Der Sänger, Entertainer und Schauspieler Robert Blanco wird am Dienstag 85 Jahre alt. dpa/Koall

Schnell im Kopf, flink auf den Füßen. Man mag Roberto Blanco sein Alter nicht abnehmen. Am 7. Juni wird der Sänger, Entertainer und Schauspieler schon 85 Jahre alt, doch er sieht noch immer wie Mitte 70 aus. „Ein bisschen Spaß muss sein“ hält scheinbar jung. Und so wird der Teilzeitberliner seinen Ehrentag auch nicht wie ein Pensionär feiern. Sondern auf der Bühne in Steglitz – im Schlosspark-Theater. Wo Roberto Blanco auftaucht, wird es schnell sehr vergnügt. Auf Partys und roten Teppichen sorgt der temperamentvolle Schlagerstar immer noch für gute Stimmung. Nur eine Sache macht dem Sänger mit fast 85 Jahren Angst, und das ist nicht der Tod.

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Noch bis Mitte Juni spielt Roberto Blanco im Schlosspark-Theater in der Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter – Teil 2“ eine Hauptrolle (neben Peter Bause und Brigitte Grothum) – auch an seinem Geburtstag. „Ich habe am Theater einen Raum gemietet, nach der Vorstellung feiere ich da mit Kollegen, Freunden und meiner Frau“, sagt Blanco – und lacht, wie so oft während des Gesprächs.

Roberto Blanco wohnt zurzeit in Steglitz, unter dem Dach des Schlosspark-Theaters

Zurzeit wohnt Roberto Blanco auch in Steglitz. „Meine Frau ist hier, wir haben von Dieter Hallervorden ein tolles Apartment unterm Dach des Schlosspark-Theaters bekommen – mit einer großartigen Aussicht“, erzählte der noch 84-Jährige in der BZ. Abends sieht man Blanco öfters am Gendarmenmarkt, er geht gerne mit seiner Frau ins Borchardt oder Lutter und Wegner zum Essen.

1971 in München: Roberto Blanco, seine damalige Schweizer Ehefrau Mireille und die sechsjährige Tochter Mercedes stellen den Familienzuwachs vor, die kleine Patricia. dpa/Reeh

Und er arbeitet viel, nicht nur im Schlosspark-Theater. Über drei Stunden steht er auf der Bühne, er spielt auf Kreuzfahrtschiffen (21. bis 24. Juli auf der „Artania“, 9. bis 14. September auf „Mein Schiff 3“), am 3. Juni erscheint sein neues Album „Jetzt erst recht“. Eine Doppel-CD – so viel Spaß muss ein. Roberto Blanco braucht das Beschäftigtsein. „Ich habe kein Problem mit Textlernen“, sagt er. „Ich konzentriere mich tagsüber auf die Rolle, das Lernen und die Proben.“

Geboren wurde Roberto Blanco am 7. Juni 1937 in Tunis

Immer fröhlich, immer unterhaltsam – das ist Robert Blanco. 1972 sang er „Ein bisschen Spaß muss sein“ – ein Songtitel, der zum geflügelten Wort wurde. „Ich bin so von Natur aus, das kann man nicht spielen“, resümiert er selbstbewusst im Videointerview in München, wo er früher mal wohnte. „Ich danke Gott jeden Tag, dass ich so bin. Das ist auch der Grund, warum das Publikum mich mag.“ Rassismus habe er als Person of Color (Nicht-Weißer) nicht erfahren: „Ich wurde immer respektiert, deswegen kenne ich so was Gott sei Dank nicht.“

Kann so einer überhaupt schlecht gelaunt sein? „Ich bin ein Mensch, kein Roboter, aber das ist etwas Privates“, erklärt der Deutsch-Kubaner, der, wenn er nicht in Berlin spielt, im schweizerischen Ermatingen am Bodensee mit seiner Frau Luzandra Strassburg lebt. „Wenn mir etwas nicht gefallen hat, dann ziehe ich mich zurück. Aber das dauert nicht sehr lang bei mir. Das Leben ist zu kurz, als dass ich mich über so etwas lange ärgern würde.“

Roberto Blanco und seine Frau Luzandra bei der Vorstellung des Programms für die neue Spielzeit im Schlosspark-Theater. dpa/Kalaene

Schlechte Laune also, die rasch wieder verfliegt. Blanco führt das nicht zuletzt auf seine Kindheit zurück. Die sei wunderschön gewesen. Geboren wurde Blanco am 7. Juni 1937 in Tunis. Seine Mutter starb, als er zwei Jahre alt war. Also kümmerte sich der Vater um ihn, der Kubaner Alfonso Zerquera. Während der Sommerferien durfte er mit dem Folklore- und Varieté-Künstler durch Europa und Afrika touren. 1956 bekam er seine erste Rolle im Kriegsfilm „Der Stern von Afrika“ und durfte 1958 mit der berühmten Tänzerin Josephine Baker auf Tournee gehen. Sein Durchbruch kam 1969, als er in „Heute so, morgen so“ die Launen der Liebe besang. Ein Song, der 1973 auch Titel seiner ersten eigenen TV-Show wurde.

„Das Einzige, wovor ich Angst habe, sind die Menschen, aber nicht davor, dass der liebe Gott mich holen will“

Roberto Blanco – die Stimmungskanone, wie man damals noch sagte, allgegenwärtig in Fernsehshows, auf Partys, am roten Teppich. Er kannte und kennt Gott und die Welt, Popstar Michael Jackson ebenso wie Bundeskanzler Helmut Kohl, den Sänger Udo Lindenberg, Tennisstar Boris Becker oder den Schauspieler Dieter Hallervorden.

Ausnahmsweise mal im Rollstuhl: Roberto Blanco, Brigitte Grothum und Peter Bause in „Monsieur Claude und seine Töchter – Teil 2“. imago/Zeitz

In den 2000er-Jahren dann ein Knick. Die Illustrierten, die ihn zuvor bejubelt hatten, schrieben nun über finanzielle Probleme und die Schlammschlacht mit seiner ersten Ehefrau Mireille und seiner Tochter Patricia. In seiner 2017 erschienenen Autobiografie „Von der Seele“ gestand Blanco Seitensprünge ein. Der Streit soll sich aber ums Geld gedreht haben. „Diese Familie ist für mich – leider muss ich sagen – gestorben“, erklärte er damals. Heute will er dazu nichts mehr sagen, räumt nur ganz generell auf sein Leben bezogen ein: „Natürlich habe ich Fehler gemacht, jeder macht Fehler. Aber wichtig ist, was in der Zukunft kommt, darauf muss man sich konzentrieren.“

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Dass mit 85 Jahren der Tod um die Ecke lauert, schreckt den Optimisten nicht: „Das Einzige, wovor ich Angst habe, sind die Menschen, aber nicht davor, dass der liebe Gott mich holen will. Menschen machen Kriege und zerstören die Natur.“ Sein Wunsch: „Einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen, vielleicht in zehn Jahren. Jeder wird mal drankommen und niemand weiß, wann.“