeschäft geht ihnen jetzt verloren. Nach einer Prognose des Handelsverbandes Deutschland (HDE) werden ihnen bundesweit etwa sechs Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr an Umsätzen fehlen. „Die sonst so umsatzstarke Phase zum Jahresende wird nun für viele Händler zum Fiasko“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Elektronik- oder Baumärkte, die ebenfalls schließen müssen, können ihre Ware noch im Internet verkaufen. Gleiches gilt für die Kaufhäuser. Experten rechnen damit, dass durch den harten Lockdown der Online-Handel seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr um fast ein Drittel auf knapp 20 Milliarden Euro steigern wird. „Am Ende des Lockdowns werden wir dann sehen, wie viele kleinere Händler tatsächlich ihre Kundschaft an die Internethändler verloren haben“, sagte Berlins und Brandenburgs Einzelhandelsverbandsgeschäftsführer Nils Busch-Petersen dem KURIER. „Trotz aller Schwierigkeiten ist es unser Ziel, auch optisch zu zeigen, dass der Einzelhandel in der Corona-Krise zu den getroffenen strengeren Maßnahmen steht. Daher muss es Läden geben, die geschlossen werden.“

Blumenläden müssen im Lockdown schließen. Allerdings können Kunden Ware weiter bestellen, sie sich liefern lassen oder vor der Ladentür abholen. Foto: imago images/Westend61

Seit Montag ist der Branchenverband allerdings mit den Landesregierungen von Berlin und Brandenburg im ständigen Gespräch, um Ausnahmen herbeizuführen, die die Händler, die von der Schließung betroffen sind, in der schwierigen Phase ein Stück weit entlasten. Etwa, dass Inhaber, die ihre Geschäfte schließen müssen, wenigstens die Möglichkeit erhalten, Kundenbestellungen per Telefon oder über das Internet aufzunehmen, und die Ware danach auszuliefern oder abholen zu lassen.

Unter anderem Möbelhäuser wie Ikea würden dies sehr begrüßen, „wenn weiterhin ein Abholservice mit kontaktloser Übergabe flächendeckend ermöglicht würde.“ Auch Blumenhändler würden davon profitieren, sagt Manuela Goohsen, Berliner Landeschefin des Fachverbandes Deutscher Floristen. „Denn so könnten Blumenhändler, die ihre Läden schließen müssen, ihr Geschäft im Lockdown so gut wie es geht über Wasser halten“, sagt sie.

Laut der Verordnungen erlauben Berliner Senat und Brandenburger Landesregierung Abhol- und Lieferservicemöglichkeiten. Goohsen kritisiert, dass bei den jetzigen Öffnungsverboten im Einzelhandel „nicht bundeseinheitlich an einem Strang gezogen wird“. Es sei schwer nachvollziehbar, „warum in Berlin oder Brandenburg die Blumenläden ab Mittwoch schließen müssen, aber in Nordrhein-Westfalen die Floristen weiter öffnen dürfen“, sagt sie.

Das KaDeWe lässt seine Lebensmittelabteilung im Lockdown geöffnet. Foto: Wächter

Klärungsbedarf gibt es auch bei den Baumärkten, die schließen müssen. Einzig Handwerker mit Gewerbeschein dürfen weiterhin hinein. Offen bleibt, ob es weitere Ausnahmen gibt. Dazu gehört neben der Aufrechterhaltung des Abholservices von bestellter Ware auch der Weihnachtsbaumverkauf. Dieser ist im Straßenhandel gestattet. Die Baumärkte, die auch Weihnachtsbäume anbieten, wollen im Lockdown auf ihren Parkplätzen den Handel mit den Festtagstannen fortsetzen. Ob dies so kommt, war am Dienstag noch völlig offen.

In den Kaufhäusern haben wenigstens die Lebensmittelabteilungen geöffnet. „Bei uns können die Kunden ohne Probleme ihre Weihnachtsgans oder andere Lebensmittel in der Zeit von 10 bis 18 Uhr kaufen“, sagte eine Sprecherin des KaDeWe. Im Galeria Kaufhof am Alexanderplatz ist ebenfalls die Feinkostmeile im Lockdown auf - von 10 bis 20 Uhr.

Nicht nur Geschäfte, auch Behörden machen im Lockdown dicht. Foto: Koch-Klaucke

Wie viele Geschäfte gehen auch Behörden mit Publikumsverkehr ab Mittwoch in den knapp vierwöchigen Lockdown. Wie das Fischereiamt, wo am Dienstag so mancher Berliner Angler anstand, um dort die Fischereierlaubnis zu verlängern oder Berechtigungsmarken für das kommende Jahr zu kaufen. Letzteres geht in den Angelläden nicht, da sie ebenfalls schließen müssen.