Die Schwestern, Jenny (l.) mit dem kleinen Antonius, Sarah, Peggy (r.), Unternehmer Saygin Yalcin und die Mutter Barbara Mehnert knien am Grab von Antonia.  Foto: Volkmar Otto

Sie hat rote Rosen gepflanzt und zwei weiße Porzellan-Engel aufgestellt. Sie sollen Antonia beschützen. Nur das Wichtigste am Grab ihrer geliebten Tochter fehlt noch immer. Der Stein, der wie ein Mahnmal immer an das fröhliche Mädchen erinnern soll. Der KURIER berichtete bereits über das traurige Schicksal von Antonia, die vor einem Dreivierteljahr an Lymphdrüsenkrebs verstarb. Da Barbara Mehnert (42) noch immer das Geld für die Fertigstellung der Grabstätte fehlt, zeigte Unternehmer Saygin Yalcin (34) ein großes Herz. Er will die restlichen Kosten von 3000 Euro übernehmen. 

„Ich war zutiefst getroffen, als ich hörte, dass Antonia verstorben ist. Ich habe sie als fröhliches und aufgewecktes Mädchen in Erinnerung“, sagt Saygin Yalcin. Er begegnete der Schülerin schon, als noch Hoffnung bestand, sie könnte ihre schwere Krankheit besiegen. Damals las er ihre traurige Geschichte im KURIER und wollte ihr eine Therapie in den USA finanzieren, doch dazu kam es nicht mehr. Antonias Herz hörte am 5. November 2019 für immer auf zu schlagen.

Ein Ort der Trauer ist für Antonias Mutter Barbara und ihre drei Schwestern so wichtig, um mit dem schweren Verlust fertig zu werden. Bereits im Dezember vergangenen Jahres verzichteten Bewohner eines Seniorenheims in Wittenau auf ihre Weihnachtsgeschenke und spendeten das Geld für Antonias Grabstätte. Doch es reichte nicht aus, da der Grabstein rund 4000 Euro kostet. Die alleinerziehende Mutter selbst kann das nicht bezahlen, da sie ihre todkranke Tochter viele Monate zu Hause pflegte und in dieser Zeit nicht arbeiten konnte. 

Es soll ein blaues Herz aus Marmor sein, mit einem Teddy eingraviert. „Er soll dem Teddy ähneln, mit dem Antonia eingeäschert wurde“, so beschreibt die Mutter den Stein, der auf dem Grab stehen soll.

Im Oktober 2012 brach der Krebs aus. Die Schülerin hatte Monate im Krankenhaus verbracht, bekam mehrere Chemotherapien und eine Knochenmarktransplantation. Am Ende war der Krebs stärker und die Mutter hatte das Schicksal nicht in der Hand. „Umso wichtiger ist es, dass mit dem wertvollen Stein als Symbol für immer an Antonia und ihr schweres langes Leiden gedacht wird“, betont Barbara Mehnert. 

Die Mutter fährt täglich nach der Arbeit in einem Pflegeheim in Charlottenburg nach Biesdorf zum Friedhof, wo die Tochter nahe ihrer Wohnung in Hellersdorf bestattet wurde. Unter einer großen Tanne, die im Hochsommer Schatten spendet und zur kalten Jahreszeit vor Schnee und Regen schützt. „Anfangs war ich nicht in der Lage, dort allein hinzugehen, aber inzwischen bin ich froh, hier in Ruhe trauern zu können und die Nähe und Verbundenheit zu meiner Tochter zu spüren“, sagt Barbara Mehnert.

Nun fehlt nur noch das blaue Herz, das jetzt endlich von einem Berliner Steinmetz mit Marmor aus Brasilien angefertigt werden kann. Saygin Yalcin ist kein Unbekannter. Der Dubai-Millionär, der in einem Plattenbau in Bremen groß geworden ist, hat vor einigen Monaten eine seiner Online-Firmen für 700 Millionen Euro an Amazon verkauft.

„Ich bin Saygin so unendlich dankbar. Es tut so gut zu wissen, dass er Antonia nicht vergessen hat. Auch all die anderen Menschen, die mir geholfen haben, sie haben mir damit ein unbeschreiblich wertvolles Geschenk gemacht“, so die Mutter. Er habe ihr erzählt, dass seine eigene Schwester selbst einmal schwer krank war und ihn Antonia an sie erinnere. Sein Engagement habe ihr unendlich viel Kraft gegeben.

Zu Hause haben Antonias drei Schwestern und ihre Mama eine kleine Urne mit Haaren von Antonia befüllt und sie in ein Regal ins Wohnzimmer gestellt. Darüber hängt ein Foto des Mädchens mit der Aufschrift „In stillem Gedenken.“ Vor sieben Monaten ist noch ein fünftes Familienmitglied zur Welt gekommen, Antonias kleiner Neffe, der ihren Vornamen in männlicher Abwandlung trägt, Milan Antonius. „Antonia hat von der Schwangerschaft ihrer Schwester gewusst, aber keine Gelegenheit mehr gehabt, ihn kennenlernen zu dürfen.“

An diesem Tag besucht die Familie gemeinsam mit Saygin Yalcin Antonias Grabstätte. Barbara Mehnert zeigt ihm die Stelle, wo das blaue Herz bald stehen soll. „Voraussichtlich im November soll es fertig sein“, sagt Barbara Mehnert und eine Träne rinnt über ihr Gesicht. Das Herz hat eine große Bedeutung für sie, aber es wird ihr niemals den tiefen Schmerz in ihrem eigenen Herzen nehmen können.