Fabian Benz (32) läuft für sein Leben gern Marathon. Für die Freunde in seiner Laufgruppe bastelt er sogar eigene Medaillen. Foto: Sabine Gudath

Steht ein Jahreswechsel an, nehmen sich viele vor, im neuen Jahr öfter mal eine Runde joggen zu gehen – die meisten haben den guten Vorsatz schon Mitte Januar wieder begraben. Anders ist es bei dem Berliner Fabian Benz: Der 32-Jährige ist ein echter Marathon-Mann! Einmal pro Woche legt er im Laufschritt eine 42-Kilometer-Strecke zurück. 2021 will er die Berliner inspirieren, mit den eigenen Füßen die Stadt zu erkunden.

Dass sein Hobby für Außenstehende etwas verrückt klingt, ist dem 32-Jährigen bewusst. Denn: Für die meisten Menschen klingt allein der Gedanke, 42 Kilometer zu rennen, völlig absurd. „Ich laufe mit den Freunden in meiner Laufgruppe jede Woche einmal eine so lange Strecke.“ Fabian Benz lächelt. „Vergangene Woche habe ich es sogar zweimal geschafft.“ Der Marathon, für viele unerreichbar, sei für ihn eher eine Art Training. „Mein Ziel ist es, im November am Authentic Phidippides Run in Griechenland teilzunehmen – hier ist die Strecke 490 Kilometer lang, muss in 104 Stunden bewältigt werden.“

Ein normaler Marathon ist für Fabian Benz nur ein Trainingslauf. Foto: Sabine Gudath

Zum Sport kam Benz, der eigentlich als Arzt für Gastroenterologie und Sportmedizin auf einer kardiologischen Intensivstation der Charité arbeitet, durch Zufall. „Ich habe früher Tennis gespielt, aber aufgrund einer Verletzung ging das nicht mehr. Deshalb kam ich zum Laufen“, sagt er. Bei den ersten Versuchen sei ihm bereits nach kurzer Zeit die Puste ausgegangen. „Meine erste Runde war keine drei Kilometer lang.“

Ein Marathon ist für Fabian Benz nur ein Trainingslauf

Doch es faszinierte ihn, dass er durch das Training immer weitere Strecken schaffte. Im Jahr 2007 folgte der erste Halbmarathon (21,1 Kilometer), im gleichen Jahr mit dem Berlin-Marathon der erste richtige Marathon. „Das Gefühl, durch das Ziel zu laufen, war für mich einfach genial. Man bereitet sich lange darauf vor, der eigentliche Lauf ist der Anreiz und die Belohnung für das tägliche Training.“

Beim Spartathlon in Griechenland lief Fabian Benz im Jahr 2018 satte 246 Kilometer, hier überquert er eine Brücke bei Korinth. Foto: privat

Einen Lauf pro Jahr wollte er schaffen, doch es wurden immer mehr. Allein am Berlin-Marathon hat er bisher in jedem Jahr teilgenommen. Als im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie alle Laufveranstaltungen ausfallen mussten, begannen Benz und seine Sportfreunde kurzerhand, sich eigene Ziele zu setzen. „Wir gründeten eine Gruppe, stellten uns Routen zusammen und liefen sie ab, natürlich maximal zu zweit und mit Abstand“, erzählt er. Ganz nebenbei lernten die Hobbysportler völlig neue Gebiete der Hauptstadt kennen. 

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Weil’s so schön war, bekommt das Lauf-Projekt 2021 sogar einen Namen: „Berlin erkunden mit Marathons“ heißt die Reihe, bei der sogar alle Berliner mitmachen dürfen. „Die Routenvorschläge sind öffentlich einsehbar. Aufgrund der Pandemie veranstalten wir keine Lauf-Events – aber jeder, der möchte, kann unsere Marathon-Strecken natürlich selbstständig erkunden.“ Am 23. Januar startet etwa der „West-Berliner Bergmarathon“, über zehn Berliner Berge führt. Momentan sind Läufe bis in den Juni festgelegt, die Liste, die unter https://my.raceresult.com/g4135/ einsehbar ist, soll aber ständig erweitert werden.

Erst im vergangenen Jahr bewältigte Benz seinen 100. Marathon, feierte den Erfolg mit seinen Sportfreunden und genug Abstand. Foto: privat

Unerfahrenen Läufern rät Benz aber vom spontanen Starten ab. „Man sollte klein anfangen, erst mal überhaupt loslaufen, vielleicht zwei- oder dreimal pro Woche.“ Am Anfang sei es gut, abwechselnd zu laufen und zu gehen, sich kontinuierlich zu steigern. Ab einem Alter von 30 Jahren sei es außerdem wichtig, sich vom Arzt checken zu lassen. „Damit man weiß, ob im Herz-Kreislauf-System alles stimmt.“ Die Strecke könne dann immer erweitert werden, auf fünf, später zehn Kilometer. Genauso wichtig wie das Durchhalten sei es, aufzugeben, wenn es nötig ist. „Wenn man merkt, dass der Körper nicht mehr will, muss man darauf hören.“