BVG-Bus mit Mampe-Werbung um 1990 in Berlin 
BVG-Bus mit Mampe-Werbung um 1990 in Berlin  Marcellinus Prien / Bebra Verlag

Dass es bisher kein Buch über die Geschichte des Berliner Spirituosen-Fabrikanten Mampe gab, ist verwunderlich. Kaum ein Hersteller von Likören und Schnäpsen ist in der Geschichte der Stadt so bekannt  geworden wie Mampe mit „Mampes Bittere Tropfen“ oder „Mampe Halb und Halb“.  Es soll sogar Zeiten gegeben haben, in denen Berliner auf die Frage nach dem Befinden geantwortet haben:  Mampe, halb und halb. In aller Munde war der Likör mit dem weißen Elefanten auf dem Etikett. 

Bei Mampe, hier mit einem Pfleger zu sehen, handelt es sich um einen Afrikanischen Zwergelefanten. 
Bei Mampe, hier mit einem Pfleger zu sehen, handelt es sich um einen Afrikanischen Zwergelefanten.  Stöcker, Archiv Zoo Berlin 

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Im Zoo gab es, Bezug nehmend auf das Logo, jahrzehntelang Elefanten mit dem Namen Mampe und am Kudamm lockte Mampes Gute Stube. Rennwagen fuhren mit Mampe als Sponsor und auch Hertha trabte mit Likör-Logo auf den Platz.

Mampe-Devotionalien und Werbemittel für Sammler 

Noch heute gibt es Menschen, die Werbeschilder, Gläser, historische Flaschen und andere Mampe-Devotionalen wie die berühmten weißen Elefanten, sammeln. Ein Stück altes Berlin, dafür steht die Marke. Im Bebra Verlag erscheint in diesen Tagen ein Buch, das die bewegte Geschichte der Traditionsdestillerie nachzeichnet und mit vielen Bildern illustriert.

Emaille-Werbeschild von 1925. 
Emaille-Werbeschild von 1925.  Marcellinus Prien / Bebra Verlag

Mampe hat seinen Ursprung in einer Krise: Als nach 1830 die Cholera in Preußen grassierte, machte sich 1831 der Arzt und Königlich Preußische Geheime Sanitätsrat  Dr. Carl Friedrich Mampe sen. auf und mixte in seiner Apotheke im pommerischen Stargard eine Medizin, die bald reißenden Absatz fand. Heilkräuter und Schnaps, „Dr. Mampes Bittere Tropfen“, waren der Anfang einer Erfolgsgeschichte, in deren Verlauf es kaum eine Spirituose gab, die nicht unter dem Namen „Mampe“ hergestellt und vertrieben wurde.

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Carl Mampe gab das Rezept an seine beiden Stiefbrüder weiter, die zerstritten sich und gründeten getrennt voneinander Produktionsfirmen, eine in Stargard, der andere in Berlin. 

Der Berliner Mampe-Zweig wählte einen weißen Elefanten zum Firmenzeichen, Verkaufsschlager wurde „Halb und Halb“, ein Gemisch aus den Bitteren Tropfen und Früchten: Pomeranzen, Früchte, Schalenauszüge. Der milde Magenbitter gewann landauf und landab Preise und Auszeichnungen.

Mampe gab im ersten Weltkrieg eine Serie mit Kriegspostkarten heraus. Um 1915 wurden sie in Deutschland verschickt. 
Mampe gab im ersten Weltkrieg eine Serie mit Kriegspostkarten heraus. Um 1915 wurden sie in Deutschland verschickt.  Marcellinus Prien/ Bebra Verlag

Als 1889 der Werbefachmann Robert Emil Justus Exner als Teilhaber bei Mampe einstieg, gab es kein Halten mehr. Der weiße Elefant auf rotem Grund tauchte einfach überall auf. Als Carl Mampe junior früh starb, heiratete Exner seine Witwe und wurde neuer Inhaber der Firma. Mampe wurde die führende deutsche Likörmarke. Produziert wurde neben dem Anhalter Bahnhof in einem ehemaligen Druckhaus des Langenscheidt Verlags.

Wer in Berlin etwas auf sich hielt, ging in Mampes Gute Stube, 1917 eröffnete am Kudamm 15 das erste von seinen später 20 Likörprobierlokalen. Bis zu seiner Schließung im Jahr 1984 war dies einer der Berliner Schauplätze des „Sehen und Gesehen werden“, legendär die überdachte und beheizte Kudamm-Terrasse. Ein Stammgast war der Autor Joseph Roth, der hier seine Artikel und Reportagen schrieb.

Lieferkutsche um 1930. 
Lieferkutsche um 1930.  Lothar Uebel / Bebra Verlag

Seit 1924 Jahren gab es im Berliner Zoo fast 60 Jahre lang zwei Zwerg-Elefanten, die die Namen des Firmengründers trugen: der eine Carl, der andere Mampe. 

1937 wurde ein zweites Werk in Hohenschönhausen errichtet, im Kreuzberger Kiez war es Nachbarn zu laut und zu geruchsintensiv geworden, es kam zu Beschwerden. Man zog also gen Stadtrand, wo der zweite Verkaufsschlager erfunden wurde: der Lufthansa-Cocktail.  Mehr als 50 Jahre lang wurde er an Bord ihrer Flugzeuge in der 1. Klasse ausgeschenkt.  Mit dem Slogan „Vergnügt über dem Alltag schweben“ wurde der Drink an die Leute gebracht und avancierte schnell zum Szenegetränk.

Das Buch zur Geschichte des Berliner Likörfabrikanten Mampe erscheint am 26. Februar im BeBra Verlag und kostet 24 Euro.
Das Buch zur Geschichte des Berliner Likörfabrikanten Mampe erscheint am 26. Februar im BeBra Verlag und kostet 24 Euro. Bebra Verlag

Die Folgen der Nazi-Zeit, Mampe während der deutschen Teilung und wie es mit dem Betrieb nach der Wende weiter ging, beleuchtet das Buch der Mampe-Liebhaber Marcellinus Prien und Lothar Uebel. Sie erzählen die Mampe-Story über die Jahrzehnte anhand vieler Bilder, Fotos, historischer Werbemittel  und Grafiken.

Mampe-Museum musste schließen 

Das erste und einzige private Mampe-Museum musste 2015 in Berlin zwar schließen, die Geschichte der Berliner Likör-Fabrik aber ist noch lange nicht zu Ende erzählt. Im Hipster-Berlin kennt man den Halb und Halb natürlich und seit 2013 knüpfen Berliner Mampe-Liebhaber an die Jahrhunderttradition an. Im Kreuzberger Bergmannkiez entsteht in der von Quirin Graf Adelmann und  Florian Löhlein übernommenen Mampe-Manufaktur Gin, aber auch Mampe-Liköre nach alter Rezeptur. Der Elefant, der in Berlin bekannt wie der Bär ist, er thront wie eh und je auf den bauchigen Flaschen.

Mampe Elefantenfigur aus den 1950ern. 
Mampe Elefantenfigur aus den 1950ern.  Tilmann Schrade / Bebra verlag