Sybille Spieker und Tochter Jule lauschen den Klängen von Max Raabe. Volkmar Otto

Einen Moment Freude, ohne Angst und Sorgen. Dem tristen Klinikalltag  kurz entfliehen. Die Weihnachtsfeier des Vereins Kolibri und des Helios Klinikums Berlin-Buch für die Kinderonkologie konnte in diesem Jahr unter Einhaltung der Corona-Auflagen im Freien stattfinden. Denn eine Begegnung auf der Station ist wegen der hohen Infektionsrisikos in Pandemiezeiten gerade nicht möglich. Die kleinen Patienten, die nicht nach draußen können, dürfen sich das Geschehen vom Fenster aus ansehen. Der Höhepunkt: ein Konzert von Max Raabe, der direkt vor den Krankenzimmern der Station spielt.

Sibylle Spieker sitzt ganz nahe bei ihrer Tochter Jule (10) am Bett und lauscht den Klängen des Sängers. „Wenn wir Glück haben, können wir morgen für ein paar Stunden nach Hause“, sagt die Mutter. Ihr Kind ist an Leukämie erkrankt und darf nicht an der Feier teilnehmen. Auch andere Patienten stehen erwartungsvoll am Fenster, winken und verfolgen gespannt auf das weihnachtliche Treiben vor der Klinik.

Gänsekeule mit Rotkohl und Kartoffelklößen

Marlon Doll (10) bekommt Chemotherapien und ist gerade ambulant auf der Station. Deshalb kann er mit seiner Mutter Charlene über das Klinikgelände spazieren und sich einen Teller des köstlichen Weihnachtsessen abholen. Es gibt Gänsekeule aus dem Ofen, Rotkohl und Kartoffelklöße und als Dessert einen Bratapafel mit Nougat und Vanillensauce. „Das Essen ist sehr lecker, nur die Sauce ein wenig bitter“, findet Marlon. 

Volkmar Otto
Vorn: Felix (7) und Frida (13) dürfen nicht nach draußen: Sie schauen sich die Weihnachtsfeier aus dem Fenster an. 

Der Junge hat viel hinter sich. Im August erkrankte er an Lymphdrüsenkrebs, während er seine Mutter zu einer Kur begleitete. „Ich hatte plötzlich lauter kleine Knötchen am Hals und mir war schwindelig“, erinnert er sich. Ein HNO-Arzt verschrieb zunächst ein Antibiotikum. Doch seiner Mutter ließ das keine Ruhe und fuhr mit ihm in die Notaufnahme. Von dort wurde er direkt ins Helios-Klinikum Berlin-Buch überwiesen, wo die Ärzte die Diagnose stellten. 

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Doch Marlon ist tapfer und hat ein Ziel vor Augen: „Im Mai oder vielleicht auch etwas früher, möchte ich wieder in die Schule gehen“, sagt er. Seine Schulkameraden fehlen ihm sehr, „aber sie schreiben ihm regelmäßig Briefe“. Für diesen Nachmittag will der Junge aber mal sein Schicksal vergessen und genießt den weihnachtlichen Ausflug mit seiner Mutter, der eine „schöne Abwechslung“ ist.  „Mir ist nur ein wenig kalt“, sagt er. Der kalte Nieselregen trübt die Stimmung der Gäste ein wenig. 

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Die beiden Köche Jahannes Wagner und Roman Maaßen servieren 150 Weihnachtsmenüs für ihre Gäste

Die Köche Johannes Wagner und Roman Maaßen haben viel zu tun. 150 Menüs müssen sie für ihre Gäste – Klinikpersonal und Patienten – zubereiten. Schwester Dorita trägt mehrere Essen übereinander. „Viele Kinder müssen im Bett bleiben. Deshalb hole ich ihnen ein Menü“, sagt sie. Auch für ihre Kollegen aus der Schicht hat sie ein festliches Gericht mitgenommen, dass sie sich später wieder warm machen wollen. Es sei selten, dass sie mal zusammen essen könnten. Der Alltag während der Pandemie sei für Pflegekräfte noch belastender und aufwändiger als sonst und die Die FFP2-Masken und Schutzkleidung anstrengend zu tragen. 

2013 organisieten Andreas Landgraf und Ehefrau Bettina die erste Weihnachtsfeier

Die Weihnachtsfeier auf der Kinderonkologie hat längst Tradition. Der Sohn von Kolibri-Mitarbeiter Andreas Landgraf war 2013 als Kind an Krebs erkrankt und wurde damals im Helios-Klinikum Berlin-Buch behandelt. Zu diesem Zeitpunkt kamen Landgraf und seine Ehefrau Bettina auf die Idee, erstmals eine Weihnachtsfeier für die Station zu organisieren. Seitdem wird sie jährlich für die kleinen Patienten organisiert und von Berliner Unternehmen finanziell unterstützt. Es sei so wichtig, den Kindern gerade in dieser Zeit ein wenig Panorama zu bieten, so Landgraf. Im vergangenen Jahr musste die Feier aufgrund des Infektionsgeschehens ausfallen und die Kinder bekamen ihre Geschenke am Krankenbett überreicht.

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Max Raabe singt für die schwerkranken Kinder auf der Kinderonkologie.

Um so größer ist die Freude, dass der Termin in diesem Jahr nicht abgesagt werden musste. „Wir sind total begeistert über den Besuch von Max Raabe, der spontan zugesagt hat, trotz des Wetter und der Pandemiebedingungen vor dem Klinkum zu spielen. In solchen Zeiten so eine Aktion auf die Beine zu stellen, war extrem schwierig und erfuhr eine besondere „Organisation“, sagt Kolibri-Mitarbeiter Andreas Landgraf, der jedem Kind eine Geschenktüte gepackt hat. Für Sänger Max Raabe war es auch ein besonderer Auftritt. Er sagt:  „Die Kinder hatten sich das gewünscht und ich habe nicht eine Sekunde gezögert, ihnen diesen Wunsch zu erfüllen.“