Leonie, als es ihr noch gut ging, schmust mit ihrer Mutter Constanze. Foto: Privat 

Leonie wünscht sich sehnlichst einen Labrador-Retriever-Welpen. Den sie lieb haben kann und mit dem sie draußen herumtollen kann. Doch dazu muss sie erst einmal wieder gesund werden. Das 11-jährige Mädchen aus Rüdnitz in Brandenburg ist schwer an Leukämie erkrankt. Nur ein geeigneter Stammzellenspender kann ihr noch das Leben retten. Ihre Mutter Constanze hat sich deshalb an den KURIER gewandt. Sie fleht: „Bitte helft meiner Tochter. Sie hat doch noch so viel vor!“

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Leonie liegt auf der Couch. Eingewickelt in eine Decke und mit einer Wärmflasche. „Es geht ihr nicht gut. Sie hat sehr mit den Nebenwirkungen der letzten Chemotherapien zu kämpfen“, sagt ihre Mutter. Sie ist 24 Stunden an der Seite ihres Kindes. Seit der niederschmetternden Diagnose im vergangen Herbst kann die 38-Jährige ihren Job als Erzieherin nicht mehr ausüben, weil sie ihre Tochter pflegen muss.

Bis September 2020 war Leonies Kindheit noch völlig sorglos. „Sie hat ein offenes und herzliches Wesen“, sagt ihre Mutter. Sie liest gern „Harry Potter“-Bücher, spielt am liebsten draußen in der freien Natur und hat ein Trampolin in ihrem Garten. Sie liebt kleine Kinder und möchte deshalb später auch mal den gleichen Beruf wie ihre Mutter ausüben. Doch dann gerät ihr unbeschwerte Leben plötzlich aus den Fugen.

Als es Leonie nicht besser ging, kam der schlimme Verdacht

Leonie fühlt sich abgeschlagen, ist extrem blass und bekommt Fieber, so berichtet die Mutter. Der Arzt habe sie beruhigt und habe das auf die Pubertät geschoben. Doch nach einer Woche sei es Leonie noch immer nicht besser gegangen. „Wir waren noch einmal zur Untersuchung da und er vermutete eine Nasen-Nebenhöhlenentzündung und verschrieb ein Antibiotikum“, erinnert sich Constanze. Erst als die Tochter es nicht mehr alleine vom Kinderzimmer bis ins Bad schaffte, fuhr sie mit ihr in die Notaufnahme ins Helios-Klinikum Berlin-Buch. „Ich hatte so ein merkwürdiges Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt“, erinnert sich die Mutter. Bereits nach dem ersten Blutbild gibt es einen schlimmen Verdacht, eine Knochenmarkpunktion am nächsten Tag bestätigt das: Leonie hat eine aggressive Form von Leukämie.

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Leonie hat wegen ihrer schweren Erkrankung viel abgenommen: Sie wiegt nur noch 32 Kilo.

„Die Diagnose hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich dachte, mein Kind stirbt“, sagt die Mutter. Ihre Welt habe auf einmal stillgestanden. „Das Schlimmste war, keine Kontrolle zu haben. Ich habe mich so furchtbar hilflos gefühlt.“ Einen Tumor könne man herausschneiden, Blutkrebs aber sei überall im Körper.

Dann beginnt die Tortur: Mehrere Chemotherapien muss Leonie über sich in der Klinik ergehen lassen. Kurz nach der Entlassung geht es der Tochter sehr schlecht. Sie kann nichts essen, erbricht sich jedes Mal und ist so geschwächt, dass sie keinen Schritt alleine gehen kann. „Sie hatte starke Schmerzen, ihr Blutzuckerwert war extrem hoch und sie hatte überall Wasser im Körper. Ihre Ärzte diagnostizierten eine schwere Bauchspeicheldrüsenentzündung“, so die Mutter. Leonie kam für vier Tage auf die Kinderintensivstation. 

Später stellt sich auch noch heraus, dass die Chemotherapien nicht den gewünschten Erfolg bringen. Nur noch ein passender Stammzellspender kann das Leben der 11-Jährigen retten. „Da mein Kind keine Geschwister hat, ist es dringend auf einen Fremdspender angewiesen“, sagt Constanze.

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Woher sie die Kraft nimmt? Es ist ausgerechnet Leonie, die ihrer Familie in dieser schweren Zeit Kraft gebe, sagt die Mutter. „Wenn ich ihr gesagt habe, dass ich ihr diese elende Krankheit so gerne abnehmen würde, sagte sie immer: Ach Mama, das ist doch dumm. Kinder haben viel bessere Heilungschancen als Erwachsene.“ Wenn sie sich gesorgt habe, dass Leonie unter den verlorenen Haaren leiden könnte, habe die Tochter sie beruhigt: „Mach dir keine Sorgen, Haare waschen habe ich schon immer gehasst. Außerdem wachsen die wieder.“ Leonie sei ein starkes Kind, das sich mit der Krankheit sehr verändert habe. „Kleinigkeiten, über die wir uns sonst gestritten haben, spielen keine Rolle mehr“, erzählt die Mutter.

Jeder Tag ist für die Familie eine Herausforderung, auch wenn sie von allen Seiten Unterstützung erfährt. Aber mit den wichtigen Dingen bleibt man alleine, so berichtet Constanze, ohne dass sie klagen wolle: „Alle sind für uns da und helfen. Dafür sind wir unendlich dankbar. Aber sie gehen auch wieder nach Hause und können irgendwann abschalten. Das, was wir hier erleben, ist eine andere Geschichte.“ Das könne niemand abnehmen und sei emotionaler Stress pur.

Für die Mutter stand fest: Aufgeben ist keine Option

Seit der Diagnose habe sie keine Nacht durchgeschlafen. Im Traum hört sie die Geräusche der Intensivstation, berichtet die Mutter. Und trotz allem sagt sie: „Wir haben uns der Krankheit gestellt. Widerstand kostet nur unnötige Kraft. Und die brauchen wir jetzt für Leonie. Wir haben uns entschieden, zu kämpfen und haben nur noch eine Blickrichtung: Nach vorne. Aufgeben ist keine Option. Leonie macht es uns jeden Tag vor. Es ist unvorstellbar wie tapfer und positiv sie ist. Von ihr können wir viel lernen.“

Leonie kämpft weiter, denn sie hat noch große Träume: Neben dem Hund möchte sie, wenn die Corona-Pandemie vorbei ist, einmal in einem Flugzeug in den Urlaub fliegen. Und sie möchte endlich wieder in die Schule gehen und auf ihrem Trampolin springen. Damit sie den Anschluss in ihrer Klasse nicht verliert, soll sie jetzt mittels eines Lern-Roboters mit ihren Mitschülern und Lehrern verbunden werden. Das hat ihr der Berliner Verein Kolibri Deutschland e.V. ermöglicht.

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Aber trotz ihrer unglaublichen Stärke kann das tapfere Mädchen den Kampf allein nicht schaffen. Ihre einzige Hoffnung ist die Online-Aktion der DKMS. Je mehr Menschen sich unter www.dkms.de/leo registrieren lassen, desto größer sind ihre Überlebenschancen. Die Unterlagen werden bequem nach Hause geschickt.

Leonie bittet alle, die von ihrem tragischen Schicksal im KURIER lesen: „Entscheidet euch für eine Registrierung. So könnt ihr mir und ganz vielen anderen Menschen helfen. Danke an alle, die mitmachen. Damit macht ihr mich sehr glücklich.“